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Kirche in WDR 4 | 08.06.2020 | 08:55 Uhr

Montagsgefühle

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende endlich wieder vorbei.

Endlich? Tja. Einige Hörerinnen und Hörer haben mir geschrieben und gefragt: Warum sagen Sie immer: Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei? „Ich kenne Menschen,“ schreibt eine „die die Wochenenden am Schlimmsten finden, und froh sind, wenn es vorüber ist.“

Ich habe gestutzt und dann gedacht: Na klar, die Frau hat recht, solche Menschen kenne ich auch. Zum Beispiel Schichtarbeiter mit Wochenenddienst. Im Krankenhaus, im Pflegeheim, in Dienstleistungsbetrieben. Die haben ihr Wochenende mitten in der Woche, wenn sie laut Plan frei haben. Ob Samstag oder Sonntag ist, ist denen ziemlich egal, denn sie müssen ja schuften, wenn alle anderen frei haben.

Oder die, denen das Wochenende einfach Stress breitet. Die freitags den Familienstreit schon am Horizont aufsteigen sehen. Die ne Patchworkfamilie organisieren müssen. Die keinen Bock auf zu Hause haben. Die einfach keine Ruhe finden und keine Zeit für sich selbst und eigene Interessen. Die sich gerade am Wochenende fremdbestimmt fühlen. Nix Beine hoch, Buch raus und die freie Zeit genießen.

Oder die, die allein sind. Denen es vor der Stille in der Wohnung graust. Die freitags wissen, dass sie am Sonntag allein frühstücken wie schon am Sonntag zuvor und an dem davor auch. Die die sozialen Kontakte auf der Arbeit schrecklich vermissen.

Oder die, die einfach gerne arbeiten. Die sich auf den Montag freuen. Aufs Büro, auf die Kollegen, auf neue Projekte.

Ob die Hörerin, die mir zuletzt geschrieben hat, solche Menschen im Auge hat? „Sie könnten in der Zeit, die Ihr Spruch dauert“ – (also heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei -), „viel Schönes oder Aufbauendes sagen“ schrieb sie. „Es wäre schön, wenn Sie einmal darüber nachdenken würden.“ 

Das tue ich. Also, liebe Hörerin, schön finde ich: Sie haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass das Montagsgefühl der Menschen verschieden ist. Heute ist wieder Montag, das Wochenende ist rum, und das Leben geht weiter. Für die einen mit einem beklemmenden Ich habe keinen Bock-Gefühl. Für die anderen beschwingt und fröhlich. Yippieh, die Woche fängt an! Für wieder andere mit der Aussicht auf freie Tage – nur halt mitten in der Woche.

Was für den einen großartig ist treibt den anderen in die Verzweiflung. Was der eine lustig findet, ist für den anderen einfach nur bescheuert. Was dem einen der Himmel ist ist dem anderen die Hölle. Ich sehe die Welt anders als du. Du empfindest anders als ich. Und weil das so ist, merke ich, wie wichtig es ist mitzukriegen, wie es dem anderen wirklich geht. Denn ich bin nicht der Nabel der Welt. Nicht am Wochenende. Und nicht an einem Montagmorgen.
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