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Kirche in WDR 2 | 19.08.2020 | 05:55 Uhr

Heilige Weisheit

Während meines Studiums habe ich ein Semester in Istanbul verbracht. Und dort hatte ich eine Dauerkarte für alle Sehenswürdigkeiten, die gehörte zum Studentenausweis dazu. Eine super Gelegenheit, immer wieder in die großen historischen Orte zu gehen. Ich war auch oft in der Hagia Sophia. Es ist einer der wunderschönsten Orte, den es auf der Welt gibt: Still und kalt, alt und wahnsinnig intensiv in der religiösen Erfahrung. Knapp 1000 Jahre war das eine christliche Kirche, geweiht auf den Namen Hagia Sophia, also „Heilige Weisheit“. Dann war sie 500 Jahre eine Moschee. Ein Gottesort also, für unterschiedliche Religionen. Ein bisschen wie der Tempelberg in Jerusalem. Bei beiden Orten hatte ich einfach dieses heilige Gefühl. Einen Moment still werden, sich bewusst machen, wie unglaublich viele Menschen hier schon gebetet und Gott gepriesen haben. Das fühlte sich einfach „heilig“ an, besser kann ich das nicht beschreiben.

Beide Orte, der Tempelberg und die Hagia Sophia, sind leider nicht nur heilige Orte, sondern auch umstrittene Orte. Oft geht es um die Religion – meist aber um Politik. Menschen demonstrieren gern über heilige Orte ihre Macht. Ziemlich traurig das Ganze. Denn, wenn man mich fragt, dann sind Gotteshäuser oder Gottes-Orte immer Plätze des Friedens. Ich kann mir kaum vorstellen, dass es in Gottes Sinne ist, dass wir Menschen uns gegenseitig die Köpfe einschlagen in religiöser Rechthaberei. Gott hat das nicht nötig. Umso besser gefällt mir die Entscheidung von Kemal Atatürk, der 1923 die Hagia Sophia zu einem Museum machte. Damit hat er den Streit, ob es eine Kirche oder eine Moschee sein soll, einfach beendet.

Natürlich hat er so die religiösen Muslime in seinem Land auch wahnsinnig stark vor den Kopf gestoßen. Und einer hat inzwischen erfolgreich geklagt: Die Hagia Sophia ist seit kurzem wieder offiziell eine Moschee.

Manche Menschen werden jetzt vielleicht rufen, dass das eine Unterdrückung der christlichen Minderheit in der Türkei ist, aber das halte ich für Quatsch. Dieser Gottesort hat eben seine Geschichte. Aber: Nehmen wir doch mal das Gebäude ernst bei seinem Namen. Es wurde vor über 1.500 Jahren ganz bewusst der „Heiligen Weisheit“ geweiht. Das finde ich ziemlich spektakulär – theologisch und auch sonst. Wie sehr bräuchten wir gerade heute kraftvolle Gottesorte, in denen wir um Weisheit beten könnten. Nicht um Rechthaberei, sondern um Weisheit. Weil die Weisheit uns heilig ist.

Ein Gebet, das wunderbar dazu passen würde, wäre das hier von Reinhold Niebuhr: „Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“


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