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Kirche in WDR 5 | 15.04.2019 | 06:55 Uhr

Pontius Pilatus

 „Pontius Pilatus“ 

In dieser Woche gehe ich mit Ihnen buchstäblich von Pontius nach Pilatus. Denn jetzt feiern Christen die Karwoche. Da geht es um das Letzte Abendmahl, das Leiden und Sterben Jesu Christi, die Passions- und Ostergeschichten. Jeden Morgen möchte ich deshalb einige Personen aus diesen Geschichten in den Blick nehmen. Heute ist Pontius Pilatus dran, der römische Statthalter. Den fand man in Israel zur Zeit Jesu nicht so toll, ganz im Gegenteil: Er war verhasst, denn er war der Vertreter des römischen Kaisers, also der Besatzungsmacht. Deshalb durfte nur er Todesurteile fällen. So wurde Pontius Pilatus zum Richter über Leben und Tod. Und so kam der verhasste römische Statthalter von damals sogar ins Glaubensbekenntnis der Christen. Doch eins nach dem anderen.

Jesus und Pilatus begegnen sich an dem Tag, nachdem Jesus gefangen genommen wird. Der Mob führt ihn zum Statthalter. Pilatus fragt nach Jesu Schuld, doch den Leuten fällt nichts ein. Sie wollen nur, dass er zum Tod verurteilt wird. Der Mob will Blut sehen, er pöbelt statt zu denken.

Pilatus spricht mit Jesus. Und fragt ihn: „Bist du der König der Juden?“ Das ist für ihn die entscheidende Frage. Denn wenn Jesus sich selbst für einen König hält, könnte er der Staatsmacht ja vielleicht doch gefährlich werden. Dann wäre seine Verurteilung tatsächlich im Sinne des Kaisers, nach Recht und Gesetz. Doch Jesus erklärt: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ Jesus spricht von einem Königtum, lateinisch „regnum“, nicht von einem Königreich, also einem „imperium“. Jesu „regnum“ aber kann dem „imperium romanum“ nun wirklich nicht gefährlich werden. Deshalb erklärt Pilatus: „Ich finde keine Schuld an ihm.“ Aber der Mob lässt nicht locker. Und so lässt Pilatus den Barabbas frei, einen Verbrecher; Jesus lässt er foltern, die Soldaten dürfen ihren Spott mit ihm treiben. Dann stellt er ihn vor die Leute und beteuert nochmals, dass er Jesus für unschuldig hält. Wieder spricht er mit Jesus, wieder ist er von ihm so beeindruckt, dass er ihn eigentlich freilassen möchte. Angesprochen auf seine Loyalität zum Kaiser setzt sich Pilatus auf den Richterstuhl. Wieder zögert er, wieder ergibt sich ein Dialog mit der Menge: „Euren König soll ich kreuzigen?“ Doch das Volk beteuert: „Wir haben keinen König als den Kaiser.“ Hin- und hergerissen von Loyalität und Angst, verurteilt Pilatus Jesus zum Tod am Kreuz. Er hält dem Druck der Masse nicht mehr Stand. Und tut, was er eigentlich nicht tun wollte – einen Unschuldigen verurteilen.

Nach dem Zeugnis der Bibel war Pilatus also ein ungeschickter Zauderer, dem es nicht an Einsicht und Charakter mangelte, wohl aber an Rückgrat und Zivilcourage. Tertullian, ein frühchristlicher Theologe, schrieb im zweiten Jahrhundert, Pilatus sei der Überzeugung nach Christ gewesen, da er ja eigentlich auf der Seite Jesu gestanden habe. „Gelitten unter Pontius Pilatus“ sprechen heute Christen im Glaubens-bekenntnis. Und bekunden damit, dass Jesus eine historische Persönlichkeit war.

Wer war Pontius Pilatus wirklich? Ein Karrierist, der für seine gespielte Loyalität über Leichen ging? Ein Weltverbesserer, der eingeknickt ist? Nachdenklich muss er gewesen sein, immerhin. Auch heute entscheiden manche Politiker nach der Meinung von Mob und Masse, auch heute richten manche Richter nur nach Recht, nicht nach Gerechtigkeit. Auch heute verbirgt sich hinter mancher starken Autorität ein schwaches Selbstbewusstsein, in manchem aufgeblähten Ego stecken tiefe Minderwertigkeitsgefühle.

Jesus sagt zu Pilatus, er sei in die Welt gekommen, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen. Darauf jener: „Was ist Wahrheit?“ Wissen Sie es? Wollen Sie es wissen?

... fragt Pfarrer Stefan Jürgens aus Münster.

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