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Kirche in WDR 5 | 09.01.2020 | 06:55 Uhr

Liebe über Konfessionsgrenzen


Auf einem Friedhof in der holländischen Grenzstadt Roermond können Sie noch heute einen der eindrücklichsten Liebesbeweise sehen, der mir zumindest bekannt ist. Sie müssen am Alten Friedhof nur die beiden Grabmale suchen, die sich über eine Mauer hinweg umarmen. Und die Geschichte hinter dem berührenden Grabmal ist diese: Vor mehr als hundertfünfzig Jahren versah im durch und durch katholischen Roermond ein streng reformierter Besatzungsoffizier seinen Dienst. Er stammte aus dem Norden Hollands. Als ein neuer Friedhof angelegt werden musste, sollten hohe Mauern die evangelischen und katholischen Grabfelder trennen. Kein Toter könnte die Friedhofsmauer überklettern. Auch die Lebenden waren geschützt. Der Protestant ging zu den Gräbern seiner Familie, ohne einem Katholiken zu begegnen.

In der aufgeheizten Stimmung zwischen den Konfessionen tat jener Oberst van Gorkum das, was sein König erwartete. Wie nun das Schicksal es wollte, traf er aber das junge Freifräulein van Afferden. Sie war hoch und schlank gewachsen. Ihre Gesichtszüge waren zart gezeichnet. Als Adlige hatte sie sich gebildet und eignete sich vorzüglich als Offiziersgattin. Nur einen Fehler hatte sie, sie war katholisch. Die schöne Katholikin und der strenge Protestant verliebten sich. Liebe hatten die beiden Konfessionen in ihren Gesetzen übersehen. Die heimlich Verliebten wussten nur eines: Ihre Liebe zu ignorieren wäre der größte Fehler ihres Lebens gewesen. Nach langem Suchen gaben sie sich in einer Dorfkirche ihr Jawort. Ihr Versprechen hielt bis zum Tod und weit darüber hinaus. Sollte der Oberst sterben, gehörte er nach dem Gesetz auf den protestantischen Friedhof. Dorthin würde ihm seine Witwe nie folgen dürfen. Als Katholikin würde sie nach ihrem Tod auf dem katholischen Friedhof beerdigt. Doch das Ehepaar hatte vorgesorgt. Die beiden Liebenden reservierten sich zwei Gräber, die jeweils direkt an der Mauer zwischen katholischem und evangelischem Kirchhof lagen. Der Oberst seiner niederländischen Majestät starb und wurde beerdigt. Mit dem Kopf bettete man den Leichnam unmittelbar an die Mauer des Friedhofs. Acht Jahre später folgte ihm seine Gattin. Wie verabredet ruht sie genau auf der anderen Seite im katholischen Teil, also Kopf an Kopf mit ihrem Gatten. Die van Gorkums fanden einen weiteren Weg, um im Tod beieinander zu bleiben. Ihre Grabsteine wurden zum Symbol. Oberhalb der Mauer ragen aus den Grabsteinen zwei Arme heraus und umklammern sich fest. Der steinerne Händedruck baut die Brücke der Liebe über die Konfessionsgrenze hinweg. So übergeht das Ehepaar das Kirchengesetz. Frau und Mann retteten ihre Liebe in die Ewigkeit. Aus zwei Grabmälern wurde eins.

 Wen der Tod nicht trennt, den trennen auch die Kirchen nicht, selbst wenn sie noch so hohe Mauern bauen.

Als katholischer Pfarrer habe ich in den vielen Jahren meines Dienstes immer wieder erfahren, wie die Trennung der Konfessionen eine Ehe herausfordern konnte. Ich bin froh, dass sich die strengen Ehegesetze der Kirche gelockert haben. Liebe lässt sich eben nicht verbieten. Und Liebe ist das einzige Mittel, um die hohen Mauern zwischen den Kirchen endgültig abzureißen.

Einen liebevollen Tag wünscht Ihnen Albert Damblon aus Mönchengladbach

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