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Kirche in WDR 5 | 04.08.2021 | 06:55 Uhr

Handwerk

Eine Schlagbohrmaschine und eine Stichsäge gehören nun seit kurzen zu meinen Werkzeugen zuhause. Und sie sind oft in Gebrauch. Egal ob eine Gardinenstange aufgehängt werden muss, das Spielhäuschen eine neue Tür bekommt oder der schwere Spiegel eine Aufhängung braucht. Manches habe ich lange nicht mehr selbst machen müssen. Jetzt, nach meinem Umzug, wage ich mich wieder selbst an solche Dinge – zumindest an manche- für einige warte ich dann doch auf Menschen, die mir dabei helfen oder mir die Arbeit abnehmen.

Zum Glück habe ich solche handwerklichen Dinge von meinem Vater gelernt. Schon als kleines Kind bin ich furchtbar gerne mit ihm in den Werkstattkeller gegangen. Ich habe an Dingen herumgeschraubt oder gehämmert. Er hatte aber auch immer etwas für mich, an dem ich basteln durfte – mal ein altes Radio, mal Holzleisten, Nägel, Schrauben, Hammer, Säge. Früh habe ich gelernt damit so umzugehen, dass ich mich nicht verletze. In meinem Zuhause als Kind wurde so gut wie alles selbst repariert und gemacht. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass je ein Handwerker zu uns ins Haus kam. Ob es die kaputte Waschmaschine, die Fliesen des Badezimmers, Malerarbeiten, kaputte Fahrräder waren – mein Papa konnte alles – so jedenfalls kam es mir vor. Und ich war gerne dabei. Nicht immer war mein Vater sehr geduldig, wenn ich auch beim zweiten Mal nicht das richtige Werkzeug brachte oder beim Halten einer Leiste nicht gerade genug war. Aber ich durfte dabei sein, zuschauen, mitmachen. Das habe ich bis heute im Blut. Man probiert es erstmal selber. Ganz so begabt wie mein Vater bin ich nicht. Für vieles brauche ich Hilfe. Aber zum Glück kenne ich in meinem Freundeskreis solche „Alleskönner“. Ich bewundere sie zu tiefst. Und immer noch gehe ich ihnen gerne zur Hand – auch wenn es nur das Holen der richtigen Werkzeuge ist oder das Halten einer Latte.

Übrigens: Jesus war ebenfalls Handwerker. Der Tradition nach ist das jedenfalls klar: Der Sohn Gottes hat als Schreiner gearbeitet, bzw. als Zimmermann – hat er auch von seinem Vater Josef gelernt. So richtig bekannt sind ja nur seine letzten drei Jahre in der Öffentlichkeit – das Leben davor, war das eines Arbeiters. Wer weiß, welche Handwerksstücke im Heiligen Land ausgegraben werden, die Jesus gemacht hat ????.

Wenn ich handwerklich unterwegs bin, dann bin ich jedenfalls absolut in der Nachfolge Jesu. Allerdings ist das nicht mein erster Gedanke, wenn ich zu einem Hammer oder meiner Stichsäge greife. Da geht es entweder um rein praktische Verbesserungen im Haus oder aber um kreative neue Verschönerungsideen  – vor allem für die beiden Kinder, die mit mir leben.

Und trotzdem: Ich mag an meinem Glauben besonders das Handfeste. Natürlich gibt es auch das Schöngeistige. Das ist auch wichtig. Eine Motette von Bach, oder ein theologischer Gedanken von Teresa von Avila oder Madlein Debrel. Aber auch da mag ich diejenigen am liebsten, die ihre Theologie handfest und alltagstauglich erklären – wie eine Teresa von Avila sagt „sie finde Gott auch zwischen den Kochtöpfen“. Jesus gehörte jedenfalls zu denen, die Gott alltagstauglich an die Menschen brachte – die Erzählungen der Bibel sind voll solcher Gleichnisse mit Arbeitern oder Handwerkern.  Vielleicht sollte das mal im Credo ergänzt werden: „Geboren von der Jungfrau Maria, ausgebildet bei seinem Ziehvater Joseph – ein waschechter Handwerker“…und dann erst das mit dem „gelitten unter Pontius Pilatus“. Jesus hat das Leben eines Arbeiters gelebt. Das hat sein Reden und sein Gottesbild geprägt. Dieser Blick fehlt mir heute oft in Kirche und Theologie. Es geht um ganz konkretes Leben und um die Menschen in ihrem konkreten Alltag – ob mit Stichsäge und Bohrmaschine oder nicht.

Nachfolge Christi jedenfalls hat viel mit Handfest-Sein zu tun. Und in diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen handfesten Tag – ihre Sr. Jordana Schmidt, die jetzt in Krefeld lebt.

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