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Kirche in WDR 4 | 26.12.2020 | 08:55 Uhr

Ich sehe den Himmel offen

In ihrem Kalender steht sicherlich auch für heute “Zweiter Weihnachtstag”.

Allerdings heißt der in den meisten christlichen Kirchen nicht so.

Der 26. Dezember ist reserviert für das Fest des heiligen Stephanus.

Stephanus war der erste christliche Märtyrer, also einer, der für seinen Glauben gestorben ist.

Stephanus wurde gesteinigt. Und in dem Bericht über sein Martyrium in der Bibel steht ein bemerkenswerter Satz.

Da heißt es, Stephanus habe kurz vor seinem Tod gesagt: “Ich sehe den Himmel offen!”

Dieses “Ich sehe den Himmel offen!” habe ich in den vergangenen Monaten öfter mal gespürt, gerade unter den Einschränkungen der Corona-Zeit:

Dass es nämlich mehr gibt als unser Leben hier auf der Erde mit seiner Alltäglichkeit, mit seiner Enge und Banalität.

Dass es den offenen Himmel gibt, der uns ahnen lässt: Es gibt etwas Größeres, eine Weite, die unendlich ist.

„Ich sehe den Himmel offen!“

In den beiden Lockdown-Phasen hatte und hat mein Fitnessstudio hier in Aachen geschlossen.

Und so bin ich zwei, drei Mal die Woche in den Aachener Wald zum Joggen gefahren.

Und beim Laufen durch die Natur bin ich auf Dinge aufmerksam geworden, die ich sonst gar nicht so richtig beachtet habe.

Ich habe das Grün der Bäume gerochen, ich habe Vögel zwitschern gehört, ja einmal habe ich sogar zwei Rehe ganz nahe gesehen.

Wie froh bin ich, dass es diese Welt gibt!

Und wie froh bin ich, an einen guten Gott glauben zu können, der diese Schöpfung gewollt und gemacht hat, damit ich leben kann!

„Ich sehe den Himmel offen!“

Es war in der ersten Lockdown-Phase, als es Hamsterkäufe gab und das Toilettenpapier knapp wurde.

Ich stand zum dritten Mal in einer Woche im Supermarkt vor dem leeren Regal.

Und obwohl ich wusste, dass die arme Verkäuferin an der Kasse nichts dafür konnte, war ich drauf und dran, sie anzupflaumen, warum es denn immer noch keine Nachlieferung gäbe.

Und sie, mit einem verschmitzten Lächeln: „Sie haben Glück! Eben habt ich einer Kundin, die zwei Pakete mitnehmen wollte, eines abgenommen!“

Und wir sprachen noch über die Belastungen in dieser angespannten Lage, gerade für Verkäuferinnen.

Und mit einem ehrlichen „Danke“ habe ich mich mit meinem Klopapier im Einkaufswagen verabschiedet.

Vielleicht banale Szenen – aber im Kleinen kann ich den Himmel genauso offen sehen wie im Großen.

Normalerweise führt der Aachener Domchor in der Fastenzeit eine der großen Passionsmusiken von Johann Sebastian Bach auf.

In diesem Frühjahr ging das nicht - und so habe ich mir die Matthäuspassion von Bach zuhause auf CD angehört.

Und mir ist da deutlich geworden, warum mir die Musik so viel bedeutet: Jede große Kunst, sei es die Musik oder auch ein gutes Buch oder ein interessantes Bild, jede große Kunst verweist über diese Welt hinaus, zeigt, dass es etwas Größeres gibt als unsere kleine Welt mit ihrer Enge und Banalität.

Vielleicht haben Sie bei aller Enge, Angst und Sorge in diesem Jahr auch solche Erfahrungen gemacht, haben gespürt, dass es lohnt, den Blick zu weiten, über diese oft so beschränkte Welt hinaus.

Jedenfalls wünsche ich Ihnen am heutigen Stephanustag den weihnachtlichen Blick des heiligen Stephanus auf den Himmel, der offen steht.

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