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Kirche in WDR 3 | 18.11.2020 | 07:50 Uhr

Liebe, die keinen Unterschied macht

Guten Morgen.

Der heutige Mittwoch ist kein x-beliebiger Wochentag. In der Tradition der evangelischen Christen ist heute Buß- und Bettag. Jahrzehntelang war er bundesweit ein gesetzlicher Feiertag. Die Evangelischen sollten ein Gespür dafür behalten, dass der Glaube an Jesus Christus sie nicht automatisch zu besseren Menschen macht. Auch sie tragen das Ihre dazu bei, dass die „Welt im Argen liegt“.

Mit den Worten der Bibel ausgedrückt, geht es darum sich auf Gott zu besinnen, der einst gesagt hatte: „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben.“ Das alte, so oft belächelte Wort „Sünde“, scheint doch eine durchaus einleuchtende Bedeutung zu haben. Sünde ist das Ungerechte in der Welt, in einem Volk. Wo es ungerecht zugeht, wo das Unrecht um sich greift, liegt die Welt im Argen.

Der Buß- und Bettag erinnert daran, dass Christen sich auf Gottes Willen besinnen sollen. 'Umkehren zu Gott' ist mit Buße gemeint. Im Vertrauen auf Gott, der jeden Menschen bedingungslos und ohne Unterschiede liebt, wird ein Mensch zu einem neuen Menschen. Und wie das Leben eines solchen „neuen Menschen“ aussieht, das hat Jesus Christus vorgelebt. (#wieleben)

 

Das Böse, die Sünde bereuen, umkehren zu Gott immer wieder– das ist ein Prozess. Denn wir sind ja nicht Jesus. Martin Luther vergleicht das mit dem Prozess, wenn sich eine Schlange häutet; Die streift sich ihre alte Haut ab, wenn sie eine neue zum Leben braucht. So wird sie neu. Und genau so – meint Martin Luther –

 

Sprecherin: „muss der Mensch auch in das Evangelium und in Gottes Wort sich begeben und getrost folgen seiner Zusage; es wird nicht trügen. So zieht er seine alte Haut ab, lässt draußen sein Licht, sein Dunkel, seinen Willen, seine Liebe, seine Lust, sein Reden, sein Wirken. Und wird also ein ganz anderer, neuer Mensch, der alles anders sieht als vorhin, anders richtet, anders urteilt, anders denkt, anders will, anders redet, anders liebt, anders lüstet, anders wirkt und fährt als vorhin!“ (Martin Luther) (1)

 

So verwandelt sind die Menschen in der Lage, Jesus Christus nachzufolgen. In Liebe zu handeln. Sie sind in der Lage, Grenzen einzureißen. Sie urteilen nicht danach, wo einer herkommt und welche Hautfarbe eine hat oder welche Religion. Sie urteilen nicht nach politischer Einstellung oder sexueller Orientierung. Ich nehme staunend und dankbar zur Kenntnis, wie Navid Kermani, ein schiitischer Muslim, gefragter Schriftsteller und Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels uns Christen an den Schatz der Liebe erinnert. Er schreibt in seinem Buch “Ungläubiges Staunen“:

Sprecherin: „Wenn ich etwas am Christentum bewundere,.… dann ist es … die spezifisch christliche Liebe, insofern sie sich nicht nur auf den Nächsten bezieht. In anderen Religionen wird ebenfalls geliebt, es wird zur Barmherzigkeit, zur Nachsicht, zur Mildtätigkeit angehalten. Aber die Liebe, die ich bei vielen Christen ... wahrnehme …, geht über das Maß hinaus, auf dass ein Mensch auch ohne Gott kommen könnte: Ihre Liebe macht keinen Unterschied.“ (2)

 

Autor: Liebe – grenzenlos. Nicht zu verwechseln mit Beliebigkeit oder mangelnder Klarheit und fehlenden Grenzen. Die Liebe, die keinen Unterschied macht unter Menschen, die kann uns heilen. Die kann die Gesellschaft heilen. Diese Liebe braucht eine Stärke, die nicht allein aus mir selbst kommen kann. Gott mag sie mir schenken. Dazu wende ich mich um, wende ich mich an ihn: Hilf mir dazu. Das ist der Sinn von Buß- und Bettag.

 

Es verabschiedet sich Pfarrer Rüdiger Schnurr aus Siegen.

 

 

(1) zitiert nach: http://www.selk-marburg.de/spiritualitaet.html

 

(2) Navid Kermani, Ungläubiges Staunen. Über das Christentum. 9. Auflage. Beck, München 2016, S. 169.

 

 

Mehr Informationen zu einem guten Leben mit und in Krisen:

ARD-Themenwoche: #wieleben
https://www.rbb-online.de/themenwoche/

 

 

Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze

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