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Kirche in WDR 5 | 24.12.2020 | 06:55 Uhr

Maria + Kind

Sie nervt mich. Ich hab mich an sie gewöhnt – aber, ganz ehrlich: In ihrer Perfektion nervt sie mich als Familienvater: Komplett eingehüllt mit Kopftuch und bodenlangem Gewand in persil-weiß und baby-blau. Milde lächelt sie auf ihren Säugling herab. So sieht Maria aus in dem Krippenensemble, das ich gleich noch aus dem Keller hole.

Ich bin mir ja nicht ganz sicher wie Geburten damals in Bethlehem abgelaufen sind, aber so makellos wie bei Maria sah das bei unseren Kindern bei aller Liebe nicht aus. Natürlich: Auf den Geburtsanzeigen sieht das in Zeiten von Instagram-Filtern dann wieder ganz anders aus. Aber: Maria wirkt mir da an der Krippe doch etwas zu souverän. Zu sehr Gottesmutter, zu wenig Mensch. Zu viel „Himmelskönigin“ – wie wir Katholiken sie besingen.

Schließlich war Maria ja doch Mensch, so ganz und gar Mensch und hat auch einen Menschen zur Welt gebracht, ein echtes Baby, das auch vor 2020 Jahren vermutlich Hunger hatte und schrie und dann Bauchkrämpfe und schrie und darüber hinaus eine echte Abneigung gegen kaltes Wasser beim Waschen. Von daher hätte sie ruhig auch mal erschöpft, genervt oder trübselig aussehen können, auf den zahllosen Bildern und Skulpturen, die es gibt. Selten hat sie da mal die Beherrschung verloren wie auf dem Gemälde „Die Jungfrau züchtigt das Jesuskind vor drei Zeugen“. Das Bild von Max Ernst gehört heute zur Sammlung des Museum Ludwig in Köln und sorgte 1926 bei seiner ersten Ausstellung auch prompt für kirchliche Beschwerden. Als ob die Vorstellung, dass Maria auch erzieherisch ausrasten konnte, ihr etwas von ihrer Heiligkeit nehmen würde.

Dass man Maria schon frühzeitig auf einen Thron hebt, das war schon Jesus suspekt. So steht es jedenfalls im Lukasevangelium (Lk 11,27). Da ruft bei irgendeiner seiner Predigten eine Frau aus der Menge: „Selig der Schoß, der dich getragen, und die Brust, die dich gestillt hat.“ Jesus daraufhin leicht abwehrend: „Naja, selig sind doch vielmehr die, die das Wort Gottes hören und befolgen.“ Soll heißen: Macht hier mal nicht so einen Personenkult um meine Mutter als die, die mich hervorgebracht hatte, wichtig ist doch vielmehr das, was sie und jeder andere im Sinne Gottes tut. Ich jedenfalls lese die Passage so, dass zumindest der Evangelist, der Jesus das in den Mund legt, schon gespürt hat, wie Maria entrückt wird im Vergleich zu den anderen Müttern dieser Welt. Als ob das ihre wichtigste Leistung war. Oder kennt man die Mütter von Albert Schweitzer, Mahatma Gandhi oder Martin Luther King? Eben.

Ich zumindest vermisse das Normale an Maria, dass sie auch mal vom Kind genervt war, dass sie es aber auch geschmust und mit ihm gespielt hat. Stattdessen immer nur das Kind auf dem Arm oder dem Schoß, milde lächelnd. Der Pop-Art-Künstler Andy Warhol hat sich diese Bilder auch mal vorgenommen, hat Fotos von ganz normalen Frauen mit ihren Kindern gemacht, manchmal stillten diese sogar gerade. Eigentlich ganz normal und doch alle in der gleichen Pose wie die üblichen Mariendarstellungen. Das hat er nicht verändert. Weil es eben wirkt. Und weil es jeder so kennt. Die Madonna mit dem Kind ist eben ein unverwechselbarer Erfolg. Vielleicht ist es gerade diese seltsam abwesende Zweisamkeit der beiden, die das ganze Geheimnis von Mutter und Kind am besten zeigt, von dieser ursprünglichsten Gemeinschaft. Ein Bild, das irgendwie alle anderen vorstellbaren Bilder von Mutter und Kind in sich trägt. Und deswegen stelle ich die Maria so, wie sie ist, auch jedes Jahr wieder hin: milde lächelnd, in bodenlangem Gewand und mit perfekt gelegtem Kopftuch. Vielleicht hätte sie es auch so gewollt.

Einen friedvollen Heiligen Abend wünscht Ihnen Christoph Buysch aus Krefeld.

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