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Kirche in WDR 3 | 05.03.2019 | 07:50 Uhr

Karnevalsende

Karnevalsende – Abschied bittersüß

Guten Morgen!

Es muss irgendwann letzten Oktober gewesen sein, am Ende des Rekord-Sommers. Ich saß draußen auf meinem Balkon in der Sonne und merkte, wie ein bittersüßes Abschiedsgefühl in mir aufkam. Denn der Wetterbericht verhieß nichts Gutes: kaltes Wetter und Regen waren für die kommenden Tage angesagt. Der tiefer Seufzer entfuhr mir: „Das wird wohl jetzt der letzte schöne warme Abend sein. Zum letzten Mal draußen sitzen für dieses Jahr, und die Sonne genießen. Es wird mir fehlen.“ Tatsächlich: Danach wurde es „usselig“, wie man in Westfalen gerne sagt. Die Balkonmöbel wurden eingemottet. Die unangenehme Seite des Herbstes war da.

Wahrscheinlich empfinden viele Karnevalsjecken heute ein ähnliches bittersüßes Abschiedsgefühl. Denn heute Abend endet die Karnevalssaison schon wieder, man braucht keine Wettervorhersage, um dies zu wissen. Monatelang hat man Kostüme vorbereitet, Umzüge, Sitzungen… und nun ist alles schon wieder vorbei. Man wird diesen Abschied auf unterschiedliche Art und Weise inszenieren: In Düsseldorf und Städten am Niederrhein wird der Hoppeditz beerdigt, anderswo wird symbolisch eine Strohpuppe verbrannt. Und aus meiner Heimat, einem kleinen Ort im Saarland, kenne ich es so, dass um Mitternacht ein toter Fisch an einer Angel hereingetragen wird – Bild für die verstorbene Fastnacht, die heftig beweint wird.

Warum solche Abschiedsgefühle bittersüß sind? Nun, weil jeder weiß, dass dieser Abschied nicht von Dauer ist – falls keine unvorhergesehenen Dinge geschehen. Dann wird es auch 2019 wieder einen Sommer geben und am 11.11. beginnt erneut die Karnevalssaison. Man kann sich also ruhig ganz in diese inszenierten Abschiede hinein stürzen. Wirklich weh tun sie nicht, weil man ja weiß, dass sie nicht von Dauer sind. Man verliert nicht wirklich etwas, man verabschiedet sich nur vorläufig. Und weiß, dass es etwas gibt, worauf man sich freuen kann.

Und genau das ist das Entscheidende. Denn das Ende des Sommers, das Ende des Karnevals bedeutet nicht nur Abschied, sondern auch den Beginn der Vorfreude auf das nächste Mal. Genau deshalb ist dieser Abschied bittersüß.

Außerdem: Es kann nicht immer Sommer und es kann auch nicht immer Karneval sein. Die leichten und fröhlichen Zeiten eines Jahres ziehen ihren Reiz gerade daraus, dass sie befristet sind. Sie wären lange nicht so reizvoll, wenn es nicht auch die andere Seite gäbe. Der Winter oder die Fastenzeit mögen neben dem Sommer oder dem Karneval blass und wenig attraktiv erscheinen. Aber man braucht auch solche Zeiten: Wenn es in der Natur nicht die winterliche Zeit des Rückzugs und der Sammlung der Kräfte gäbe, hätten wir erst gar keinen Sommer. Und die Fastenzeit als Zeit des In-sich-Gehens und der Selbstvergewisserung ist ein gutes Gegengewicht zum karnevalistischen Feiermodus, der auf Dauer zur völligen Erschöpfung oder völligen Leere führen würde.

Der Jahreslauf kennt ein gutes Gleichgewicht zwischen den fröhlichen, leichten Zeiten und den eher bedächtigen Zeiten, die zu einer Vertiefung einladen. – Die aktuelle Woche ist ein Paradebeispiel dafür. Hier stoßen Karneval und Aschermittwoch unmittelbar aufeinander. Die Woche empfindet so die gesamte Bandbreite eines Menschenlebens nach – mit seinen Höhen und Tiefen, den Erfolgen und Misserfolgen, dem Mut und der Angst, der Fröhlichkeit und der Trauer.

In der Bibel beschreibt das Buch Kohelet in einer seiner berühmten Stellen, dass es für alles eine bestimmte Stunde gibt, will heißen: in keinem Menschenleben gibt es immer nur helle Zeiten oder immer nur dunkle. Einer der Verse bringt es auf den Punkt. Er lautet: Es gibt „eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz“ (Koh 3,4). Und genau das passt doch in diese Woche mit Karneval und Aschermittwoch.

Heute ist aber noch Zeit zum Lachen und Tanzen, und dass Sie das heute tun können, wünsche ich Ihnen von ganzem Herzen. Ihre Claudia Nieser aus Paderborn.

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