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Kirche in WDR 3 | 15.09.2020 | 07:50 Uhr

Im Gespräch bleiben

Ein stadtbekannter Atheist war in einer Kirche beim Beten ertappt worden.

Sofort wurde er von den andern gefragt: „Sie bezeichnen sich doch als Atheisten, warum beten sie hier?“ „Das stimmt!“ sagte der Mann, „ich glaube nicht an die Existenz eines Gottes, doch weiß ich, ob ich recht habe?“

Guten Morgen, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer:

Weiß ich, ob ich recht habe: mit meiner Meinung und Überzeugung, mit meinen Gefühlen und Zweifeln? Heute ist der Tag der Demokratie und in einer Demokratie

wird bekanntlich viel behauptet und bestritten, verkündet und bezweifelt.

Manchen scheint das einfach nur noch lästig!

Wäre es nicht besser einer hätte das Sagen und die anderen schlicht zu gehorchen?

Könnte man sich so nicht viel Zeit, Aufregung und Nerven sparen?

 

Im Internet gibt es viele Echo- und Resonanzräume. Das heißt: Leute bestätigen sich hier immerzu in dem, was sie sowieso immer schon vermutet und gedacht hatten.

So bleiben sie unwidersprochen und unter sich. Aber vielleicht ist ausgerechnet die Haltung des Atheisten in der eingangs erzählten Geschichte gar nicht so falsch:

Weiß ich denn, ob ich Recht habe, ob meine Sicht der Dinge stimmt, ob sie wirklich alle Konsequenzen im Blick hat?

Vielleicht sind die Zweifel und In-Frage-Stellungen der anderen, der kritische Dialog der Öffentlichkeit gerade ein Weg, die Wahrheit besser und tiefer zu erkennen.

 

Wer Demokratie nur als Herrschaft der Mehrheit über eine Minderheit versteht, der hat Ihr Wesen nicht verstanden. Demokratie ist ein Versuch, der Wahrheit, dem Guten und Gerechten gemeinsam näher zu kommen: auch durch Zweifeln und In-Frage-Stellen

und das alles auf der gemeinsamen Basis: Weiß ich denn, ob ICH recht habe?“

 

Der große Philosoph Hans-Georg Gadamer hat den Satz formuliert: „Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte.“[1]Demokratie heißt: im Gespräch bleiben.

Das gilt übrigens auch für die Kirche. Die katholische Kirche in Deutschland

geht darum zurzeit einen synodalen Weg. Das ist der anstrengende Versuch,

auf umstrittene Fragen unserer Zeit als Christen gemeinsame Antworten zu finden.

 

Das ist zweifellos kein kurzer Prozess, aber die haben uns ja noch nie weiter gebracht. Einen zweifelsfrei guten Tag wünscht Ihnen Pfr. Jürgen Martin.


[1]https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15737880.html

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