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Kirche in WDR 3 | 13.05.2021 | 07:50 Uhr

Klare Sprache

War mal wieder einer dieser schönen Tage, die mit einem Frühstück im Kreis der Familie anfangen. Und es war mal wieder einer dieser Tage, an dem die Kinder das Thema setzen. In diesem Fall war es meine Tochter. Und es ging um die Geschichte Deutschlands – 16. Jahrhundert. Irgendjemand hatte sich in der Schule recht drastisch über Martin Luther wegen seiner Rolle in den Bauernkriegen geäußert – und meine Tochter wollte nun wissen, warum Luther da die einfachen Leute im Stich gelassen und sich auf die Seite der Fürsten geschlagen hat. Wir gehen der Sache nach – und ich bemühe mich zu erklären, ohne zu rechtfertigen, warum Luther lange zurückhaltend gegenüber den Forderungen der Bauern war, die doch aus heutiger Sicht so nachvollziehbar waren. Und warum er sich dann schließlich eben mit auch noch recht drastischen Worten auf die Seite der Fürsten geschlagen hat. Meine Tochter – damals 14 oder 15 Jahre alt – hörte sich das an und meinte schließlich: „Verstehe. Musste er wohl so machen; die haben ihn schließlich beschützt. Das war so ein win-win-Ding…“

Ich möchte heute Morgen keine Debatte lostreten. Keine historische und auch keine theologische. Und mir ist selbstverständlich klar, dass es gerade bei diesem Thema sicherlich etwas mehr Differenzierung braucht. Aber eigentlich erzähle ich Ihnen das auch aus einem ganz anderen Grund. Denn mir ist an diesem Morgen klar geworden, das es wohl eine Sprache braucht, die verständlicher ist, wenn ich Menschen erreichen will. Meiner Tochter hätte ich an diesem Morgen mit irgendwelchen fachwissenschaftlichen Vorträgen nicht kommen müssen. Das gab sie mir mit Ihrer win-win-Ding-Zusammenfassung ziemlich deutlich zu verstehen. Die spannende Frage, die ich mir da nur immer wieder stellen muss: Warum übertrage ich das immer noch zu wenig darauf, wenn ich begreifbar machen möchte, dass ich von diesem Wanderprediger aus Nazareth im wahrsten Sinne des Wortes „begeistert“ bin?

Klar, für diese Erkenntnis hätte ich jetzt weder die Küchentischszene noch das Gespräch über die Bauernkriege gebraucht. Aber ich kann da Martin Luther gebrauchen. Denn der stellte sich diese Frage in gleicher Weise. Seine Antwort bestand in der Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Und die bestand auch darin, dass er in Kneipen ging, hörte, welche Lieder die Menschen gerne sangen – und dann einen kirchlichen Text auf die Melodien dichtete.

Heute an Christi Himmelfahrt scheint mir das besonders wichtig: Dass ich nicht nur nach oben in den Himmel schaue, sondern auch die Erde hier im Blick behalte. Dass ich mich nicht in Gebet und Glockenklang verliere – sondern schaue, in welchen Situationen die Menschen um mich herum leben. Welche Dinge sie bewegen. Welche Sprache sie sprechen. Martin Luther ist mir da ein wunderbarer Ratgeber und Mahner: Der zeigt mir, wie man den Nächsten aus dem Blick verlieren kann, wenn man nur nach oben schaut – und wie viel näher ich Gott kommen kann, wenn ich darauf schaue, wie die Menschen um mich herum leben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Christi Himmelfahrts-Tag mit ganzen vielen wunderbaren Begegnungen. In der einen und in der anderen Weise. Ihr Diakon Claudius Rosenthal aus Altenwenden
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