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Choralandacht | 19.06.2021 | 07:50 Uhr

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Komm, o komm, du Geist des Lebens

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Musik, daher finden Sie hier aus rechtlichen Gründen kein Audio zum Nachhören


Musik 1 Choral Strophe 1 und 2

Titel: Komm, o komm, du Geist des Lebens; Text: Heinrich Held; Melodie: unbekannt, Meiningen 1693; Album: Lobt Gott getrost mit Singen – Lieder aus dem Ev. Gesangbuch

Chor: Studierende der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg; Leitung: Andreas Schmidt; Label: unbekannt; LC: unbekannt; Herausgeber: 
Gottesdienst Institut

 

Sprecherin (overvoice):

Komm, o komm, du Geist des Lebens, wahrer Gott von Ewigkeit.

Deine Kraft sei nicht vergebens, sie erfüll uns jederzeit.

So wird Geist und Licht und Schein in dem dunklen Herzen sein.

 

Gib in unser Herz und Sinnen Weisheit, Rat, Verstand und Zucht,

dass wir anders nicht beginnen als nur, was dein Wille sucht;

dein Erkenntnis werde groß und mach uns von Irrtum los.

 

Autorin:

Immer wenn ich einen Vogelschwarm am Himmel sehe, denke ich mir, es muss da etwas geben, das diese einzelnen Vögel bewegt, ohne dass es einen Leitvogel gibt. So, stelle ich mir vor, muss es damals am Pfingstfest in Jerusalem auch gewesen sein. Die heilige Geistkraft Gottes als eine Art Schwarmintelligenz. Alle Menschen wurden erfasst von dieser Geistkraft. Und das Ergebnis war gut. Verständnis trotz unterschiedlicher Sprachen und Sprachfähigkeiten. Energie, die aus der Lähmung befreit. Begeisterung, die wie ein Lauffeuer wirkt. Und wie Wind, der die Menschen damals trägt, so wie die Luft die Vögel. Gottes Geistkraft bewegt die Menschen aber nicht ziellos hin und her, lässt sie nicht nur begeisterte Kapriolen schlagen, sondern alles hat Sinn und Verstand, lässt gute Ordnungen entstehen, führt zu einem Ziel, an dem es sich gut leben lässt. Und ermöglicht unterwegs Rast und Ruhe, so wie bei den Zugvögeln, die sich zweimal im Jahr auf den Weg machen.  

 

Musik 2 

Titel: Komm, o komm, du Geist des Lebens, Vorspiel für Orgel; Text: Heinrich Held; Melodie: Max Reger; Interpretin: Rosalinde Haas; Album: Max Reger: Sämtliche Orgelwerke Vol. 11; Label: MDG; LC: 06768


 

Autorin:

Ein volltönendes Bekenntnis der Orgel, für mich klingt es so als könne man die Strahlkraft des Geistes Gottes in den Tönen der Orgel hören. Komm, o komm, du Geist des Lebens!

Die Grundlage für alle musikalischen Bearbeitungen des heutigen Chorals war die Melodie des gregorianischen Chorals „Veni creator spiritus“, ‚Komm heiliger Geist‘. So sangen und so singen die Schwestern und Brüder in den Klöstern und Ordensgemeinschaften bis heute und überall auf der Welt. Es ist ein einziges großes, immerwährendes Gebet, diese Bitte um das Kommen des Geistes Gottes.

 

Musik 2

 

Autorin (overvoice):

Wie und warum sich einzelne Töne zu großartigen Klängen entwickeln, lässt sich natürlich durch musiktheoretische Überlegungen erklären. Aber ihre besondere Wirkung auf Menschen ist nicht steuerbar. Sie geschieht – Etwas entsteht.

 

Sprecherin:

Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war Wüste und Leere und Finsternis über dem Urwasser. Und der Geist Gottes schwebend über dem Wasser.

 

Autorin:

So lautet der erste Satz der Bibel, so beginnt die erste Schöpfungsgeschichte. Der Geist Gottes schwebt über allem. Erst dann heißt es: Gott sprach: Es werde Licht! Im Anfang war Gottes Wort. Gott sprach und rief ins Leben. Gottes Atem durchströmte und belebte. Gott rief ins Leben und ermöglichte so Lebendigkeit für Pflanzen, Tiere und Menschen.

Das hebräische Wort ‚Ruach‘ lässt sich auf vielfältige Weise ins Deutsche übersetzen. Als ‚Geist‘, ‚Hauch‘ oder ‚Atem‘.  Das Wort ‚Ruach‘ ist ursprünglich weiblich, kann aber  auch als männliches Wort benutzt werden (1). Was Gottes Geist anbelangt, waren die Menschen damals wohl noch nicht ganz so genau festgelegt, bemerke ich mit Freude.

Als ich einmal in einer Bibelarbeit auf Englisch saß, konnte ich die Energie hören und förmlich spüren, die in dem Wort ‚spirit‘ mit unterwegs war. Man hört an der Sprache, wes Geistes Kind wir sind: Aus Angst wird neuer Schwung und neue Energie, Geistesgegenwart und Geisteskraft. So wie damals beim Pfingstfest in Jerusalem. Die Jüngerinnen und Jünger waren versammelt, erst ängstlich und zurückgezogen in einem Haus, dann aber ergriff sie dieser „Spirit“:

 

Sprecherin:

Sie wurden alle erfüllt von Gottes heiliger Geistkraft und fingen an zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab. (...) Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. (…) Einige aber entsetzten sich und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

 

Autorin:

Spott konnte den Jüngern nichts anhaben, Unverständnis nicht, und auch alles Lähmende war wie weggeblasen. Und heute? Meistens ist auch mir bewusst, dass man die Geister unterscheiden muss. So wie bei diesem Choral. Denn bei jedem Hören dieses Liedes habe ich einen beschwingten tänzerischen Rhythmus im Sinn. Und bei jedem Blick in die die Noten bemerke ich den Viervierteltakt, der Ruhe und eine gute Ordnung in das Lied hineinbringt – und auch in meinen begeisterten Sinn.

 

Musik 3, 4. und 5. Registrierung

Titel: Komm, o komm, du Geist des Lebens; Text: Heinrich Held; Melodie: unbekannt, Meiningen 1693; Album: Klingendes Gesangbuch, LC-Nr.: 10551, Label: MS Classic 


 

Overvoice-Sprecherin:

Reiz uns, dass wir zu ihm treten frei mit aller Freudigkeit;

Seufz auch in uns, wenn wir beten, und vertritt uns allezeit;

So wird unsre Bitt erhört und die Zuversicht vermehrt.

 

Wird uns auch nach Troste bange, dass das Herz oft rufen muss:

„Ach mein Gott, mein Gott, wie lange?“ o, so mache den Beschluss;

Sprich der Seele tröstlich zu, und gib Mut, Geduld und Ruh.

 

Autorin:

Mein gesamtes Gefühlsleben kann ich Gottes guter und heilender Geistkraft anvertrauen. Sie wirkt dann tröstlich und belebend dadurch, dass sie meine verschwundenen aber durchaus vorhandenen Lebensgeister wieder weckt. Sie bekräftigt mein Anliegen Gott gegenüber. So wird Leben und Bleiben in der Kraft des Geistes möglich. Was brauche ich mehr?

Durch die jeweils gleichmäßig abfallende Melodielinie zum Ende einer jeden Strophe hin finde ich nicht nur inhaltlich, sondern auch musikalisch zu einer guten Ruhe. Auch wenn manche Ängste bleiben.

 

Musik 3

 

Sprecherin (overvoice):

Herr, bewahr auch unsern Glauben, dass kein Teufel, Tod noch Spott

uns denselben möge rauben. Du bist unser Schutz und Gott;

sagt das Fleisch gleich immer Nein, lass dein Wort gewisser sein.

 

Autorin:

Die größte aller Ängste ist wohl für die meisten Menschen die Angst, die mit dem Tod verbunden ist, sei es die Angst vor dem Tod selbst, oder sei es die Angst vor dem eigenen Sterben oder dem Sterben der geliebten Menschen. Das wusste auch der Textdichter dieses Chorals, Heinrich Held.

 

Musik 1 Choral 8. Strophe

 

Overvoice-Sprecherin:

Wenn wir endlich sollen sterben, so versichre uns je mehr

als des Himmelreiches Erben jener Herrlichkeit und Ehr,

die uns unser Gott erkiest und nicht auszusprechen ist.

 

Autorin:

Hoffentlich kann ich noch lange leben und dann alt und lebenssatt sterben. Dann will ich darauf vertrauen, dass Gott auch am Ende gut für mich sorgt, und ich mit diesen Klängen im Kopf meinen letzten Atemzug tue.

 

Musik 4

Titel: Komm, o komm, du Geist des Lebens; Text: Heinrich Held; Melodie: unbekannt, Meiningen 1693; Album: Klingendes Gesangbuch, LC-Nr.: 10551, Label: MS Classic 

  

 1 vgl. Gesenius, Wilhelm, Hebräisches und Aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament, Berlin, Springer 171962.

2 vgl. Kittel, Gerhard, Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, Bd. 6, hg. v. Friedrich, Gerhard, Stuttgart, Kohlhammer, S. 331.



Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth 


 

 

 

 

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