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Hörmal | 10.02. 2019 | 07:45 Uhr

Kleid für Maria

Maria hat ein neues Kleid. Nicht irgendeine Maria. Ich spreche von dem Gnadenbild im Aachener Dom. Dieser geht auf Karl den Großen zurück und ist heute Weltkulturerbe ist. Wunderschön und prächtig steht Maria im Dom auf einem Sockel mit dem Jesuskind auf dem Arm. Und fast immer brennen vor ihr Kerzen. Das Gnadenbild von Aachen ist beliebt. Und das zeigt sich unter anderem auch durch einen alten Brauch: Viele Menschen – nicht nur aus Aachen – schenken seit Jahrhunderten Maria immer wieder ein neues Kleid. Und die Kleider machen aus der einfachen Holzskulptur, die übrigens schon ein geschnitztes Kleid trägt, eine Königin, eine Himmelsbraut, eine Ehrfurcht gebietende Dame.

Nicht, dass die alten Kleider verschlissen sind. Aber warum nicht an die alte Tradition anknüpfen und Maria ein neues Kleid schenken? So dachten sich die Domkapitulare von Aachen. Und: Warum nicht mal Künstler fragen, so ein Kleid für Maria zu gestalten – zeitgemäß, würdig, eben etwas Neues für Maria. Hat sie doch verdient.

So wurde im letzten Jahr ein Wettbewerb ausgelobt. Fast einhundert Künstlerinnen und Künstler aus mehreren europäischen Ländern haben sich daran beteiligt. Und die besten Ergebnisse werden zurzeit in einer Ausstellung im Domschatz gezeigt bis Ende April.

Ich war in Aachen und habe mir die Ausstellung angeschaut.

Einen Entwurf finde ich sehr bemerkenswert, weil er auf eine sehr aktuelle Problematik eingeht und alte Vorstellungen von Maria neu belebt. Da wird die Marienfigur einfach nur mit einer Rettungsdecke eingehüllt, wie sie in jedem Verbandskasten im Auto zu finden ist. Da die Figur nicht sehr groß ist, hängt die Decke weit herunter – herrlich anzusehen: außen Gold, innen Silber – obwohl so eine Decke nur wenige Cent kostet.

Solche Decken sieht man ja oft im Fernsehen bei Unfallopfern oder bei Flüchtlingen. Und jetzt, mit dieser Rettungsdecke bekleidet, wird Maria sozusagen auch zu einem dieser Flüchtlinge. Immerhin stimmt das ja auch nach biblischer Überlieferung: Nach der Geburt ihres Sohnes Jesus war sie auf der Flucht mit ihm und dem Josef, weg von Betlehem hin nach Ägypten.

Aber das neue Kleid wäre nicht so beeindruckend, wenn es nicht noch eine andere Bedeutung hätte als die der „Flüchtlingsmadonna“. Und diese Deutung hat mit einem uralten Rechtsmotiv zu tun. Wenn im Mittelalter ein König oder eine Königin jemanden unter den Mantel nahm, dann hieß dass: Du bist jetzt begnadigt. Oder in Bezug auf uneheliche Kinder galt: Sie konnten einfach legitimiert und adoptiert werden, wenn sie von einer Frau oder einem Mann unter den Mantel genommen wurden.

Diese fürsorgliche Haltung wurde dann auf Maria übertragen, sie wurde zur „Schutzmantelmadonna“. Die Menschen sollten sich vorstellen: Maria breitet über sie ihren Mantel aus und hilft Ihnen und beschützt sie.

Bei dem neuen Kleid von Maria in Aachen ist das sogar so, dass das Rettungstuch so weit ist, dass man als Besucher eigentlich selbst darunter schlüpfen könnte.

Man muss kein Marienverehrer sein, aber die Idee ist doch richtig, von der das neue Kleid der Maria erzählt: Irgendwann braucht jeder Mensch einmal wenn nicht Schutz, dann aber doch Hilfe. Dann jemanden zu haben, der tatsächlich da ist und hilft, das ist so wichtig. Und – warum sollte ich nicht umgekehrt auch jemand sein, der anderen hilft und sie beschützt? Und dafür brauchte es noch nicht einmal eine Rettungsdecke als neues Kleid.

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