Aktuelles

Beiträge auf wdr4 

evangelisch

Sonntagskirche | 19.01.2020 | 08:55 Uhr

Heute nenn ich Dich Schnee

Guten Morgen.

Schnee! Die Augen kullerten Asante fast aus dem Kopf. Und sein entzücktes O, o, o, o wollte gar nicht verstummen. Klar kannte er Schnee von der Kuppe des Kilimandscharo her, des gewaltigen Bergmassivs seiner Heimat Tansania. Aber angefasst hatte unser Gast Schnee noch nie. Doch nun hatte die weiße Pracht unseren Garten verzaubert. Vorsichtig, fast scheu, tasteten seine Finger sich vor. Zum ersten Mal hatte Asante Schnee in den Händen. Aber bald schon zerrann er ihm zwischen den Fingern. Schnee lässt sich nun mal nicht aneignen. Holen wir ihn ins Haus, fließt er davon, packen wir ihn in die Tiefkühltruhe, hört er auf Schnee zu sein.

Unverfügbar ist Schnee. Er passt nicht zu unserem modernen Weltverhältnis. Wir wollen uns die Welt verfügbar machen, die Dinge beherrschen, sie nutzen. Deshalb gibt es auch Schneekanonen – für die Schneesicherheit. Ja, für die Schneepisten in Winterberg wird deren Auswurf reichen. Aber doch niemals fürs ganze Sauerland. Und erst recht nicht für den Kilimandscharo, wenn der nun abtaut im Klimawandel und seine Quellen versiegen für Pflanzen, Tiere und Menschen. Auch ist künstlicher Schnee von ganz anderer Art als Neuschnee. Er besteht aus Kügelchen, die der Wärme trotzen - und nicht aus den Flocken wunderzarter sechseckiger Kristalle, die aus dem Himmel fallen und die Welt um uns herum verwandeln.

Unverfügbar ist solcher Schneefall – weder herstellbar, noch erzwingbar, nicht einmal planbar.

Schneefall ist ein Gleichnis für unser Leben mit seinen Unwägbarkeiten - wie für unsere Lebenskraft. Unverfügbar. Wie das Spiel, von dem man nicht weiß, wie es ausgeht: Er ist unverfügbar wie die Liebe, und wie alles, was uns Herzklopfen macht. Vielleicht fasziniert genau das am Schnee: Er ist ein Gleichnis für das Leben.

Und ein Gleichnis ist für den Schöpfer allen Lebens.

So beschreibt es ein Gedicht an Gott von der österreichischen Dichterin Christine Busta:

Sprecherin: Heute nenn ich Dich Schnee,
Du unerschöpflicher Schöpfer
vergänglicher Sternkristalle,
der die nackten Äcker bekleidet,
den Wanderer weglos macht
und die ärmlichsten Hütten
füllt mit
Geborgenheit und Einkehr.

(„Schneepsalm“, aus: Christine Busta, Wenn du das Wappen der Liebe malst © Otto Mu?ller Verlag, 3. Auflage, Salzburg 1995)

„Heute nenn ich Dich Schnee.“ Den Schöpfer der Welt mit „Schnee“ anreden? Die Dichterin macht’s wie die Bibel. Die nennt Gott bei vielen Namen – nennt ihn Licht, Fels, Mutter, Hirte, Sonne, Feuer, Quelle, Glucke, Vater unser... und noch viel mehr. Keines dieser Bilder kann Gott, das Geheimnis der Welt, fassen. Aber jedes will uns Gott nahebringen, uns Herzklopfen machen, uns Gottes Nähe spüren lassen. „Heute nenn ich Dich Schnee.“ Aus den Wolken, aus seiner himmlischen Wohnung kommt Gott mir nahe und berührt mich sachte. Und ich strecke die Arme aus und alle Sinne Gott entgegen. Du unerschöpflicher Schöpfer vergänglicher Sternkristalle - heute nenn ich Dich Schnee.

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich Ihnen.

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen