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Kirche in WDR 5 | 23.03.2021 | 06:55 Uhr

Leben ohne Rezept

Guten Morgen.

 

heute Abend gibt es bei uns Chili.

 

Wir lieben Chili. Die meisten kennen die Chilischote. Das Chili als Gericht ist mehr – viele kennen Chili con carne, es geht aber auch wunderbar ohne Fleisch.

 

Wenn ich manchmal Gästen Chili serviere, fragt irgendjemand nach dem Rezept. Und ich habe ein kleines Problem. Denn ich habe keins. Rezepte sind für mich die Zettel, die man zur Apotheke bringt. Aber ich bin ja nicht krank, sondern ich koche. Und zwar gerne frei. Gerade Chili. Ich finde, wenn man nach Rezept kocht, schmeckt es oft gleich. Wenn ich aber frei und mit frischen Zutaten koche, kann ich Überraschungen erleben – in der Küche und am Esstisch…

Vielleicht habe ich das von meiner Schwiegermutter auf Barbados abgeguckt. In ihrer Küche kocht sie nicht, sie zaubert. Aus einfachen Dingen macht sie viel. Und wenn man nach einem Rezept fragt, sagt sie es einem bereitwillig. Doch wehe man fragt ein zweites Mal. Dann merkt man, alles ist etwas anders. Was sie da tut, kann sie kaum in Worte und erstrecht nicht in Gewichtsangaben und Minuten fassen. Sie spürt es. Es ist ein Teil von ihr. Und so entsteht Kokosnussbrot, fliegender Fisch oder Conkie – ein Maismehlkloß der in zuvor angeflämmten Bananenblättern gedünstet wird.

 

Ich frage mich ja: Was, wenn es mir gelingt, öfter rezeptfrei zu leben? Wenn es mir gelingt, nicht einfach vorgegebenen Bahnen zu folgen, sondern wenn ich einfach der Seele vertraue. Auf sie höre. Und auf die Stimme meines Schöpfers. Das ist doch kostbarer als Einheitsbrei und das zu machen, was „man“ so macht.

 

Ich merke: Viel zu oft mache ich das Leben fest am Unwesentlichen, an Meinungen von Menschen, die ich kaum kenne. Ich suche Sicherheit in vorgegebenen Rezepten. Nachfragen – das ist unbequemer und so dringe ich gar nicht mehr zum Eigentlichen vor. Zum Geheimnisvollen, zum Heiligen des Lebens, das sich nicht so rasch greifen lässt.

 

Warum wage ich es viel zu selten, das große Bild, die Zusammenhänge zu betrachten – mit Gottes Augen zu sehen. Und aus dem Kleinkarierten herauszutreten? Die Augen zu schließen und nach oben zu schauen? Warum wage ich viel zu selten, Halt zu suchen über mich und meine Lieben hinaus – bei Gott?

 

In einem meiner Lieblingslieder aus der Bibel, dem Psalm 34, hat David – Hirte, Musiker und König – geschrieben: „Schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist. Wohl dem, der auf ihn traut!“ (Psalm 34,9) – Gott, ich möchte deine Freundlichkeit schmecken. Es wagen, die Allgemeinplätze und Rezepte ab und an hinter mir zu lassen. Und Leben aus erster Hand zu leben. Zu vertrauen, dass du es gut meinst mit mir. Ganz ehrlich: Ich weiß, ich habe mein Leben letztendlich nicht in der Hand. Aber voller kindlichem Vertrauen, will ich dir die Hand reichen heute und mich überraschen lassen von dir.

 

Vielleicht ist das das Rezept für ein erfülltes Leben? Öfter und überzeugter ohne Kleinkleinrezept leben! Und Gott gestatten, dass er die ein oder andere Überraschung für mich hat. Denn eines wird mir zunehmend offenbarer: Er sorgt für mich!

 

In diesem Sinne Amen und guten Appetit aus Alpen,

Patrick Depuhl.

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

 

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