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Kirche in WDR 5 | 27.01.2021 | 06:55 Uhr

Kleine Geschichte aus dunkler Zeit

Guten Morgen.

Heute ist Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus (1). In der Schule ist das ein Thema in der neunten Klasse, zumindest im Fach evangelische Religion. Meistens habe ich den Schülern einige Referatsthemen vorgegeben. Ein beliebtes Thema war Clemens August Kardinal Graf von Galen, der Löwe von Münster.
Im Juli und August 1941 predigt er drei Mal öffentlich mutig gegen Euthanasie, also gegen die Ermordung von Menschen, die krank sind oder eine Einschränkung haben. Diese Predigten wurden unter anderem durch Flugblätter verbreitet, was den Nazis nicht gefiel.

Doch all das ist ja irgendwie weit weg. Bis mir eine Bekannte folgende Geschichte über ihren Vater erzählte: Ihr Vater gehörte zu einer aktiven katholischen Jugendgruppe in Hamm. Er zählte zu den Menschen, die diese Predigten des mutigen Kardinals verteilt haben. In einem Kohlen-Keller hatte man eine Druckmaschine aufgestellt. Und wenn die nicht in Gebrauch war, dann wurden Kohlen darüber geschüppt. So wurden die Predigten des Kardinals heimlich vervielfältigt. Die Jugendlichen brachten sie dann nachts zu Gemeindemitgliedern.

Doch leider wurden sie verraten. Der Vater meiner Bekannten und seine älteren Freunde kamen ins Gefängnis. Er war mit 14 Jahren der Jüngste. Zum Glück hatte seine Familie Beziehungen zu einem der Verantwortlichen. Deshalb kam er nicht wie die anderen nach Dortmund in die berüchtigte Steinwache. Er wurde entlassen. Allerdings gab es die Auflage, sich umgehend als Luftwaffenhelfer zu melden.

Das ist nur eine kleine Geschichte aus dieser schlimmen Zeit. Ein Teenager, der sich nicht von der Begeisterung einer kranken Ideologie anstecken ließ, die menschliches Leben in lebenswertes und lebensunwertes Leben einteilte. Eine Gruppe Jugendlicher, die in ihrem Glauben verwurzelt war. Und die so geschützt wurde vor der Manipulation durch die Nazis.

Diese kleine Geschichte hat mich berührt, weil sie mir doch nahe kam. Das war eben kein abstrakter Text in einem Buch oder auf dem Bildschirm. Da saß die Tochter dieses Mannes mir gegenüber und erzählte mir von ihrem eigenen Vater.

Zwei Wünsche verbinde ich mit dieser Geschichte:

Ich wünsche an diesem Tag und darüber hinaus jedem solche persönlichen Bezüge zu dieser Zeit. Leider sterben die Überlebenden langsam aus. Doch auch ihre Kinder können unter Umständen diese Geschichten weitererzählen. Fragen wir sie doch danach!

 

Dann hoffe ich, dass der christliche Glaube in unserer Gesellschaft stark bleibt. Viele Christen damals waren leider Mitläufer! Doch können wir auch einen kritischen Umgang mit der Nazi-Ideologie wahrnehmen. Ich hoffe, dass die Kirchen und der persönliche Glaube weiterhin gegen menschenverachtende Ideologien schützen können.

Dabei muss ich an ein Wort aus der Apostelgeschichte in der Bibel denken. Da sagt der Apostel Petrus: "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen!" (2)

 

Das war Pastor Heddo Knieper aus Soest.

 

 

(1) https://www.bundestag.de/presse/pressemitteilungen/pm-201127-gedenktag-27-januar-810194, zuletzt abgerufen am 03.01.2021.

 

(2) Apostelgeschichte 5,29b Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

 


Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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