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Choralandacht | 23.05.2020 | 07:50 Uhr

Jesus Christus herrscht als König (eg 123)

Musik Choral 1. Strophe:
Titel: Jesus Christus herrscht als König, Text: Philipp Friedrich Hiller, Komposition: Johann Adam Hiller, Interpret: Kammerchor des Aachener Bachvereins, Leitung: Wolfgang Karius, WDR-Kompilation (Eigenproduktion), Verlag: Carus, LC: Z2323
0:00-0:29

Sprecherin (Overvoice): Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.

Autor: Ich erinnere mich: Als Kind hatte dieses Lied für mich so etwas Zuversichtliches, etwas Beruhigendes. Wenn das stimmt, dass Jesus König ist, dann kann doch eigentlich nicht viel passieren, so dachte ich. Einen König, den stellt man nicht in Frage.

Und dazu diese Melodie. Auch sie hatte in meinen Ohren einen durch und durch optimistischen Klang. Das tat gut. „Jesus Christus herrscht als König…“ das hat mir das Gefühl vermittelt: Alles wird gut.

Musik Choral 1. Strophe:
Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.
0:59-1:27

Autor: Ja, dann wird vielleicht alles gut, wenn alle Mächte im Himmel und auf Erden tatsächlich ihm dienen: Jesus Christus. Denn das heißt doch nichts anderes, als dass die Liebe regiert und dass die Welt auf diese Liebe hört. So bringt es jemand im Neuen Testament einmal auf den Punkt: Gott ist die Liebe.

Regiert werden von dem, der die Liebe ist. Doch wie schwer das manchmal ist. Ich merke bei mir selbst: Wie schnell hat da ganz anderes das Sagen, wenn der Zorn mich packt oder die Ungeduld. Von wegen: Die Liebe regiert.

Wo Jesus anderen Menschen begegnet ist, da waren diese Begegnungen von einer besonderen Haltung geprägt: Er hat in jedem Menschen zuerst ein von Gott geschaffenes, wert geachtetes und geliebtes Geschöpf gesehen. Egal wo jemand herkam. Gleichgültig was jemand mitbrachte an Erfolgen und Misserfolgen. Die gesellschaftliche Stellung spielte keine Rolle. Auch der Mensch, der schuldig geworden war, blieb in seinen Augen immer der von Gott geliebte Mensch.

Von diesem Blick Jesu auf die Menschen möchte ich mich immer wieder anstecken lassen, gerade dann, wenn sich anderes in den Vordergrund drängt. Jesus konnte sogar sagen: „Liebet eure Feinde!“ Er wollte nicht, dass wir plötzlich ein Gefühl der Liebe für sie entwickeln. Es ging ihm vielmehr um diesen Blick auf den Mitmenschen und die Tat, die daraus folgt, dass wir nämlich auch dem Feind noch Gutes tun. Das macht einen Unterschied. Dann regiert die Liebe.

Musik Choral 3. Strophe:
Overvoice-Sprecherin: Gott ist Herr, der Herr ist Einer, und demselben gleichet keiner, nur der Sohn, der ist ihm gleich; dessen Stuhl ist unumstößlich, dessen Leben unauflöslich, dessen Reich ein ewig Reich.
(3:00-3:30)

Autor: Gelegentlich schaue ich auf manche Machthaber dieser Welt, auf die heutigen „Fürstentümer und Gewalten“. Da sehe ich Mächtige, die ihre Macht schamlos missbrauchen, um sich selbst zu bereichern, oder solche, die ihrem Volk die Freiheit nehmen. Ich sehe Machthaber, die ihre Macht benutzen, um zu manipulieren und ihre Macht zu erhalten.

Und dann sind da auch noch die Mächte, die wir uns nicht erklären können und die uns doch mächtig im Griff haben können. Ein Virus, das unsichtbar um die Welt geht, das Angst verbreitet, das vielen tausend Menschen den Tod gebracht und die Wirtschaft in eine Krise gestürzt hat. Da nimmt etwas auf dramatische Weise Einfluss auf das Leben in dieser Welt. Es scheint, wir werden von etwas ganz anderem regiert.

„Jesus Christus herrscht als König“ - hat der Autor dieses Liedes, der Pfarrer Philipp Friedrich Hiller, einfach ausgeblendet, was in dieser Welt so geschieht und was das Leben so mit uns macht? „Gott ist Herr, der Herr ist Einer, …“ – ist das nicht weltfremd? Friedrich Hiller hat das Leben, dieses „irdische Getümmel“, nicht ausgeblendet. Im Gegenteil: In den weiteren Strophen seines Liedes weiß er auch davon zu erzählen, welche Tiefen Menschen durchleben müssen. „…klagt, ihr Kranken, ihm die Schmerzen; sagt, ihr Armen, ihm die Not!“, so dichtet er.

Und vieles von dem, was er zur Sprache bringt, hat er am eigenen Leib erfahren. Sein Leben war vom Tod überschattet. Und als er endlich eine Pfarrstelle angetreten konnte, verlor er nach einer Halsentzündung für immer seine Stimme. Nur noch flüstern konnte er. Predigen war ihm nicht mehr möglich. Einmal schrieb er in einem Brief an einen Freund:

Sprecher: „Ich schütte mein Herz aus, und unter dem Gebet werde ich ruhig. Aber unversehens kehrt die Bangigkeit zurück, die Wogen brechen wieder herein, und ich hänge zwischen Furcht und Hoffnung. Ich stütze mich auf das Wort: Alles, was ihr bittet im Gebet, wenn ihr glaubt, werdet ihr`s empfangen - aber ach welche Einwendungen erheben sich dagegen!“ (1)

Autor: Friedrich Hiller hielt trotzdem an Gott und seinem Glauben fest. Oder besser: Er hat erfahren, gehalten zu werden von Gott in seiner Liebe trotz all dem, was ihm im Leben widerfuhr. Und so wurde aus dem Pfarrer, der nicht mehr predigen konnte, der Dichter, der viele Menschen mit seinen über tausend Liedern erreicht hat.

Mit seinen Liedern erzählt er davon, wie weit Gott in Jesus Christus mit seiner Liebe zu den Menschen zu gehen bereit ist. „Jesus Christus herrscht als König“. Der, von dem das erzählt wird, hat selbst tiefste Not durchlitten.

Dabei war für Friedrich Hiller die Gemeinde so etwas wie eine Keimzelle. Dort soll es schon jetzt geschehen, dass Christus regiert. Dort kommen Menschen zusammen, die sich nach seiner Liebe sehnen. die auf Gottes Geist hoffen und die sich so von seiner Liebe anstecken lassen.

Musik Choral 5. und 6. Strophe:
Sprecherin (Overvoice):
Nur in ihm - o Wundergaben!- können wir Erlösung haben,
die Erlösung durch sein Blut. Hört's: Das Leben ist erschienen, und ein ewiges Versühnen
kommt in Jesu uns zugut.
Jesus Christus ist der Eine, der gegründet die Gemeine, die ihn ehrt als teures Haupt. Er hat sie mit Blut erkaufet, mit dem Geiste sie getaufet, und sie lebet, weil sie glaubt.
(6:31-7:34)

Autor: In einer unserer Partnerkirchen gibt es eine Schule, die trägt den Namen „Alles wird gut“, in der Sprache dort: „Alavanyo“. Da wird die Liebe praktisch. Kinder und Jugendliche aus sozial schwierigen Verhältnissen erhalten in dieser Schule eine Ausbildung, die ihnen eine Zukunft eröffnet.

Und bei uns in Lippe gibt es einen Eine-Welt-Laden, der sich diesen Namen gegeben hat: „Alavanyo“ – Alles wird gut. Auch da wird die Liebe praktisch: Menschen setzen sich für Gerechtigkeit in dieser Welt ein.

Der Theologe Karl Barth hat kurz vor seinem Tod zu einem Freund gesagt

Sprecher: Ja, die Welt ist dunkel. Nur ja die Ohren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washington oder in Peking, aber ganz von oben, vom Himmel her. (…) Es wird regiert! (2)

Autor: Nein, dieses Lied ist nicht weltfremd, sondern erzählt von einer großen Sehnsucht. Dass die Welt nicht vor den Mächtigen, sondern vor der Liebe die Knie beugt. Das hat geradezu etwas Revolutionäres und Befreiendes. Irdische Macht ist begrenzt. Aber die Liebe bleibt.

Musik Choral 1. und 3. Strophe

Jesus Christus herrscht als König, alles wird ihm untertänig, alles legt ihm Gott zu Fuß. Aller Zunge soll bekennen, Jesus sei der Herr zu nennen, dem man Ehre geben muss.
Gott ist Herr, der Herr ist Einer, und demselben gleichet keiner, nur der Sohn, der ist ihm gleich; dessen Stuhl ist unumstößlich, dessen Leben unauflöslich, dessen Reich ein ewig Reich.

(8:45-9:47)



Quellenangaben

(1) Beate Scheffbuch / Winrich Scheffbuch, „Den Kummer sich vom Herzen singen. So entstanden bekannte Lieder.“, Neuhausen/Stuttgart,
      3. Auflage 1998, S. 148

(2) Christiane Tietz, “Karl Barth. Ein Leben im Widerspruch.“ München, 2018, S.414



Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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