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Kirche in WDR 5 | 24.08.2020 | 06:55 Uhr

Ich habe es ihm gegönnt

Guten Morgen.

„Jetzt oder Nie“, denkt die Frau und zerbricht die Alabasterflasche. Das kostbare Öl fließt heraus und mit vorsichtigen Bewegungen verteilt die Frau es langsam über Jesu Kopf. So setzt sie ein Zeichen, für ihn, für diejenigen, die um ihn herumstehen und für sich selbst. Sie zeigt, wie sehr er sie beeindruckt, und wieviel Ehrfurcht sie für ihn empfindet. „Gut so“, denkt sie und „egal, was die anderen dazu sagen.“

Die anderen sagen ganz viel. Sogar mit dem Finger zeigen sie auf die Frau und werfen ihr vor, sie würde Geld verschwenden für dieses teure Salböl. „Soll sie das Geld doch lieber den Armen geben“, sagen sie. Und die Frau denkt: „Superidee: mit dem Finger auf mich zeigen und selbst nur an hohen Fest- und Feiertagen für die Armen spenden. Tun so, als wenn sie selbst aus lauter guten Werken zusammengesetzt wären. Dass ich nicht lache. Sie lieben die Gemütlichkeit und verlassen sich gerne auf unsere gut organisierte Armenfürsorge. Aber auf mich sehen sie herab. Eine unsägliche Doppelmoral.“ Und weiter denkt die Frau: „Aber was rege ich mich auf. Jesus hat doch Partei ergriffen für mich. Er hat sogar ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sich das Problem der Armut so nicht lösen lässt. Das reicht einfach nicht. Und was mich betrifft, tue ich genauso viel wie die Besserwisser: Ich zahle ja auch meine Steuern und Sozialabgaben genau wie alle anderen.“ (1)

„Okay“, denkt die Frau, „indem ich Jesus mit dem kostbaren Öl gesalbt habe, habe ich den Unterschied zwischen Arm und Reich nicht kleiner gemacht. Ich habe nicht für den sozialen Ausgleich gesorgt und kein bürgerschaftliches Engagement gezeigt. Aber ich habe es aus Liebe getan. Denn ich habe es Jesus gegönnt. Ich habe es ihm gegönnt und ich habe es mir gegönnt. Einmal nur wollte ich es allen zeigen: meine Liebe, meine Achtung, meinen Dank und meine Verehrung für sein Leben mit uns und für uns. Natürlich will ich mich dann auch weiterhin um die kümmern, die Unterstützung brauchen.“

 

Die Frau in dieser Geschichte aus der Bibel verehrt Jesus, weil er sich für Benachteiligte einsetzt. Sie findet seinen Glauben und seine Werte absolut vorbildlich. Nur einmal, einmal nur will sie es ihm und sich und auch den anderen zeigen und ihn wie einen König behandeln. Nur dieses eine Mal. Und sie ergreift die Gelegenheit. Und Jesus sagt dazu: „Sie hat im Voraus meinen Leib zum Begräbnis gesalbt.“ (Markus 14,8) Als ob sie eine Prophetin wäre, die schon weiß, welches Schicksal er erleiden wird. Dass Jesus so geantwortet hat, darüber staunt die Frau noch immer: dass er seine Beerdigung mit ihrer Verehrung in Verbindung gebracht hat.

Inzwischen weiß die Frau, dass Jesus sterben musste, weil er für seine Umwelt zu konsequent war. Das hat ihn sein Leben gekostet. Jesus musste sterben, weil er den Willen Gottes praktisch in die Tat umsetzen wollte. Diese Forderung war einigen seiner Zeitgenossen zu unbequem. Dann hätten sie nämlich etwas ändern müssen an ihrem eigenen Verhalten. Dann hätten sie vielleicht mal selber so richtig etwas abgeben müssen, von ihrem Geld, von ihrer Macht oder von ihren Privilegien.

Inzwischen weiß die Frau: Gott hat sich mit dem Unrecht und dem Tod nicht abgefunden. Deshalb hat er Jesus auferweckt.

 

Das glaubt auch,

Gerlinde Anders, Schulpfarrerin in Leverkusen.

 

 

 

1 Gnilka, Joachim, Das Evangelium nach Markus (Markus 8,27–16,20), EKK II/2, Neukirchen-Vluyn, Neukirchener Verlag, 3. Auflage, 1989, S. 221-227.

 

 
 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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