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Kirche in WDR 3 | 26.01.2017 | 07:50 Uhr

Kirchenraum mit offenen Wunden

Guten Morgen.

Die Alte Kirche in Nettetal-Lobberich am Niederrhein ist ein besonderer Ort. Diese Kirche zeigt ihre Wunden. Bis heute. Ihr eingeschlämmtes Mauerwerk erzählt von einer Zerstörung der Kirche in den letzten Kriegstagen im Februar 1945. Keine Frage: Nicht jeder mag diese Narben. Zwei Reaktionen kenne ich von Menschen, , die diesen besonderen Ort betreten: Die Einen sind berührt und fasziniert vom unfertigen und verletzen Zustand des Gebäudes. Die Anderen fragen: „Wann wird das hier fertig gemacht?“.

Zugegeben: der Kirchenraum ist eine Zumutung für ein Auge, das den perfekten Design-Hochglanz öffentlicher Räume von heute gewöhnt ist. Aber hier wurde die Not zur Tugend. Gerade diese „offenen Wunden“ der Kriegstage haben hier immer wieder Christen dazu ermutigt, auch mit der Kirche nicht fertig zu sein, nicht fertig zu werden. In den späten 1960er Jahren haben daher Jugendliche mit viel Engagement den Schutt aus der Kirche gefahren. Aus der letzten Schubkarre Ziegelsteine mauerten sie einen Altar und feierten den ersten Gottesdienst nach Kriegsende in der Kirche. Lange Zeit lockten Gottesdienste mit kritischen Themen die Menschen in die Kirche. Für den ländlichen Niederrhein war mancher dieser politisierten Gottesdienstes fast schon ein Happening. Aber das waren die 80er, 90er Jahre. Dann ließ der Besuch – wie auch in anderen Gottesdiensten- nach. Und erneut die Frage: Was machen wir? Wie geht es weiter in der Alten Kirche? Wieder inspirierte das Unfertige die Aktiven, sich auf den Zeitgeist einzulassen. Seitdem versuchen wir hier eine Art Kulturkirchenarbeit. Unter dem Motto „Gott – Mensch – Kultur“ versuchen wir die drei Schlagworte zusammen zu bringen. Das Ergebnis ist eine Mischung aus Konzert, Theater, Ballett, Lesung, und Gottesdienst. Wir wollen mit unserer Kirche nicht fertig sein und wir schätzen und leben sie so, wie das Kirchengebäude sich präsentiert: unfertig, fragmentarisch und manchmal auch verletzt. Hier werden mehr Fragen gestellt, als Antworten serviert. Im letzten Jahr war der Liedermacher Klaus Hoffmann zu Gast in der Alten Kirche. Bei seinem Konzert berührte mich eine Liedzeile besonders:

„Es fängt alles wieder an,

mit jedem Morgen, jedem neuen Plan.

Du dachtest, der Zug ist abgefahrn

und jetzt fängt es wieder an.“

Ich wünsche mir eine solche Erfahrung für unsere Arbeit in der Alten Kirche, aber auch für die „Institution Kirche“. Ich wünsche meiner Kirche den Mut, mit ihren Verletzungen und Verwundungen zu leben, und zu ihnen zu stehen. Und ich bitte den Heiligen Geist, von dem man ja sagt, er mache alles neu, um den Mut dazu… für die Entscheider in der Kirche, genau so wie für mich.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen Bastian Rütten aus Lobberich.

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