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Hörmal | 02.04.2021 | 07:45 Uhr

Du fehlst

Vor fast genau sechs Jahren ist Holger gestorben, mein Freund aus alten Schultagen. Er hatte Bauchspeicheldrüsenkrebs. Fast eineinhalb Jahre hatte er gegen den Krebs gekämpft, vergeblich. Und bis heute muss ich sagen: Er fehlt. Wir haben in der Schule gemeinsam so manchen Blödsinn gemacht – nicht immer zur Freude der Lehrer. Und wir haben viel gelacht. Er hatte ein ganz ausgeprägtes Lachen – und nicht zuletzt sein Lachen fehlt. Gemeinsam sind wir mit Freunden über Jahre hinweg nach Santiago de Compostela gewandert. Jedes Jahr eine Woche näher an das Ziel. Und über die Jahre hinweg haben wir viele Gespräche geführt und so am Leben des anderen Teil genommen. Auch das fehlt.

Gerade dann, wenn ich einen nahe stehenden Menschen verliere, geht immer auch etwas von meiner Geschichte zu Ende. Die gemeinsame Zukunft ist weg. Das wird mir oft erst später bewusst, Tage, Wochen, Jahre nach dem Tod: Was fehlt mir alles, wenn jemand nicht mehr da ist?

Ich frage mich das auch heute am Karfreitag, wo weltweit die Christen an den Tod Jesu denken.

Was fehlt mir als Priester und Ordensmann, wenn Jesus nicht mehr da ist? Zugegeben – eine etwas verrückte Frage. Ich habe Jesus ja persönlich nicht gekannt, sondern kenne ihn nur aus den biblischen Berichten und aus dem, was die Tradition über ihn sagt, was ich im Theologiestudium über ihn gelernt habe und was ich mir selbst so gedacht habe. Was also fehlt mir, wenn er nicht mehr da ist? – Ich muss zugeben, die Antwort auf die Frage ist gar nicht so einfach.

Zunächst ist Jesus für mich nicht so ein lieber Kerl und Kumpel, der nur Trostpflaster und Allesversteher ist, sondern jemand, an dem ich mich reibe: Immerhin hält er mir einen Spiegel vor, wenn er sagt, wie wichtig Gottes- und Nächstenliebe sind. Und wenn Jesus nicht mehr da wäre, dann würde mir so ein Spiegel fehlen, in dem ich mich und meine Lebensmaßstäbe besser erkennen kann.

Auch würde mir mit ihm eine bestimmte Gottesvorstellung fehlen, nämlich dass Gott nicht irgendwo weltabgewandt rumgeistert, sondern dass er ein Gott ist, der um menschliches Leben weiß, weil er selbst Mensch war. Das heißt, er weiß, was es heißt, zu lieben und zu leiden, zu lachen und zu weinen. Er weiß auch, was es heißt, wenn ein lieber Mensch fehlt: Immerhin, so beschreibt es die Bibel, hat er um seinen toten Freund Lazarus geweint. Und Jesus kennt sogar die Frage, die ich mir stelle: Was fehlt, wenn Gott fehlt? Denn so hat er ja in seinem Sterben gerufen: „Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen?“ Ja, selbst meinen eigenen Zweifel finde ich in diesem Jesus wieder – oder eben nicht, wenn er nicht mehr da ist.

Dann würden mir noch bestimmte Feste und Rituale fehlen, wenn Jesus nicht mehr da ist: Also Feste wie Weihnachten und jetzt auch das Osterfest in drei Tagen. Diese Feste haben sehr mit menschlichen Erfahrungen zu tun und deuten sie. Ja das alles würde mir fehlen, wenn Jesus nicht mehr da ist. Gut, es gäbe dann vielleicht alternative Feste, aber wenige, die mir jedenfalls helfen, das Leben besser zu verstehen, ihm einen tieferen Sinn abzugewinnen.

Schließlich bin ich überzeugt: Die Antwort auf die Frage „Was fehlt mir, wenn Jesus tot ist?“, diese Antwort kann mir helfen, in drei Tagen Ostern zu feiern – zu feiern, dass er lebt und auch alle, die verstorben sind und jetzt auch schon fehlen.

 

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