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Kirche in WDR 5 | 03.07.2019 | 06:55 Uhr

Heftpflaster

Autor: Guten Morgen!

Neulich habe ich mal wieder Oma Paulsen besucht, die freundliche alte Dame in unserer Nachbarschaft. Ich habe ihr selbst gebackene Kekse mitgebracht. Sie freute sich sehr und bedankte sich herzlich. Am Ende des Besuchs nahm ich die Keksdose wieder mit, aber: Leer wollte mir Oma Paulsen das Gefäß nicht mitgeben. Sie musste etwas hineintun. Da sie gerade nichts anderes zur Hand hatte – was nimmt sie? Ein paar Heftpflaster.

Als ich den überraschenden Inhalt wahrnahm, musste ich schmunzeln. Will Oma Paulsen Wunden versorgen? Überhaupt: Muss eigentlich jedes kleine Geschenk vergolten werden?

Sprecherin: Alles nun, was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch!“

Autor: Diese Aufforderung von Jesus ist in der Bibel überliefert, gleich an zwei Stellen: Im Evangelium nach Matthäus und fast wortgleich beim Evangelisten Lukas. Man hat den Satz auch die „Goldene Regel“ genannt. Es ist ein Lebensprinzip, das sich so oder ähnlich in vielen Kulturen und Religionen findet. Es ist so einfach wie einleuchtend: Was ich gerne möchte, was mir gut tut, das tut auch anderen gut. Wenn ich diese Einsicht im menschlichen Miteinander praktisch anwenden will, muss ich einen Blickwechsel vollziehen. Ich muss die Perspektive umdrehen und mich in mein Gegenüber hineinversetzen. Und dann wieder zurück auf mich schauen. Dann kann ich am anderen so handeln, wie ich selber behandelt werden will.

Das gelingt in der Praxis nicht immer. Zu verschieden sind die Sichtweisen, die Wahrnehmungen, die Vorlieben. Was mir angenehm ist, wird ein anderer lästig finden. Was ich für scheußlich halte, gefällt dem anderen ausgezeichnet. Die Goldene Regel, so einfach sie klingt, hat es in sich.

Im Deutschen gibt sie es in der Umkehrung als gereimtes Sprichwort:

Sprecherin: „Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu.“

Autor: Anspruchsvoller und schöner finde ich aber die positive Version. Im Großen wie im Kleinen. Es ist eine Regel für das Zusammenleben, die nicht auf Gegenleistung zielt, die – frei von Kalkül und Berechnung – dazu führt, dass ich mich dem andern zuwende. Keine Frage: eine ideale Regel. Würde sie immer befolgt, sähe es besser aus auf der Welt.

Als Christ weiß ich, dass ich dieser Goldenen Regel längst nicht immer genüge. Zu oft hindern mich Trägheit oder Egoismus, an anderen so zu handeln, wie ich selber behandelt werden will. Aber dann muss ich mich nicht selbst unter Druck setzen und mich als Versager fühlen. Die Goldene Regel bleibt als leuchtendes Ideal bestehen. Und wenn ich mir bewusst mache, dass Gott mich liebt, bedingungslos liebt, dann kann ich diesem Ideal vielleicht näher kommen. Denn dann habe ich die denkbar beste Grundlage für mein Verhalten: Ich kann etwas von dieser Liebe weitergeben.

Das ist es vielleicht auch, was Oma Paulsen zu ihrem Handeln bewegt. Sie freut sich über ein Geschenk. Sie will diese Freude erwidern. Ganz sicher nicht bewusst oder gar berechnend. Sondern spontan und ein bisschen schräg. Das macht sie liebenswert.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie heute jemandem eine Freude machen oder jemand ihnen eine Freude macht. Oder beides.

Ihr Andreas Duderstedt aus Bielefeld

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