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Kirche in WDR 4 | 03.08.2020 | 08:55 Uhr

Hirn vom Himmel

Heute ist wieder Montag und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Und gleich höre ich den Anrufbeantworter ab, und dann schau ich, wer mir so geschrieben hat. Das Schöne am Wochenende ist ja: Auch das Hirn hat Samstags und Sonntags ein bisschen Pause. Wochenende heißt bei mir meistens: Nicht so viel nachdenken. Nicht so viel grübeln. Nicht so viel entscheiden. Aber heute ist Montag, die Woche fährt wieder hoch – und das Hirn auch.

Wenn noch Hirn da ist. Manchmal habe ich den Eindruck, Hirn ist Mangelware. Aber der Reihe nach: Neulich hat der Komiker und Schauspieler Hape Kerkeling der Bunten ein Interview gegeben. Und da hat er gesagt: Wenn er für einen Tag der liebe Gott wäre, dann würde er „Hirn vom Himmel regnen lassen, und die Herzen würden vor Freude überlaufen.“

Nun finde ich an diesem Gedanken mehrere Dinge sehr lustig. Der liebe Gott im Königin Beatrix-Kostüm winkend in einer Mercedes-Limousine auf der Suche nach was zu Essen. Oder der liebe Gott in einem fleckigen Trenchcoat, mit klapperndem Gebiss und Herrenhandtasche sich „einen Kleinen“ hinter die Binde kippend. All das bekämen wir ja inklusive, wenn Hape der liebe Gott wäre, und diese Vorstellung ist einfach grandios, auch für einen Tag, „weißte Bescheid, Schätzelein!“ Da läuft das Herz von allein über, da kannst du gar nichts machen, wie herrlich wäre das.

Dann, drittens, das mit dem Hirn, das vom Himmel regnet. Darin, ungewöhnliche Dinge vom Himmel regnen zu lassen hat Gott ja Erfahrung. Im Alten Testament wird erzählt, dass nacheinander Stechmücken, Stechfliegen, Frösche, Hagel und Heuschrecken vom Himmel her auf die Ägypter runtergeprasselt sind. Und das nur deswegen, weil die Ägypter die Israeliten nicht in die Freiheit entlassen wollten. Denn die Israeliten haben für die Ägypter ja quasi umsonst geschuftet, das war äußerst praktisch. Und die Sehnsucht der Israeliten nach Freiheit kam da für die Ägypter etwas ungelegen.

So ähnlich kennen wir das ja heute auch noch. Rumänen, die in unseren Fleischfabriken im Akkord Rinder und Schweine zerlegen, damit sie schön günstig sind und damit möglichst viele von ihren Steaks auf unsere Profigartengrills passen. Putzkräfte, die unsere Küchen und Bäder putzen. Natürlich schwarz, die wollen das ja so. Oder unsere Altenpfleger, diese emsige unsichtbare Armee, deren Schicksal uns piep egal ist. Und die es noch dazu wagen, sich auch über unser aufmunterndes Klatschen an den Fenstern aufzuregen, als wir sie so in der Coronazeit mit einem Glas Wein in der Hand belobigt haben.

Wenn ich es also recht bedenke: Die Vorstellung, dass da Hape Kerkeling in Gestalt von Horst Schlämmer für einen Tag aus seiner Herrenhandtasche Hirn auf die Erde regnen lässt – die wird mir richtig sympathisch. „Herr, lass Hirn vom Himmel regnen!“ Wer weiß wozu das gut wäre.

Nun bin ich kein Phantast. Die Wahrscheinlichkeit, dass das so kommt ist gering. Machen wir uns nichts vor. Einstweilen bleibt mir nichts anderes übrig, als das Stück Hirn, das ich vom lieben Gott schon bekommen habe hochzufahren. Es zu benutzen. Und ein möglichst anständiger Mensch zu sein. Weißte Bescheid. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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