#
Aktuelles

Beiträge auf wdr4 

katholisch

Kirche in WDR 4 | 17.08.2020 | 08:55 Uhr

Herr Dinhof kommt nicht mehr

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Und wie ich heute Morgen im Badezimmer stehe mit der Zahnbürste im Mund und aus dem Fenster gucke, da finde ich: die Fenster hättens auch mal wieder nötig.

Nun finde ich ja, Fensterputzen ist ne hohe Kunst. Und ich habe schon viele Versuche gemacht, Fenster zu putzen, weil ich denke, Fenster putzen – kein Problem, Wasser in den Eimer, Tuch rein, ab ans Fenster, nass machen, trocken machen, fertig. Kann ja so schwer nicht sein. Tja, leider falsch. Egal, was ich probiert habe – Fensterleder, son Ding zum Abziehen der nassen Scheibe, Zeitungspapier, Spiritus, Zaubertuch – am Schluss hab ich alles entnervt in den Eimer gepfeffert. Fensterputzen ist ne Kunst.

Und dafür braucht es einen Künstler. Und so einer ist Herr Dinhof  gewesen.

Einmal im Quartal klingelte es samstags morgens an der Tür. „Juten Morjen, Herr Otten!“ Und dann ist er die Stufen raufgekommen, einen Gürtel mit dem wichtigsten Werkzeug umgeschnallt, einen Eimer in der Hand. Schmal, Schnauzer, drahtig. In der Küche hats erst mal Kaffee gegeben. Rituale sind wichtig. Den haben wir gemeinsam getrunken. Und dabei das Neueste erzählt. Herr Dinhof hat Fotos von seinem Haus gezeigt, das hatte er vor noch nicht allzu langer Zeit gekauft, renoviert und zu einem bescheidenen Paradies gemacht. Dann kamen Fotos von ihm, seiner Frau, den Nachbarn, an einem Tisch, unter einem Pavillon, mit Grill und Kölsch. Immer hat er sich nach unserem Pferd erkundigt. Natürlich auf Kölsch: „Wat macht dat Pferd, Herr Otten? Wo hann se dat noch ens stonn? Ich sach et Ihnen: Su e Dierche ess schon jet Feines.“

Überhaupt: Herr Dinhof war ein tierlieber Mensch. Wie oft hat er die Geschichte von dem Kätzchen erzählt, dass er im Urlaub in Griechenland gefunden und aufgepäppelt hat.

Aber dann hat er den Eimer gefüllt und das erste Fenster geputzt. Jeder Handgriff konzentriert, exakt, mit einer aufmerksamen Lässigkeit, die zum Niederknien war. Tuch nassmachen (und zwar richtig) Tuch auswringen, wischen, abziehen. Das war ohne Überteibung wirkliche Handwerkskunst. Wenn es einen König der Fensterputzer gegeben hat, dann ist das Herr Dinhof gewesen.

Vor ein paar Wochen habe ich zufällig erfahren, dass Herr Dinhof gestorben ist. Ganz plötzlich. So steht es im Internet. Es gibt eine kleine Gedenkseite. Mit vielen Fotos. Herr Dinhof auf einem großen Pferd. Herr Dinhof zwischen seinen Enkeln. Herr Dinhof, ein bisschen verblüfft, als ihn ein Dalmatiner durchs Gesicht leckt.

Und ich habe gemerkt, dass ich Herrn Dinhof vermissen werde. „Ich bin fertisch. Jetz können Se wieder durchgucken.“ Hat er am Schluss immer gesagt und gelacht.

Jetzt kommt er nicht mehr. Und ich bin traurig. Heute Morgen stell ich mir mit der Kaffeetasse in der Hand vor, wie Herr Dinhof im Himmel auch nen Kaffee kriegt. Und danach vielleicht Fenster putzt. Lässig und korrekt. Der liebe Gott wird auch seine Freude daran haben. Er wird wissen: Ein Himmel ohne Menschen wie Herrn Dinhof, das ist nichts. Auch nicht an einem Montagmorgen.
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen