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Choralandacht | 20.07.2019 | 07:50 Uhr

Komm in unsre stolze Welt (eg428)

Musik 1: Track 5: „ Komm  in unsre stolze Welt“, CD:  Partita für Orgel, Interpret:

Christian Schlicke , Komponist : Manfred Schlenker, Texter: Hans Graf Lehndorff, Verlag: unbekannt

Autor: Es ist manchmal verblüffend, liebe Hörerin, lieber Hörer, wie aus Texten Musik wird. 1982 gibt es ein Treffen von Kirchenmusikern in der damaligen DDR. Es wird eine Mappe mit Texten herumgereicht, die für eine Vertonung in Frage kommen. Auch der Komponist Manfred Schlenker ist mit dabei. Er ist in dieser Zeit Domkantor in Greifswald. Sofort ist er begeistert von einem Text. Jahre später wird dieser Text  dann mit seiner Vertonung in das Evangelische Gesangbuch aufgenommen werden. „Komm in unsre stolze Welt“- unser heutiger Choral. Der Text stammt von Hans Graf von Lehndorff.  Als Domkantor Manfred Schlenker sich für diesen Text entscheidet, hat er allerdings keine Ahnung, wer sich hinter diesem Namen verbirgt.

In Westdeutschland dagegen ist Graf Lehndorff  längst bekannt. 1961 veröffentlicht er sein „Ostpreußisches Tagebuch - Aufzeichnungen eines Arztes aus den Jahren 1945 - 1947". Das Buch wird ein Bestseller und wird immer wieder neu aufgelegt.

Sein Gedicht „Komm in unsere stolze Welt“ zitiert er erstmals bei einem Vortrag, den er als Chefarzt in einem Evangelischen Krankenhaus 1968 in Bonn hält. "Vom Sinn der Barmherzigkeit in der modernen Welt“- so lautete der Titel des Vortrages. Der lässt ahnen, dass Lehndorff eigene Erfahrungen damit hat, wie es sich anfühlt, wenn einem Barmherzigkeit widerfährt.

Sein adventlicher Text ist  eigentlich ein Gebet. Jede Strophe wendet sich leidenschaftlich bittend Gott zu. Komm! Ruft der Dichter ihm zu.  Komm! So lautet die eindringliche Bitte. Komm in unsere Welt, in unser Land, in unsere Stadt, in unser Haus, in unser Herz.

Das Gedicht lebt in all seinen Strophen vom Kontrast: Hass und Frieden – satt und hungrig – Lärm und Schweigen - Dunkelheit und Licht.

Musik 2 (Str.1): Track 17 „Komm in unsre stolze Welt“, CD: Choräle für Morgenandachten, Interpret: Chorgemeinschaft an der Ruhr, Leitung: Karl Heinz Mertens, Komponist: Manfred Schlenker, Texter: Hans Graf Lehndorff, WDR-Archiv: 5023631108, Verlag: Carus, Bärenreiter, Hänssler, LC-Nr.: Z2323, Eigenproduktion

Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben. Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben. Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.

Autor: In den 60er Jahren ist das Thema Frieden hochaktuell. Der Vietnamkrieg hatte begonnen und die Menschen hatten große Angst vor einem 3. Weltkrieg. Nie wieder Krieg hieß es zwar nach dem Zweiten Weltkrieg hier. Aber manche Politiker dachten längst an Wiederbewaffnung.

Die Armut in vielen Ländern der Welt. Der Hunger, die Schuld, die die ehemaligen Kolonialherren auf sich geladen hatten mit der Ausbeutung der Menschen in den Kolonien wird nicht nur bewusst, sondern auch benannt. Wird zur Anklage.

Die Armut, der Hunger und das Elend in anderen Teilen der Welt wird umso stärker als Spannung  empfunden, als die Menschen hier bei uns vergleichsweise reich sind.  In den Kirchen versucht man, auch dem politischen Aspekt des Evangeliums gerecht zu werden. So entwickelt in Köln Dorothee Sölle zusammen mit anderen das „Politische Nachtgebet“.

Graf Lehndorf, der Dichter unseres Liedtextes, hatte noch andere Zeiten erlebt. Was Hass und Feindschaft bei den Menschen anrichten können, das hat er hautnah miterlebt.

Anfang 1945 leitete er nämlich ein Lazarett in Königsberg und kümmerte sich um die Verwundeten. Als die Rote Armee immer näher an Königsberg heranrückt, fliehen Unzählige, weil sie die Rache der russischen Soldaten fürchten. Er bleibt und muss erleben, wie sich der Hass der russischen Soldaten gegen die Deutschen entlädt.

Musik 2 (Str.2): Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache, dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache. Schaff aus unserm Überfluss Rettung dem, der hungern muss.

Autor: Auch wie sich Hunger anfühlt, erfährt Graf Lehndorff am eigenen Leib. Im Frühjahr 1947 kommt er in Berlin an. Zu essen hat er nichts und erlebt, wie ein Fremder mit ihm ein Stück Brot teilt.

Doch auch seine Seele hungert. All die Scheußlichkeiten und Grausamkeiten, die er als Zeitzeuge miterlebt hat, quälen seine Seele. Doch, wie wunderbar! Er trifft Menschen, die ihm zuhören, bei denen er das Erlebte loswerden kann. Das ist gelebte Barmherzigkeit.

Musik 3: Track 8 „ Komm  in unsre stolze Welt“, CD:  Partita für Orgel, Interpret: Christian Schlicke , Komponist : Manfred Schlenker, Texter: Hans Graf Lehndorff, Verlag: unbekannt

Komm Gott, komm!  Wer von uns könnte sich diesen Gebetsruf nicht zu eigen machen? Gut, wir hier leben im Frieden. Und auch, wenn manche Menschen hier bei uns nicht gut auf die europäische Gemeinschaft zu sprechen sind, so wird man wohl doch sagen müssen, dass trotz aller Konflikte, Unzufriedenheiten und Ungereimtheiten, Europa zum Frieden beigetragen hat.

Doch auch wir haben solches Gebet bitter nötig! Auch wenn bei uns kein Krieg im landläufigen Sinn herrscht – so sehen viele Menschen, auch viele Christen,  bestimmte Entwicklungen in unserer Gesellschaft mit großer Sorge.

Wie steht es denn bei uns mit Hass und Gewalt? Viele beklagen die zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft. Und das zu Recht. Auch der Hass, den Menschen in sich tragen, ist immer wieder ein Thema. Als sei dies inzwischen das Normalste von der Welt, sprechen wir von Hass-Mails. Allerdings richtet sich der Hass nicht gegen verfeindete Nationen. Er richtet sich vor allem gegen Fremde, die hier in unserem Land leben. Er richtet sich gegen Juden. Er richtet sich auch gegen Politiker.

Musik 2 (Str.4): Komm in unsre laute Stadt, Herr, mit deines Schweigens Mitte, dass, wer keinen Mut mehr hat, sich von dir die Kraft erbitte für den Weg durch Lärm und Streit hin zu deiner Ewigkeit.

Auf das Herz kommt es an. Davon weiß schon das Alte Testament.

Auch für die Menschen damals  ist das „Herz“ der Muskel, der den Blutkreislauf in Gang setzt und aufrecht erhält. Herz steht aber auch für die Mitte, das Zentrum, das Innere des Menschen. Dem Herzen werden dann weiter auch Funktionen für das leibliche, geistige und seelische Wesen des Menschen zugeschrieben. Besser gesagt: Sie werden gewissermaßen dort verortet. Jesus bringt es im Gespräch mit seinen Gegnern auf den Punkt:

Sprecherin: „Von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen heraus die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Missgunst, Lästerung, Hochmut, Unvernunft. All dies Böse kommt von innen heraus und macht den Menschen unrein.“ ( Markus 7, 21f)

Autor: So steht die letzte Strophe unseres heutigen Chorals ganz in der biblischen Tradition des Alten und Neuen Testamentes. Gott- so heißt es da  – möge in die Herzen der Menschen kommen und sie verwandeln. Da kann ich nur noch sagen: Amen. So sei es. (1:05)

Musik 2 (Str.5): Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle; dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle, die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.

Redaktion: Pfarrer Titus Reinmuth

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