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Kirche in WDR 2 | 12.10.2020 | 05:55 Uhr

Himmelreich in Sommersell

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und vielleicht waren Sie ja übers Wochenende weg und haben Freunde oder Verwandte besucht. So wie mein Vater das früher oft gemacht hat. Denn der hatte Cousinen und Cousins in Ostwestfalen. Und manchmal hat er seine Mutter – unsere Oma – ins Auto gepackt, und die sind sie besuchen gefahren.

 

Eine seiner Cousinen hat in dem kleinen Dorf Sommersell einen noch kleineren Tante-Emma-Laden gehabt. Und der war eine Filiale der Lebensmittelmarkt-Kette „Himmelreich“. Darf ich heute sagen, die gibt’s nämlich nicht mehr.

Ich finde, die beiden Namen sagen eigentlich schon alles: Der "Himmelreich-Markt" in "Sommersell." Hey, das klingt doch schon wie das Paradies. Und was soll ich sagen: für uns Kinder war es genau das.

Denn: Wenn mein Vater zurückkam, hat er immer eine Tüte mit Geschenken aus dem Himmelreich-Markt seiner Cousine mitgebracht. Zack, da stand sie bei uns auf der Anrichte. Und ich? Hab natürlich reingespinxt. Ist da auch diesmal die leckere Wurst drin? Und die Kekse? Yippieh! Alles drin! Wie toll! Sachen, die es für mich eben nur im Himmelreich gab. Nirgendwo sonst. Und die immer der Vater mitgebracht hat. Das ist meine kleine Geschichte vom Himmelreich.

Auch die Bibel ist voller Geschichten vom Himmelreich. Die nennt man Gleichnisse. Man könnte auch sagen: Annäherungen oder Vergleiche. Wären die Geschichten nicht schon 2000 Jahre alt sondern erst so alt wie ich, würden sie vielleicht so klingen wie meine Geschichte, nämlich: „Das Himmelreich - das müsst ihr euch so vorstellen wie die Geschichte eines Vaters, der in seiner Heimat seine Verwandten besucht hat. Als er wieder nach Haus kam hatte er eine Tasche mit guten leckeren Sachen dabei: Schokolade und Kekse, Wurst und Käse. Da hat er die Tasche aufgemacht und seinen Kindern gesagt: Greift zu! Das ist ein Gruß aus dem Himmelreich. Lasst es euch schmecken.“

Ein Gleichnis, ein Vergleich ist keine Definition, keine Betriebsanleitung, keine Gebrauchsanweisung. Sondern ein Bild. Eine Annäherung. Eine Geschichte, durch die ich mir etwas besser vorstellen kann. In diesem Fall: Den Himmel. Meine Himmelreichgeschichte: Die Tüte mit den Leckereien aus dem Himmelreich-Markt, die der Vater nach Hause bringt. Für Jesus: Der Sauerteig, der viele Brote durchsäuert. Das winzige Senfkorn, aus dem ein Baum wird, in dem Vögel brüten. Das Feld, in dem Unkraut und Getreide nebeneinander wachsen dürfen. Alles Geschichten, die andeuten, was passiert, wenn Gott Raum bekommt. Geschichten und Bilder von Wachstum, Schutz, Geschmack und Größe.

Mein Vater, der nach Hause kommt mit der Himmelreich-Tüte in der Hand und dem Gruß aus dem Paradies. Für das kleine Kind ein Bote dafür, dass alles gut wird und dass jetzt, in diesem Augenblick, mit dem Keks und der Wurst auf dem Brot alles gut ist. Dass wirklich Glaube, Hoffnung und Liebe ist und nicht nur ein leeres Versprechen. Und die Zuversicht, dass Glaube, Hoffnung und Liebe andauern. Viel länger als dieser Montagmorgen.

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