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Kirche in WDR 2 | 14.07.2021 | 05:55 Uhr

HERR Gott

Gott steht genervt vor dem Spiegel, und guckt sich an. Alt, weiß und männlich soll er angeblich sein. Gott sucht nach eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, aber findet keine. Die Menschen sprechen Gott immer als HERR, Vater, Hirte an … Aber Gott fühlt sich unwohl dabei. So festgelegt, immer nur männlich und kleidungstechnisch total beschränkt. Gott möchte aus seiner Haut fahren: Die Menschen haben sich ein festes Bild gemacht und jetzt wird er sein Image nicht mehr los! Mal so ein Dirndl tragen oder als Dragqueen rumlaufen. Oder im Anzug, in Jogginghose oder in Mommyjeans. Das wäre was.

 

Gott vor dem Spiegel auf der Suche nach seiner Identität, ohne „was zum Anziehen“? Ist das vorstellbar? Ich weiß nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass Gott sich ärgert. Darüber, dass Gott immer so aussehen und immer so sein soll, wie die vorherrschende Kultur, das Leitmilieu, der Mainstream: weiß, männlich, älter. Dabei hat Gott laut Bibel so viele andere Merkmale: fürsorglich wie Vater und Mutter, angewiesen wie ein neugeborenes Baby oder ideologisch wie ein dreißigjähriger Single. Oder: arm rassistisch unterdrückt und weiblich.

 

Ich kann es mir so gut vorstellen, dass Gott sich ärgert, wie die Worte der Bibel übersetzt werden. HERR steht da auf Deutsch. Im Hebräischen steht dort ein unübersetzbares, unaussprechliches „4KonsonantenEtwas“, das eher ein Bekenntnis ist als eine Beschreibung. Und im Griechischen steht da zwar ein Wort, das man mit HERR übersetzen kann, aber eigentlich eher eine Provokation gegenüber weltlichen Herrschern ist: „Ihr habt uns nichts zu sagen, unser Leben steht nicht auf den Säulen als Gewalt und Geld.“

Und ich ärgere mich und bin traurig. Kein Wunder, dass so viele nix von Gott und der Bibel wissen wollen. Kein Wunder, dass Gott irrelevant scheint für die, die er so sehr liebt: Die, die traumatische Erfahrungen mit Herren gemacht haben oder mit der Gewalt des Geldes und der Waffen und der Worte.

 

Ich ärgere mich und bin traurig: Weil Gott mir so lange so falsch gezeigt worden ist. Und das anderen immer noch so geht. Dabei ist Gott schon seit Jahrzehnten als intersexuell geoutet. Deshalb versuche ich sprachlich auszudrücken, was und wer gemeint ist. Meistens sage ich nur noch „Gott“, mal mit weiblichen Pronomen, mal mit männlichen, mal er, mal sie. Damit ich mir kein Bild von Gott mache.

Aber ich ärgere mich und bin weiter tieftraurig und weiß doch durch die Zehn Gebote und die Bibel, warum Gott weiterhin oft nur als Herr oder Mann beschrieben und gelesen wird:

Es nützt den Herren der Gewalt, des Geldes, der Waffen und Worte.

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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