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Kirche in WDR 2 | 23.10.2019 | 05:55 Uhr

Lucky ist weg

Lucky ist weg. Einfach weggelaufen. Vor knapp einer Woche. So steht es auf dem Plakat, das jemand überall im Viertel aufgehängt hat. Din A5 groß. Selbstgeschrieben und kopiert. Und mit dem Foto einer kleinen Katze beklebt. Sehr aufwändig. Und es gibt sogar eine Belohnung: 100 Euro bekommt der, der ihn zurückbringt. Lucky wird geliebt. Offensichtlich. Und wohl sehr vermisst. Da ist kein Geldbetrag zu hoch und kein Aufwand zu groß. Hauptsache, Lucky kommt zurück.

In unserem Viertel gibt es eine junge Mutter. Drei Kinder hat sie. Der Vater ist von heute auf morgen einfach abgehauen. Keine Lust auf Verantwortung. Da sind Drogen im Spiel, erzählen sich die Leute. Jetzt schlägt sich die Mutter mit ihren Kindern alleine durch. Irgendwie. Unterstützung bekommt sie vom Jugendamt. Ab und an kommt jemand vorbei und sieht nach dem Rechten. Das Geld kommt vom Amt. Wenig genug. Zum Überleben reicht‘s. Grade so. Was das alles kostet! Sagen die Leute. Alles von unseren Steuern! Von unserem Geld. Warum müssen wir uns überhaupt um solche Leute kümmern? Die sind doch selber schuld! Sagen die Leute. Neulich ist die kleine Familie weggezogen. Wohin? Keiner weiß es. Keiner fragt. Offensichtlich ist es einfach egal.

Nicht nur Katzen, auch Menschen können verloren gehen. Sie sind Nachbarn, Vereinskameraden. Kollegen. Man war in der gleichen Schulklasse oder kennt sich vom Brötchenholen morgens beim Bäcker. Aber dann biegen sie an irgendeiner Kreuzung ihres Lebensweges falsch ab. Oder ein Schicksalsschlag wirft sie aus der Bahn. Vielleicht sind sie auch einfach überfordert mit Lebensentscheidungen, die anderen total leicht fallen. Sie sitzen einsam in ihrer Wohnung. Übernachten unter einer Brücke. Setzen sich eine Spritze in einer versteckten Ecke im Park. Menschen können verloren gehen. Wer hängt eigentlich für sie ein Plakat auf? Wer setzt eine Belohnung aus, um sie zurückzubekommen?

Jesus erzählt einmal eine Geschichte. Von einem Schäfer und 100 Schafen. Er erzählt: Der Schäfer lässt 99 Schafe zurück, um nach einem einzelnen Schaf zu suchen, das verloren gegangen ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Jesus das nicht nur als nette Geschichte gemeint hat. Da steckt eine Frage dahinter: Wie geht Ihr eigentlich um mit denen, die euch verloren gehen? Was antwortet man da? Lucky ist mittlerweile wieder zu Hause. Eine Gemeinschaftsaktion des ganzen Viertels war das. Alle haben mitgemacht und gesucht. Und alle freuen sich. Aber die junge Familie ist immer noch weg. Keiner sucht. Katze müsste man sein.

 

Redaktion: Manfred Rütten

 

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