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Kirche in WDR 2 | 19.03.2021 | 05:55 Uhr

Die Wahrheit macht Euch frei

"Wer die Wahrheit tut, kommt zum Licht", hieß es letzten Sonntag im Evangelium beim Katholischen Gottesdienst.

Später im Text steht im Evangelium des Johannes auch: "Die Wahrheit wird euch frei machen" Gestern war die Stunde der Wahrheit im Erzbistum Köln, als die neue Untersuchung zur sexuellen Gewalt vorgestellt wurde. Wer wollte, konnte dies live im Internet mitverfolgen. Ich war nicht live dabei, weil ich eine Beerdigung be­gleitete, habe mir das später angeschaut – können Sie auch noch im Netz.  

Mit der Veröffentlichung ist ein quälendes Jahr hier in Köln zu Ende gegangen. Sie wissen es sicher: Schon vor einem Jahr sollte ein erstes Gutachten veröffentlicht werden. Daraus wurde nichts. Dann ein Jahr des Schreckens, ein annus horribilis, in dem Kardinal Woelki und das Kölner Erzbistums nicht aus den Schlagzeilen herauskamen. Und jetzt liegt alles auf dem Tisch:

314 Fälle sexueller Gewalt von 1975 bis 2018. Davon 239 erst ab 2010 gemeldet! Das Gutachten hat Ross und Reiter genannt. Kardinal Woelki hat sofort den obersten Kirchenrichter, den Offizial Prälat Assenmacher und den ehemaligen Generalvikar Schwaderlapp, bis jetzt Weihbischof, von ihren Aufgaben entbunden.

Der Kardinal gestern morgen: „Nichts geahnt, das ist aber heute nicht mehr denkbar. Auch meine Vorgänger haben sich schuldig gemacht.“ Bestürzt war Woelki darüber, dass die Taten von Laien viel intensiver verfolgt wurden, als die von Priestern.

Wie fühlt sich das jetzt an. Ist die Luft rein, der Himmel klar? Die Wahrheit macht frei, tut aber auch weh.

Für die Betroffenen wird der gestrige Tag hoffentlich ein Weg sein, sich ein wenig freier zu machen von dem, was sie damals erlitten haben. Für meine Kirche hoffe ich, dass wir etwas aus der Sippenhaft frei kommen, in die uns die Täterinnen und Täter gestürzt haben. Für die Gläubigen und für meinen Dienst als Priester hoffe ich, dass uns dieser Schritt Mut macht, die Dinge anzugehen, die Jesus uns aufgetragen hat: Gott zu loben und bei den Armen zu sein, bei denen am Rand. Wann – wenn nicht in dieser Zeit? Es braucht an allen Enden Trost, Hoffnung, Wärme, Nächstenliebe, Solidarität. Das sind die Wahrheiten der Lehre Jesu. Wenn wir diese tun, kommen wir ins Licht – wie es im Evangelium am Sonntag hieß.

Ein Gedanke ist mir zum Schluss wichtig. Verzeihen heißt noch nicht Versöhnung! Verzeihen kann nur ein einzelner Mensch einem andern; also ihm die Schuld vergeben. Das kann ja keiner selbst, obwohl wir oft sagen: "Ich entschuldige mich". Logisch ist das ja Quatsch, ich kann nur bitten: Bitte verzeih mir. Dann kommt vielleicht: Ja, Schwamm drüber. Das aber ist auch noch nicht Versöhnung. Versöhnung ist ein langer Prozess, wie Sonnenschein nach Stark­regen. Dafür muss Vertrauen langsam nachwachsen, ganz langsam.

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