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Kirche in WDR 3 | 22.01.2020 | 07:50 Uhr

Leben wir in einer Welt von Scheinriesen?

 

Guten Morgen!

Wie mir das auf die Nerven geht: Da plustert sich ein Kollege wieder so dermaßen auf, als sei er der Macher schlechthin. Hauptsache er hat recht, Hauptsache er kommt voran, Hauptsache es geht ihm gut. Ich kann es nicht mehr haben. Und auch sonst: Kein Blinker setzen beim Überholen, keine Entschuldigung beim Rempeln in der Straßenbahn, keine Rücksicht an der Supermarktkasse. Immer nur dicke Hose.

Wer Macht haben will, der plustert sich auf. Das betrifft nicht nur die Politiker dieser Welt, das begegnet einem alltäglich. Dabei habe ich oft festgestellt, dass solche Typen in Wirklichkeit gar nicht so groß sind, sondern eher klein. Ihr Getue ist oft nur Abwehrhaltung oder Schutzbehauptung. Und je näher ich solche Typen kennenlerne, umso weniger bedrohlich sind sie. Eben ein „Otto-Normal-Verbraucher“ mit Stärken und Schwächen, wie sie jeder Mensch hat.

Nur – manche Menschen möchten größer wirken als sie sind.

So ist es auch in einer Geschichte von Michael Ende aus dem Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Da gibt es den Scheinriesen Herr Tur Tur.

Je weiter man sich von ihm entfernt, umso größer erscheint er. Und umgekehrt: Je näher man auf ihn zugeht, umso kleiner wird er. Herr Tur Tur ist eben ein Scheinriese. Er wirkt nur groß.

Dieses Phänomen finde ich auch in der Bibel. Da stehen sich zwei ungleiche Gestalten beim Kampf gegenüber: David und Goliath. Hier der kleine David und dort der Riese Goliath. David zurückhaltend und Goliath spottend über den Zwerg. Man könnte meinen, David ist übergeschnappt. Woher nimmt er eigentlich den Mut zum Kampf? Vielleicht aber kam das Selbstbewusstsein Davids daher, dass er sich dachte: „Große Klappe – nichts dahinter!“

Sei es die Geschichte über Herrn Tur Tur oder die Bibelgeschichte. Beide stehen nach meinem Verständnis für die Auseinandersetzung gegen symbolische Riesen.

Und so ist es doch auch oft im echten Leben: Etwas, das ich nicht kenne, scheint groß und macht mir Angst. Doch wenn ich es näher kennenlerne, merke ich: Alles halb so wild!

Das können eben Menschen sein, mit denen ich zunächst nicht klar komme. Oder von denen ich den Eindruck habe, dass ich an deren Wissen und Können nicht im Entferntesten herankomme.

Das ist der Nachbar, der immer scharf beobachtet, was ich tue. Mich schon mit seinem Blick korrigieren will. Die Arbeitskollegin, die mich mal wieder verbessern muss und damit meine Befürchtung steigt, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein.

Vielleicht ist Goliath ja auch ein Bildnis für so manche Aufgabe, vor der ich heute stehe. Eine seit längerem verschobene Aufgabe im Beruf. Ein klärendes Gespräch mit Freunden, die ich beim letzten Treffen genervt habe. Ein seit Monaten aufgeschobener Arztbesuch. Also alltägliche Dinge, vor denen ich Angst habe, weil sie so groß erscheinen.

Mein Tipp: Diesen Riesen bei der Arbeit, im täglichen Leben oder bei Ängsten mit Respekt begegnen.

Und ein zweiter Tipp aus dem Mund von David: Ich will auf Gott vertrauen. Ich will in seinem Namen den Riesen bekämpfen.


Aus Selm-Cappenberg grüßt Sie

Hans Ulrich Nordhaus

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