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Kirche in WDR 2 | 05.04.2019 | 05:55 Uhr

Erfüllung ist leer

Erfüllung ist leer

Seit vier Wochen hängt in unserer Kirche ein Tuch vor dem großen Kreuz hinter dem Altar, ein Fastentuch, drei Meter breit und fünf Meter lang. Es ist aus einem Fischernetz gefertigt. Das Kreuz ist also bis Ostern verhüllt.

Und das jecke ist: Dadurch aber ist das Kreuz mehr präsent als sonst! Unsere Wahrnehmung ist geschärfter, wenn wir etwas nicht sehen. Das kennen Sie vom Verhüllungskünstler Christo. Aber: In der Kirche ist die Tradition über tausend Jahre alt. Das Tuch wird auch Hungertuch genannt; es hängt ja in der Zeit des Fastens vor Ostern.

Warum macht es Sinn, Verzicht zu üben in der Fastenzeit? Das Hungertuch zeigt es doch: Es ist gut, Gewohntes zu unterbrechen. Es ist gut, den Blick durch Veränderung zu schärfen.

In der evangelischen Kirche gibt es seit einigen Jahren die Aktion "Sieben Wochen ohne". Das meint nicht nur den Verzicht auf Alkohol, Süßigkeiten oder Rauchen in der Fastenzeit. Es gibt jedes Jahr ein neues Thema, dieses Jahr ist es "Sieben Wochen ohne Lügen". Also die Aufforderung, es mit der Wahrheit zu versuchen. Gar nicht so einfach: Soll ich auf Notlügen verzichten? Ist ein bisschen Flunkern noch erlaubt? Geht das überhaupt, immer die Wahrheit zu sagen?

Ich denke nein. Ein Beispiel von mir. Eine meiner Schwestern hatte ein Kind geboren. Ich dachte: Ein solch hässliches Baby habe ich noch nie gesehen! Natürlich habe ich das nicht gesagt, sondern fand die Kleine auch einfach süß! Was ja auch stimmt, denn schon bald sah das Baby einfach proper aus!

Verhüllung meint Betonung, Verzichten bedeutet, den Wert zu erkennen. Was für das Hungertuch und das Fasten gilt, entfaltet sich auch in Zeit und Raum.

Wenn ein Raum leer ist, wird seine Ausdehnung und Anmutung spürbar.

Die Kirchen stehen voller Bänke oder Stühle, Reihe an Reihe. Das ist manchmal schade. Denn ob Sie es glauben oder nicht: Kirchen wurden meist nicht gebaut, dass man da gemütlich sitzt wie im Kino: ein Kirchenbau will mit der Leeren Weite eigentlich etwas aussagen darüber, wie die Wirklichkeit auch anders zu sehen ist – unverbaut. Wird das Mobiliar einmal weggeräumt, wie vor Jahren im Kölner Dom, dann füllt sich der Kirchenraum in anderer Weise. Im Kölner Dom habe ich die Weite und die Höhe der Kathedrale neu erfahren.

Was die Leere für den Raum ist, ist die Stille für die Zeit.

Der Benediktinermönch Anseim Grün schreibt "Auf dem Grund unserer Seele finden wir Gott in der Stille". Von Herzen wünsche ich Ihnen vor Ostern Zeiten der gefüllten Stille.

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