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Kirche in WDR 3 | 10.11.2020 | 07:50 Uhr

Mauern, die durchlässig werden

Guten Morgen!

Das Westfernsehen hatte als erstes die Eilmeldung gebracht: „Die DDR hat ihre Grenzen ab sofort für jedermann geöffnet. Die Tore in der Mauer stehen weit offen.“ Und so kam es noch in der Nacht zum Ansturm von zig Tausenden, die einfach „rüber“ wollten. Die Grenzsoldaten mussten schließlich vor den Massen kapitulierten. Der Weg war frei.

Lange ist es her, heute vor 31 Jahren. Ich höre noch, wie tief bewegt meine Berliner Freunde waren. Die Rede war von Menschen aus Ost und West, die lachten und sich umarmten, begeistert über die neue Freiheit, neugierig auf das jeweils andere Deutschland, voller Idealismus und Zukunftsoptimismus. Eine neue Welt, die sich da auftat, und alle glaubten und hofften, dass es eine bessere sein würde.

Doch die Euphorie ist längst verflogen. Wie optimistisch klang damals die Verheißung, dass nun zusammenwachse, was zusammengehört! Und wie schwierig ist es, wenn auch 30 Jahre danach die ungleichen Lebensverhältnisse andauern, unterschiedliche Lebenserfahrungen nicht gewürdigt werden und Sehnsucht in Enttäuschung umschlägt, in Frustration und Resignation, auch in Hass und Gewalt. Da braucht es die Kraft der Erinnerung. Nicht aus Nostalgie, sondern um anzuknüpfen an jenen Geist des Aufbruchs, den Mut zur Veränderung, an den Willen zur Zukunft. Inspirationen, die Wege aufzeigen, wo wir an Grenzen stoßen, Mut zum Träumen, wo Mauern zwischen uns stehen und uns trennen.

„Visions in Motion“ - Visionen, die bewegen, so hieß denn auch das Motto der Kunstinstallation zum 30. Jahrestag der Maueröffnung, die ich in Berlin selbst gesehen habe: Ein riesiger Teppich aus hunderttausend bunten Bändern schwebte vor dem Brandenburger Tor über den Köpfen der Menschen, die dort flanierten. Auf 30.000 dieser Bänder haben Menschen aus Ost und West kleine Botschaften geschrieben: Was sie bedrückt. Was sie erhoffen. Worum sie sich mühen. „Baut keine Mauern“ steht auf einem Zettel; auf einem anderen: „für eine geeinte Welt“ - und „Strebt nach Frieden und Gerechtigkeit“. Auf einem Spruchband fanden sich die Worte einer Mutter, die ihren Sohn verloren hatte: „Wo bist du?“

Was für ein neuer Himmel über Berlin! Ein Meer von Träumen, Anliegen, Gebeten … - und aus der Erinnerung erwächst Kraft zum Leben. Als ich diesen von vielen Sehnsüchten gewobenen himmlischen Gebetsteppich sah, kamen mir spontan Worte aus der Bibel in den Sinn: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“ - Eine Frage, auf die sich der Beter gleich selbst die Antwort gibt: „Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Er lässt deinen Fuß nicht wanken, Er, der dich behütet, schläft nicht“ (Ps 121).

Das etwa wären die Worte, die ich auch heute in den Himmel schreiben würde; und ich denke daran, wie oft ich erfahren habe, dass Gott mir in meinem Leben Türen geöffnet und Wege geebnet hat. Wo ich in Sorge war um einen lieben Menschen, und dann erleben durfte, wie das Schicksal eine ungeahnte Wendung nahm ... Das enthebt mich nicht der Mühe und verlangt oft Geduld. Aber es ist mein Weg unter Gottes Himmel, und ich bin gewiss: er wartet nicht nur am Ende; er geht jeden Weg mit, und nicht nur mit mir, und auch nicht nur an diesem denkwürdigen Tag.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund. Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

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