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Hörmal | 27.10.2019 | 07:45 Uhr

Mit Fragen Leben

„Man muss lernen, mit Fragen zu leben – mehr als mit Antworten.“ Schwester Johanna hatte sich gut überlegt, wann sie uns diesen Satz mit auf den Weg gibt. Das war nämlich direkt am Anfang der Besinnungstage von meiner Klostergemeinschaft. Wir Patres ziehen uns jedes Jahr für eine Woche in ein anderes Kloster zurück und machen so etwas wie spirituelle Inventur: ganz persönlich, aber auch als Gemeinschaft. Und dieses Jahr haben wir mit Schwester Johanna zum ersten Mal eine Ordensfrau eingeladen, unsere Exerzitienmeisterin zu sein.

Sie hat lange selbst ein Kloster geleitet, die Benediktinerinnen von Köln-Raderberg und das macht Sr. Johanna lebensweise wie klug. Und so hatte es ihr Satz auch in sich: „Man muss lernen, mit Fragen zu leben – mehr als mit Antworten.“

Natürlich hat sie damit nicht so banale Fragen gemeint wie: „Was ziehe ich an?“ Oder: „Was esse ich heute?“ Es geht dabei schon um tiefere Fragen: „Was ist für mich wichtig im Leben?“ „Auf wen verlasse ich mich?“ „Kann ich mich überhaupt auf mich selbst verlassen?“ „Was glaube ich?“ „Was bedeutet mir mein Gegenüber?“ Das sind schon schwierige Fragen!

Schwester Johanna hat uns gesagt: „Fangen Sie einfach einmal mit der ersten Frage in der Bibel an und gehen Sie der einmal nach.“ Peinlich genug, dass uns Patres diese Frage nicht sofort eingefallen ist – sind wir doch alles ausgebildete Theologen. Aber ok. Die allererste Frage in der Bibel steht nämlich in der Sündenfallgeschichte, also bei Adam und Eva. Und es ist ausgerechnet die Schlange, die sie stellt (Gen 3,1b): „Hat Gott wirklich gesagt: Ihr dürft von keinem Baum des Gartens essen?“

Das Heimtückische der Frage ist nicht so sehr die maßlose Übertreibung: „Ihr dürft von keinem Baum essen.“ – Im Zeitalter von Fake-News kennt man ja solche fragwürdigen Übertreibungen, um sich durchzusetzen. – Nein, das Heimtückische der Frage ist das Misstrauen, das die Schlange schürt: „Hat Gott das wirklich gesagt?“ Denn dahinter steckt der Zweifel, ob es Gott überhaupt gibt.

Und genau hier wird es spannend im Sinne von Schwester Johannas Gedanken. Ich muss lernen, mit den Fragen zu leben: „Gibt es Gott?“ „Hat er wirklich gesprochen?“ „Und verstehe ich, was er sagt, wenn er etwas sagt?“

Ich persönlich bin ja sehr skeptisch, wenn mir jemand begegnet und mir eröffnet: „Ja, ja, das hat Gott mir so und so gesagt!“ Denn zu viel ist doch schon verbrochen worden, weil jemand genau das gesagt hat: „Gott will es so!“ Ich denke da an den Aufruf zum ersten Kreuzzug, wo die Menschen genau das so sagten: „Gott will es!“

Aber wie wäre es dagegen, mit der Frage nach Gott zu leben? Nicht um heimtückisch Misstrauen zu schüren, sondern um hellhöriger zu werden, hellhöriger auf das, was sich in meinem Leben tut, hellhöriger gegen jede Art der Übertreibungen und Fake-News. Und: Könnte nicht doch noch irgendwo Gott hinter all dem stecken, was mir widerfährt? Könnte er nicht doch eine Rolle spielen wollen in meinem Leben?

Wie gesagt: „Man muss lernen mit Fragen zu leben – mehr als mit Antworten.“ Und ich würde ergänzen: Die Antworten stellen sich – wenn überhaupt – dann erst ein, wenn ich bereit bin, mit den Fragen zu leben.

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