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Kirche in WDR 2 | 11.02.2021 | 05:55 Uhr

Inklusion

Inklusion ist ein Modewort: Wie gestaltet man das Zusammenleben so, dass alle daran teilnehmen können? Wie müssen Gebäude, Aufzüge, Bildungsangebote gestrickt werden, dass niemand von vorneherein ausgeschlossen wird?
In dem kleinen Dorf Oberwälden in Baden Württemberg wird darüber nicht diskutiert. Da wird einfach gemacht. Jeden Tag.

Als sein Vater vor 13 Jahren stirbt, soll Hans Daiber eigentlich das Elternhaus verlassen, in dem er seit 67 Jahren lebt, und in eine Behinderteneinrichtung umziehen. Aber ein ganzes Dorf, 450 Einwohner, tut sich zusammen und ermöglicht dem kognitiv beeinträchtigten Mann, in seinem Zuhause zu bleiben. Nach dem Motto: Der Hans, der ist einer von uns. Fertig.

Hans Daiber bekam einen Mitbewohner. Mietfrei darf der in dem Haus wohnen, so hatte es der Vater noch geregelt. Einzige Bedingung: Er muss auf den Hans aufpassen. Und so trägt Herr Daiber heute ein Mobiltelefon bei sich, wenn er auf seine täglichen Spaziergänge in die Umgebung aufbricht. Damit kann er zwar nicht telefonieren, aber er kann über GPS geortet werden, wenn er sich verläuft. Für die Menschen im Dorf ist völlig selbstverständlich, dass jede und jeder seinen Teil beiträgt und hinsieht. Und so begleiten die einen ihn zum Arzt, andere nehmen seine Einkauflisten mit und die Friseurin kommt zu ihm auf den Hof. Hans Daiber wird schon sein ganzes Leben lang durch den Ort behütet. Ganz unaufgeregt wird aus dem Modewort Inklusion gelebte Nächstenliebe.

Und Hans Daiber schreibt den Bewohnern des Dorfes: Auch wenn er nicht viel mehr als „Ja“ oder „Nein“ spricht, wenn er schreibt, kann er seine Gedanken und Gefühle ausdrücken. Seit Jahren bekommen die Oberwälder zum Geburtstag immer eine Karte, einen Brief von ihm, verlässlich und pünktlich. Häufig unterschrieben mit: „In Liebe sendet Hans“.

In einer großen Kiste bewahrt Herr Daiber auf, was er in den vergangenen Jahrzehnten aus der Zeitung ausgeschnitten hat. Vor allem die Todesanzeigen der Oberwälder – über 400 sind es inzwischen. Das alte Dorf verschwindet langsam, und mit ihm die Menschen, die dort einst gelebt haben. Aber Hans Daiber bewahrt jeden und jede einzelne von ihnen auf.

Ganz unten in der Kiste liegt ein alter, vergilbter Zeitungsausschnitt. Eine Überschrift:

„Keiner lebt für sich alleine“.
Gelebte Nächstenliebe.
Das ist Inklusion.

 

(Quelle: SZ Magazin2/2021; 14.1.2021)

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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