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Kirche in WDR 2 | 20.07.2020 | 05:55 Uhr

Meckerziegen

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende schon wieder vorbei. Und jeder von uns verlässt wieder sein Bett und sein Haus und geht nach draußen und trifft auf andere Menschen.

Und diese Begegnungen sind nicht immer cool. Neulich springe ich morgens in meine Laufklamotten, steige aufs Rad, greife nach der Leine mit meinem Hund und mach mich auf runter zum Rheinufer. Da gibt’s nen schmalen Radweg, und ich fahre da so, der Hund läuft an der Leine nebenher, und ich bin auf der Suche nach nem Platz, um das Rad abzustellen.

Da überholt mich ein anderer Radfahrer. Und als er gerade vorbei ist ruft er ziemlich entrüstet: „Der arme Kerl!“ Ich stutze und bin einen Augenblick verwirrt. Ob der Typ gedacht hat ich zerre den Hund hinter mir her, wie ne Blechbüchse an nem Kinderfahrrad? Ich hätte ihm gern erklärt, dass der Kerl eine Greta ist, dass man Fahrradfahren mit dem Hund üben kann, dass Greta gerne neben dem Rad läuft, dass er – wenn er hingeguckt hätte – das auch gesehen hätte: einen entspannten Hund an einer durchhängenden Leine. Aber nein, ist ja viel einfacher: Nen Kommentar absondern und dann einfach abhauen! Das hab ich gern.

So bleibt mir nur ihm hinterherzurufen: „Du bist selbst ein armer Kerl!“ Und in dem Moment, wo ich das sage weiß ich, ja, das klingt ziemlich hilflos.

Aber: Nach einem solchen Erlebnis bekomme ich immer gewisse Sympathien für Misanthropen. Und ich frage mich: Ist es eigentlich erlaubt, Menschen aus tiefstem Herzen doof zu finden? Zum Beispiel Menschen mit schlecht sitzenden Funktionskniebundhosen auf Fahrrädern mit nem Rückspiegel. Oder die, die auf dem Markt immer wie aus der Pistole geschossen „Ich!“ schreien, wenn der Obstverkäufer in die unübersichtliche Runde fragt, wer als nächster dran ist – obwohl „Ich!“ gar nicht dran ist sondern ich. Oder die, quer über den Platz rufen: „Aber den Haufen könnten Sie schon wegmachen? Wohl zu faul zum Bücken?“ Obwohl Greta gar keinen Haufen gemacht hat sondern mit ein bisschen Pipi ne Markierung an nen Baum, wie Hunde das halt so tun. Dann würde ich am liebsten zurückrufen: „Sind Sie doof?“ Hab ich auch schon mal gemacht, aber die Person war mit all ihrer Selbstgerechtigkeit im Schlepptau schon außer Hörweite. Und dann frage ich mich: Darf ich das, so ne Meckerziege voller Inbrunst ne Meckerziege nennen?

„Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt.“ Sagt Jesus. „Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.“ Puh, ein Gott hat da gut reden. Wäre ich Gott, dann würde ich manchmal das eine oder andere Haar unter den Tisch fallen lassen, soviel steht mal fest. Ich schaff das einfach nicht, immer und überall und jeden Tag jeden Menschen nett zu finden. Aber zum Glück bin ich nicht Gott. Dazu fehlt mir die Geduld. Ich geb mir ja Mühe, echt. Aber oft muss Gott den Rest selbst machen. Und das Schöne ist: er tut das ja. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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