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Kirche in WDR 4 | 15.02. 2019 | 08:55 Uhr

Jesus zieht den Kürzeren

Guten Morgen! Der Wunderheiler und Superstar zieht den Kürzeren. Damit hat niemand gerechnet. Eines Tages hält der Jude Jesus sich mit seinen Anhängern in einem Gebiet auf, in dem Leute wohnen, die eine andere Religion haben. Da begegnen sie einer Frau. Sehr hartnäckig trägt sie ihr Anliegen vor. Sie hat eine kranke Tochter, die von Anfällen geplagt wird. Die Frau hat Hoffnung, dass Jesus helfen kann. Zunächst schweigt er. Und seine Begleiter sagen zu ihm: „Die belästigt uns doch – unternimm was!“ Da sagt er: „Nein, ich habe nur den Auftrag, den Menschen aus dem Hause Israel zu helfen.“ Also Menschen jüdischen Glaubens. Daraufhin fällt die Frau vor ihm auf die Knie und bittet für ihre Tochter. Er entgegnet ihr: „Es ist nicht richtig, den Kindern - also denen aus dem Haus Israel - das Brot wegzunehmen und es den Hunden hinzuwerfen.“ Jesus beleidigt die Frau. Er sagt damit: „Ich helfe dir nicht. Lass mich in Ruhe!“

Diese Begegnung ist aufgeschrieben in der Bibel. Kolonnen von Bibelauslegern haben sich bemüht, diese despektierliche Rede Jesu als etwas doch irgendwie Annehmbares zu erklären. Einer meint: Das sei nur ein Test gewesen, um den Glauben der Frau zu prüfen.

Ich bin froh, dass wir in der Regel nicht so miteinander umgehen wie Jesus mit dieser Frau umgeht. Du bist höchstens so viel wert wie ein Hund. Das ist eine Beleidigung. Und doch: Das gibt es schon, dass mich jemand geringschätzig behandelt. Vielleicht weniger offensichtlich und doch merkbar. Und ich weiß, wie ich auf so etwas zu reagieren pflege. Entweder gehe ich zum Gegenangriff über oder ich bin so perplex, dass ich mich zurückziehe und meine Wunden lecke.

Deshalb ist das, was die Frau Jesus erwidert, so überraschend und groß. Sie sagt zunächst einfach: „Ja, Herr!“ Sie nimmt’s an, sie nimmt’s sogar auf und wendet es gegen Jesus: „Ja, Herr, angenommen, ich bin ein Hund. Aber selbst Hunde werden nicht so behandelt, dass sie nicht noch Reste bekämen…“ Die Mutter des kranken Mädchens säubert nicht ihre beschmutzte Fassade. Sie hat keine Angst, ihr Gesicht zu verlieren. Sie verliert es vielmehr in aller Ruhe. „Ja, Herr, und doch essen die Hunde von den Brocken, die von den Tischen ihrer Herren fallen.“ Sie stellt ihren Stolz zurück und verfolgt ihr einziges Interesse – das Wohlergehen ihrer Tochter. Deshalb kann sie die Beleidigung nicht nur wegstecken, sondern für ihr Ziel verwenden.

Jesus muss jetzt nachgeben, und er tut’s auch. Er hat hier den Kürzeren gezogen. Vielleicht nicht mal ungern. Aber in diesem Gespräch hat die Frau gewonnen. Ich denke nicht, dass ihr Verhalten für jede Konfliktsituation passt. Aber ich weiß: Es wirkt entkrampfend, wenn einer in einem Streit plötzlich die weiße Fahne hisst. Und wenn er oder sie die Größe hat, nicht sofort aufzutrumpfen, sondern die Vorwürfe des anderen erstmal einzustecken. Dann nämlich muss der nicht mehr Recht behalten. Und er kann schließlich von seiner Härte lassen. Dann eröffnen sich neue Möglichkeiten und Wege zueinander. Am Hissen der weißen Fahne muss ich jedenfalls noch viel arbeiten.

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, Ihr Pfarrer Michael Opitz aus Düsseldorf.

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