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Kirche in WDR 3 | 19.03.2019 | 07:50 Uhr

In der Schmiede

In der Schmiede

Es gibt Tage – die sind nur schwer zu ertragen. Ich rede da nicht von den Kriegen in der Welt. Von Mord oder Totschlag. Das alles ist schlimm – keine Frage. Aber da weiß ich, wo es herkommt. Da ist mir klar, welchen Anteil wir selbst daran haben, das geschieht, was geschieht. Nein, was ich meine, das ist: Dass ich da Dinge sehen muss – die sollte eigentlich niemand sehen müssen. Da werden mir Sachen erzählt – die sollte eigentlich niemand erzählen müssen. Oder da muss ich die Schmerzen eines Menschen miterleben – die sollte eigentlich niemand spüren. Wie gesagt: Es gibt Tage, die sind nur schwer zu ertragen. Und ganz häufig steht dann die Frage im Raum – mal ausgesprochen, mal nicht – warum der liebe Gott das zulässt?

Schweres Thema – ganz richtig. Vielleicht auch ein bisschen zu schwer für alle, bei denen es gerade ganz gut läuft. Aber ich kenne eigentlich niemanden, der nicht schon einmal an diesem Punkt war, an dem er sich nach dem „warum“ gefragt hat.  Und wo dieses „warum“ vielleicht sogar in einem Atemzug mit dem lieben Gott ausgesprochen wurde.

Nun weiß ich nicht, ob es auf diese Frage wirklich eine Antwort gibt. Aber ich möchte Ihnen von einer guten Freundin erzählen. Die ist Goldschmiedin. Für meine Begriffe: Eine talentierte Goldschmiedin. Vor vielen Jahren habe ich dieser Goldschmiedin einmal bei der Arbeit über die Schulter geschaut. Mit einer Skizze hat sie mir vorher gezeigt, was sie schmieden wolle: Einen Armreif. Toll sah der aus. Sehr leicht. Sehr fein. Ganz mein Geschmack. Und ich war gespannt. Vor allem, als sie mir ihre Werkzeuge zeigte: Unzählige Hämmer gab es da. Flache und runde, schwere und leichte, große und kleine. Ich bekam Bürsten gezeigt: Ganz feine, mit weichen Borsten. Aber auch harte, scharfe Stahlbürsten. Feilen waren da. Und Schmirgelpapier. Manches rau und grobkörnig, anderes beinahe samtig. Was soll ich sagen: Ich war etwas überrascht – und fragte mich, ob diese Geräte wohl wirklich alle erforderlich sind. Vor allem die schweren und großen. Es ging ja schließlich um ein Schmuckstück.

Ich gebe gerne zu: Ich habe an diesem Nachmittag nicht immer verstanden, warum nun gerade dieser Hammer oder jene grobe Feile zum Einsatz gekommen ist. Warum meine Freundin zur Stahlwolle gegriffen hat. Und wie beherzt sie vor allem immer wieder solche Werkzeugen zur Hand genommen hat, bei denen mir klar war: Wenn ich damit jetzt an dieses künftige Schmuckstück drangehen würde, dann wäre es die längste Zeit ein künftiges Schmuckstück gewesen. Kurzum: Mir erschien da so manches geradezu widersinnig. Aber ich hätte mich niemals getraut, irgendeinen Arbeitsschritt anzuzweifeln. Oder gar einzugreifen. Die Finger der Goldschmiedin arbeiteten geschickt und schnell und mit einer beeindruckenden Sicherheit.

Naja, und es war dann am Ende wohl ganz gut, dass ich meinen Mund gehalten habe. Denn nach einiger Zeit habe ich einen Armreif in den Händen gehalten, der meine Vorstellungen bei weitem übertraf.

Jetzt fragen Sie sich vielleicht, was das alles mit meinen Fragen und Zweifeln zu tun hat, von denen ich zu Beginn gesprochen habe. Wissen Sie: Von Gold- und Silberschmieden weiß man, dass sie das Metall so lange schlagen, so lange darauf hämmern, so lange polieren, bis sie ihr Spiegelbild darin erkennen können. Und mich tröstet diese Vorstellung ungemein, dass der liebe Gott manchmal wie ein solcher Goldschmied an uns feilt und poliert und auf uns draufhämmert – bis er sich dann am Ende in uns spiegelt. Bis wir dann endlich ein wunderbares Schmuckstück sind – so, wie wir es von Anfang an sein sollten. So, wie es der Plan des Meisters vorsah. Mir hilft das an diesen Tagen, die schwer zu ertragen sind. Und vielleicht finden auch Sie ja Trost und Kraft in der Vorstellung, dass auch Sie ein Schmuckstück sind. Ein Schmuckstück in seinen Händen – aber eben noch nicht fertig.

Kommen Sie gut in den Tag – mit hoffentlich wenig Schlägen – Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden. 

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