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Kirche in WDR 3 | 04.04.2020 | 07:50 Uhr

Karsamstag

Guten Morgen!

Auferstehung: Wenn man das hört, denkt man sofort an das Leben nach dem Tod. Kinder nennen es den Himmel, Erwachsene sehnen sich nach Vollendung. Sie wünschen sich, dass einmal alles gut wird. Leben mit Gott, Versöhnung mit sich selber und anderen. Auferstehung: Vielen fällt es heute schwer, daran zu glauben. Auch vielen Christen. Ich selbst habe schon an allem gezweifelt. Und vieles in Frage gestellt, was die Kirche lehrt. Aber zwei Dinge waren für mich immer sonnenklar: Die Existenz Gottes und das ewige Leben. Dass es Gott gibt – und dass er mich im Tod nicht fallen lässt.

Bei Trauergesprächen nenne ich dafür manchmal drei Gründe: Erstens: Wenn Menschen einander lieben, wollen sie nicht, dass der Geliebte so „mir nichts, dir nichts“ ins Nichts fällt. Denn Liebe geht über den Tod hinaus. Gott kann mehr lieben als wir! Zweitens: Mein Äußeres ändert sich ständig. Durch den Stoffwechsel. Fast alle Körperzellen werden im Laufe weniger Jahre vollständig erneuert. Aber ich bin immer noch ich. Meine Identität bleibt, sie ist also geistig. Und drittens: Die Jünger Jesu haben die Botschaft von der Auferstehung mit Leib und Leben bezeugt. Sie mussten selber dran glauben, haben alles dafür gegeben – ihr Leben! Das hätten sie ganz sicher nicht getan, wenn alles eine Lüge gewesen wäre. Sie müssen etwas unglaublich Neues erfahren haben.

Auferstehung, Leben nach dem Tod. Was aber bewirkt diese Hoffnung heute schon? Gerade in Corona-Zeiten: Ändert sich dadurch etwas? Lebt man dieses Leben anders, weil man diese eine große Hoffnung hat? Dazu sage ich ja. Das Leben vor dem Tod fühlt sich für mich völlig anders an, weil ich hoffe – auf das Leben nach dem Tod. Ich verliere nämlich alle Angst. Ich habe keine Angst mehr um mich selbst. Ich kann mein Leben verschenken, weil es schon gerettet ist. Ich muss nicht um mich selber kreisen, mit Zeit und Kraft nicht geizig sein. Ich muss auch nicht alles aus dem Leben herausholen, was womöglich drinsteckt. Ich muss aus mir nichts mehr machen, weil ich schon alles bin: Gottes geliebtes Kind. Mit einem Wort: Die österliche Hoffnung schenkt Gelassenheit.

Keine Angst mehr um mich selber haben, das bedeutet für mich: „Auferstehung jetzt“! Gelassen sein im Vorletzten, weil ich geborgen bin im Letzten. Eine solche Hoffnung wünsche ich allen Menschen. Denn mit einer solchen Hoffnung können sie angstfrei leben.

Und ich wünsche unserer Gesellschaft eine solche Hoffnung. Auch bei uns in Deutschland kreisen viele um sich selbst. Sie denken nur an sich – und deshalb machen sie ihre Grenzen und ihre Herzen dicht. Sie polarisieren gegen andere Kinder Gottes. Sie fallen auf Populisten herein, die mit der Angst spielen und Wut schüren. „Auferstehung jetzt“ – das bedeutet: Solidarität. Im Leben nach dem Tod wird es keine Grenzen mehr geben, keine Nationalitäten, ja nicht einmal mehr Religionen. Deshalb möchte ich im Leben vor dem Tod die richtigen Maßstäbe setzen. Der Himmel ist für alle, deshalb kann die Erde nicht nur für wenige sein.

In der Corona-Krise haben viele eine solche Haltung gezeigt, haben sich eingesetzt für andere. Mache brauchten einen gewissen Anlauf, wollten es zuerst nicht wahrhaben, pochten auf ihrer Freiheit, schoben alle Sorgen weg. Sie haben den Ernst der Lage nicht erkannt, bis der Staat mit Fug und Recht eingegriffen hat.

„Auferstehung jetzt“ – das bedeutet: Treu bleiben und durchhalten, das Ganze im Blick behalten, solidarisch sein, auch wenn man nicht alles überblickt. Das ist wie im Karsamstag: Jesus ist tot. Und deshalb heißt es: warten auf neues Leben; ausharren, bis es Ostern wird. Ich freue mich darüber, dass so viele engagiert sind, wo und wie auch immer. Sie machen mir Mut. Und zeigen mir, dass ich hoffen darf. Jedem Einzelnen wünsche ich das: „Auferstehung jetzt“. In der Familie – aufeinander zugehen. Im Beruf – nicht nur seinen Job machen. In der Nachbarschaft – sensibel bleiben füreinander. In der Gesellschaft – helfen, wo und wie ich kann, durch Engagement und notfalls durch Verzicht. Teilen kann man nur, wenn man etwas hergibt, das einem lieb und teuer war. Vielleicht kommt der Aufbruch ja nach dem Abbruch. So wie Ostern nach dem Karfreitag und dem Stillstand des Karsamstags.

Darauf hofft Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus.

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