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Kirche in WDR 4 | 13.02.2021 | 08:55 Uhr

Hören

Guten Morgen!

Können Sie mich hören? … Hören Sie mich?

Blöde Frage. Natürlich hören Sie mich, Sie haben ja das Radio laufen. Und dennoch ist es ein kleines Wunder, dass Sie mich hören können. Heute am Welttag des Radios darf ich mir das mal wieder bewusst machen. Das Radio ist ein kleines Wunder der Technik. Ein kleines simples Gerät, das aus gesendeten Ultrakurzwellen oder digitalen Signalen hörbare Schallwellen macht. Nicht weniger grandios ist das Wunder unserer Ohren. Sie nehmen die Schallwellen auf und erzeugen die Signale, die unser Gehirn wahrnimmt. Wirklich wunderbar.

 

Hören und sich Verstehen ist dabei von essentieller Bedeutung für unser menschliches Miteinander. Wenn dieses Hörverstehen gestört ist, geht es ganz schön drunter und drüber. Die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel erzählt davon.
Damals sprechen alle Menschen auf der Welt noch eine gemeinsame Sprache heißt es. Sie bauen eine Stadt und einen Turm. Der soll so hoch werden, dass er mit seiner Spitze bis an den Himmel reicht. Das findet Gott nicht gut. Und er sorgt dafür, dass plötzlich jeder eine andere Sprache spricht und sie sich nicht mehr verstehen können. Und schon klappt das mit dem Zusammenarbeiten nicht mehr. Die Stadt kann nicht zu Ende gebaut werden. (nach Die Bibel, 1. Mose 11)

 

Erzählen, hören, verstehen. Auf diesem Weg finden die Religionen seit Jahrtausenden den Weg in die Herzen. Lange wurden die Geschichten vom Volk Israel nur mündlich weitergegeben. Ich stelle mir vor, wie ein Vater oder eine Mutter abends am Feuer ihren Kindern erzählten, von Abraham und Sarah, von Josef und seinen Brüdern und von König David, vom Turmbau zu Babel. Noch heute sind es oft die Kinder, die ganz genau hinhören. Denen es sofort auffällt, wenn in der Geschichte etwas nicht stimmt oder etwas anders ist als beim letzten Mal.

In Geschichten werden Erfahrungen lebendig.

 

Meine Aufgabe als Pfarrer ist heute ganz ähnlich. Auch ich erzähle immer wieder die alten Geschichten. Versuche sie lebendig werden zu lassen. Und ich merke: Auch die ältesten Geschichten haben mir heute noch etwas zu sagen.

 

Hören und Verstehen gehören dabei untrennbar zusammen. Die Bibel beschreibt das im Bild vom hörenden Herzen (1. Könige 3,9). Im ersten Moment denke ich, dass man doch mit den Ohren hört und nicht mit dem Herzen. Aber in der antiken Vorstellungswelt der biblischen Autoren war das Herz das zentrale Denkorgan. Was für mich heute selbstverständlich das Gehirn ist, war für die Menschen damals das Herz. Hier verstehe ich, hier entscheide ich, hier werde ich mir etwas bewusst, hier entsteht mein Wille. Mit dem Herz hören, heißt in der Bibel verstehen. In einem tiefen, umfassenden Sinn. Das Herz ist auch Ort der Gefühle und der Liebe. Ein hörendes Herz heißt also auch, liebend zu hören. Zugewandt dem anderen zuzuhören. Nicht gleichgültig da rein und da raus.

 

Gleich in welcher Sprache jemand mit mir spricht: Türkisch, Deutsch, Arabisch, Hindi oder Gebärdensprache: Ich will hören, verstehen, aufmerksam sein, auf mich und auf andere hören, ein hörendes Herz haben – das ist mein Vorsatz für heute und für die Zukunft. Und ich bin dankbar, dass mich das Radio mit der ganzen Welt verbindet – mir die Welt aufschließt, selbst wenn ich mal in den eigenen vier Wänden ausharren muss.

 

Ihr Pfarrer Oliver Mahn aus Köln.

 

 Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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