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Kirche in WDR 5 | 19.01.2021 | 06:55 Uhr

Mehr Leidenschaft

Guten Morgen.

Von dem großen Komponisten Ludwig van Beethoven ist folgendes Zitat überliefert: Eine falsche Note zu spielen ist unwichtig. Aber ohne Leidenschaft zu spielen ist unverzeihlich.

Was Beethoven damit meint, wird mir sofort klar, wenn ich seine neunte Sinfonie höre: ein einzigartiges musikalisches Feuerwerk, bei dem ich mich kaum auf dem Sitz halten kann. Da interessiert es mich tatsächlich überhaupt nicht, ob da eine Note falsch gespielt wird, ich würde es noch nicht einmal bemerken. So reißt mich die Musik mit.

Ich finde das Zitat auch ein wenig beruhigend – für mich als – naja, sagen wir, normal begabte – Klavierspielerin. Je anspruchsvoller die Klavierstücke werden, umso wahrscheinlicher ist es, dass ich hin und wieder daneben greife. Da ist es gut, wenn mir ein Meister wie Beethoven persönlich zusichert, dass mal auch mal daneben liegen darf – und dass es in der Musik eigentlich auf andere Dinge ankommt.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Natürlich sind die Noten auf dem Notenblatt wichtig. Und doch – für mich ist „Korrektheit“ nicht die entscheidende Kategorie, wenn es um Musik geht. Damit Musik zur Musik wird, braucht es mehr, einen persönlichen Zugang, Individualität – oder eben mit Beethovens Worten – Leidenschaft.

Die Weisheit, die Beethoven in seinem Zitat äußert, gilt allerdings nicht nur für die Musik, sondern meiner Meinung nach für das ganze Leben. Leicht umformuliert hieß es dann: Es ist absolut entschuldbar, wenn du Fehler machst – das ist nur menschlich. Viel weniger entschuldbar ist es aber, wenn du im Leben keine Leidenschaft für etwas entwickelst, wenn du niemals für etwas brennst, wenn du dich für nichts begeistern kannst.

Wieviel Leidenschaft ist wohl schon erstickt worden und durfte nicht zum Ausdruck kommen – weil es wichtiger erschien, keinen Fehler zu machen und möglichst perfekt zu sein. Ich schließe mich da selbst übrigens nicht aus.

„Mach bloß keinen Fehler“ ist bestimmt einer der wirkmächtigsten Sätze in der Erziehung, auch wenn er meist gut gemeint ist – Aber wenn der Druck zu groß wird, keinen Fehler zu machen, erzeugt er Angst, Angst vor dem Leben, Angst, den eigenen Sehnsüchten und Leidenschaften nachzugehen. Und so traut man sich kaum, richtig hineinzugreifen in die Klaviatur des Lebens und das zum Klingen zu bringen, was in einem steckt und brennt und doch eigentlich hinauswill. Vielleicht nicht perfekt und fehlerlos, aber dafür umso erfüllender, überzeugender und mitreißender.

Und auch für das Glaubensleben und die Beziehung zu Gott gilt dieses Zitat. Bis heute gibt es diese Vorstellung von Gott als Richter, der in erster Linie dazu da ist, die Menschen zu überprüfen und zu bestrafen, wenn sie Fehler machen und Regeln übertreten. Aber geht es im Glauben vorrangig wirklich darum – keinen Fehler zu machen? Auch da meine ich: Wenn die Angst, Fehler zu machen, übermächtig wird, dann wirkt sich das eher blockierend aus auf einen lebendigen und auch frohen Glauben. „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst“, hat der hl. Augustinus einmal gesagt. Aber wie soll etwas brennen, wenn jeder Funke von der Angst, etwas falsch zu machen, erstickt wird?

Natürlich gibt es im Glauben etwas Vorgegebenes, das einfach dazugehört, damit der Glaube Glaube bleibt. Im Christentum ist das die Heilige Schrift und in der katholischen Kirche die Tradition. Aber diese Vorgaben treffen immer auf individuelle Personen, die sie aufnehmen und sie auf ihre Art zum Klingen bringen – am besten mit Leidenschaft und ohne Angst vor Fehlern. Denn erst dann überzeugen sie, erst dann bleibt der Glaube lebendig.

Einen virtuosen Einstieg in den Tag wünscht Ihnen Claudia Nieser aus Paderborn.


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