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Kirche in WDR 5 | 16.02. 2019 | 06:55 Uhr

Karussell und Zuckerwatte

Guten Morgen! Von ihrem Fenster aus hat sie es entdeckt. Drüben auf dem großen Platz haben sie eine Kirmes aufgebaut. Ganz so wie in alter Zeit. Sie sieht ein Riesenrad, Karussells, viele Buden, bunte Stände. Sie denkt an ihre Kindheit, damals, vor so langer Zeit, in der Heimat. Wie wunderbar war es damals, mit Mutter und Vater über den Jahrmarkt zu gehen. Das war immer im Herbst gewesen, wenn die Felder abgeerntet und die Scheunen voll waren. Die schwere Arbeit war getan und jetzt durfte man ein wenig Spaß haben. Mit dem Karussell fahren und danach Zuckerwatte essen – das war das Größte für sie gewesen als Kind.

Sie steht am Fenster und spürt ein Ziehen im Herzen / Wehmut. Der große Hof, die Heimat, die Eltern – das ist schon so lange her. Jetzt wohnt sie mit ihrer kleinen Rente in diesem 1-Zimmer-Appartement in der Vorstadt. Zusammen in einem Haus mit dem mürrischen Vermieter und der alten Frau Seiler, die früher eine feine Dame gewesen sein muss. Aber aus irgendeinem Grund ist auch ihr nicht viel geblieben. Sie muss jetzt mit wenig Geld durch den Monat kommen. Ob Frau Seiler wohl mitgehen würde auf die Kirmes gegenüber? Sie möchte gern noch einmal eintauchen in die Erinnerungen der Kindheit. Geld hat sie kaum mehr übrig. Aber kaufen muss sie ja auch nichts. Nur schauen und träumen.

Sie klopft bei Frau Seiler. Aber die schüttelt nur den Kopf. Daran hätte sie keine Freude. „War ja nur so eine Idee“, murmelt sie und will in ihre Wohnung zurück, als Frau Seiler ihr nachruft: „Warten Sie, ich borge Ihnen wenigstens einen Mantel und einen Hut. Es ist schon ganz schön kalt draußen und ich weiß doch, dass Sie keinen vernünftigen Mantel haben für diese Jahreszeit. Aber schön drauf aufpassen!“ - „Danke“, sagt sie überrascht.

Nun zögert sie nicht länger, zieht den Mantel an, setzt den Hut auf und holt noch den Schal aus der Wohnung, den ihr verstorbener Mann ihr vor langer Zeit zum Geburtstag geschenkt hat. Dann nimmt sie das Portemonnaie – man kann ja nie wissen – und den Gehstock und verlässt die Wohnung.

In wenigen Minuten ist sie auf der Kirmes angelangt. Losverkäufer bieten bunte Lose aus Plastikeimern an, Musik dringt von den Karussells herüber und es riecht wunderbar nach gebrannten Mandeln. Mehr als eine Stunde verbringt sie hier, beobachtet Kinder auf dem Karussell und Paare, die sich an der Schießbude versuchen.

Gegen Abend sieht man sie dann im Park und wundert sich nicht wenig. Offenbar vergnügt geht sie spazieren, fein herausgeputzt mit Mantel und Hut und vor sich einen großen Flaum von Zuckerwatte! Der Zuckerwattenverkäufer hat sich schon gewundert, als die alte Dame plötzlich inmitten der Kinder stand. „Sie wollen Zuckerwatte?“, hat er verwundert gefragt. „Ja, ich bin so frei“, hat sie ihm geantwortet und bei sich gedacht: „Du, lieber Gott, du hast mich so alt werden lassen und du hast immer für mich gesorgt. Du weißt, ich bin knapp bei Kasse. Aber dieses kleine Vergnügen wirst du mir doch gönnen…“

Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, Ihr Pfarrer Michael Opitz aus Düsseldorf.

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