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Das Geistliche Wort | 03.01.2021 | 08:40 Uhr

Mein Stern-Moment

Musik: Lost In The Stars, von CD: The Moon, the Stars and You (2011), Text und Musik: Kurt Weill, Interpret: Nils Landgren, Label: ACT, LC:

 

Sprecher: „Als sie den Stern sahen, waren sie außer sich vor Freude.“ (Matthäus 2,10 – Basis Bibel)

 

Autorin: In meinem Kleiderschrank ganz hinten steht eine alte Pappschachtel. Die Ecken abgestoßen und der Karton fleckig. Sie ist mit Sternen aus Goldfolie beklebt. 

Die Schachtel habe ich viele Jahre im Schrank. Ein Kindergartenweihnachtsgeschenk für meinen Vater. Inzwischen bewahre ich Erinnerungen darin auf. Zum Beispiel die rote Pudelmütze, die er an kalten Wintertagen trug. Wenn mir die Tage düster erscheinen, dann schleiche ich zum Schrank und wühle mich durch die Wollpullis. Es funkelt mir entgegen und  mein Herz schlägt ein bisschen schneller: So hole ich die Schachtel aus dem Schrank und öffne den Deckel zum Inneren des Himmels. Denn wo Sterne drauf sind, da muss Himmel drin sein.

 

Musik: Weißt du, wieviel Sternlein stehen? (eigene Aufnahme, Altenberger Dom, KMD Andreas Meisner an der Orgel), Evangelisches Gesangbuch 511, Text: Wilhelm Hey, 1837, Melodie: Volkslied um 1818.

 

Autorin: „Weißt du, wieviel Sternlein stehen?“ Auf meiner Pappschachtel sind es genau 24 kleine und große goldene Sterne. Das Kenner-Auge sieht: Da war ein Kind mit Bastelschere und -kleber und Liebe am Werk. Kein Stern auf der Schachtel ist perfekt. Aber meine Erinnerungen, meine Stern-Momente sind’s ja auch nicht. 

Papa’s Mütze zum Beispiel. Wenn ich sie aus der Schachtel nehme, die Augen schließe und die über die Jahre dünn gewordene Wolle ein wenig in den Händen „knuffel“, dann kann ich sein Augenzwinkern sehen, sein Lachen hören. Dann rieche ich frisch geschlagenes Holz und Rosmarinkartoffeln. Dann höre ich die Zeitung rascheln und das Knarzen der Treppen im Haus unter seinem schweren Tritt. Das ist für mich so ein Moment, in dem ich mich gut aufgehoben fühle. Ein Moment, in dem für mich die Sterne am Himmel heller funkeln. 

 

Sprecher: „Und in dem Moment, als sie den Stern sahen, waren sie außer sich vor Freude und spürten das Besondere der einen Nacht: Gottes Segen: hell funkelnd wie ein Stern.“ (nach Matthäus 2,10 – Basis Bibel)

 

Autorin: In meiner Pappschachtel mit den Sternen drauf sind noch einige Erinnerungsstücke. Tatsächlich lassen mich die Erinnerungen spüren: Du bist aufgehoben, gehalten, geliebt.

Den gleichen Effekt hat für mich ein Blick in den Abendhimmel. 

Wenn die Sterne funkeln, dann fühle ich mich geborgen: Wie eine samt-weiche Decke werfe ich mir den Himmel um die Schultern und lasse mich daran erinnern, dass Gott diese kleinen und großen Lichter am Himmel gemacht hat, um mir zu zeigen: Mein Segen geht immer mit dir. Mein Wort zu dir gilt überall und jeder Zeit: Ich segne Dich! Das heißt: Ich bin bei dir! Du bist nicht allein. Du bist nicht klein oder unbedeutend. Nein, du bist es wert von den Sternen angefunkelt zu werden. Jetzt in der Weihnachtszeit sind viele Menschen empfänglich für die Botschaft der Sterne. 

Viele sind in den Tagen vor Weihnachten immer kurz nach Sonnenuntergang nach draußen gegangen, um zu sehen, wie Jupiter und Saturn am Himmel verschmelzen. Und wer weiß, vielleicht sind manche in diesen Tagen besonders empfänglich für die Botschaft des einen Sterns: 

 

Sprecher: Gottes Herrlichkeit erfüllt die Himmelshöhe! Und sein Friede kommt auf die Erde zu den Menschen, denen er sich in Liebe zuwendet!

(Lukas 2,14 – Basis Bibel)

 

Musik: Star Carol, von CD: The John Rutter Christmas Album (2002), Track 9, Komponist: John Rutter, Interpreten: The Cambridge Singers, Amazon.com Song ID: 223301695, LC:

 

Autorin: Gottes Liebe kommt zu den Menschen. Bereitwillig glauben wir das den Sternen der Weihnachtszeit: den Zimtsternen vom Backblech, den goldenen Sternen auf Pappschachteln, den Herrnhuter-Sternen in den Fenstern und den hellen Sternen am dunklen Nachthimmel. 

Zu anderen Zeiten im Jahr, nehmen wir die Sterne mit ihrer Botschaft vielleicht nicht so wahr. Dabei haben wir – finde ich – dieses himmlische „du bist behütet“-Funkeln doch auch zu anderen Zeiten oft bitter nötig. Dem evangelischen Pfarrer Steffen Riesenberg aus Bottrop geht’s ähnlich:

 

O-Ton Riesenberg: Na klar, Sterne sind ein Symbol für Advent und Weihnachten. Bei uns zu Hause kommen die Herrnhuter Sterne auch nur im Dezember in die Fenster. Dabei finde ich eigentlich, Sterne bräuchte es das ganze Jahr über. 

 

Autorin: Hinter dieser Erkenntnis steckt ein Stern-Moment:

 

O-Ton Riesenberg: Als ich vor 15 Jahren in Bonn studierte, gab’s noch den Puppenkönig. Ein riesiges Spielzeuggeschäft, drei Etagen voller bunter Kartons und Tüten mit Spielsachen. Im Advent hatten die immer ein wunderschönes Geschenkpapier: Dunkelblau mit kleinen und großen goldenen Sternen drauf. Irgendwann im Frühjahr war ich wieder einmal dort, hatte etwas für mein Patenkind ausgesucht und stand an der Kasse. „Soll ich’s einpacken?“, fragte die Verkäuferin. „Ja, gerne.“, sagte ich, „am liebsten in das tolle Geschenkpapier mit den Sternen.“ Mit großen Augen guckt sie mich etwas vorwurfsvoll an: „Das haben wir jetzt nicht. Sterne gibt’s nur zu Weihnachten!“

 

Musik: Stern über Bethlehem, (eigene Aufnahme, Altenberger Dom, KMD Andreas Meisner an der Orgel), Evangelisches Gesangbuch 546, Text und Melodie: Alfred Hans Zoller 1964.

 

Autorin: Sterne gibt es nur zu Weihnachten. Ein Spitzensatz. Stimmt und stimmt auch wieder nicht. Denn die Sterne sind immer am Himmel: 

 

O-Ton Riesenberg: Seeleute wissen, dass man mit den Sternen zum richtigen Hafen finden kann und die Weisen aus dem Morgenland finden so zur Krippe. 

 

Autorin: Neben Pappschachtel und Geschenkpapier muss der katholische Pfarrer Thomas Taxacher aus Altenberg im bergischen Land …

 

O-Ton Taxacher: „… an eine laue Sommernacht denken. Ich war mit Freunden unterwegs und in dieser Nacht gab es ganz, ganz viele Sternschnuppen am Himmel. Wir lagen im Gras, haben nach oben geschaut und die Sterne beobachtet. Und immer wieder fiel eine Sternschnuppe vom Himmel und das war ein besonders schöner Moment.

 

Autorin: Mit Freunden unter dem dunklen Himmel Sternschnuppen beobachten, vielleicht Wünsche im Herzen formulieren und hoffen, dass sie wahr werden. Eine schöne Erfahrung.

Mit großen Hoffnungen sind auch drei Freunde aus der Bibel unterwegs. Die Sterndeuter. Sie haben am Himmel einen besonderen Stern entdeckt und wollen sehen, was all das Funkeln wohl zu bedeuten hat. Was ist unter dem Stern los?

 

Sprecher: Jesus wurde in Betlehem in Judäa geboren zu der Zeit, als Herodes König war. Sieh doch: Es kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem. Sie fragten: „Wo ist der neugeborene König der Juden? Denn wir haben seinen Stern im Osten gesehen. Wir sind gekommen, um ihn anzubeten.“ Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm alle in Jerusalem.

(Matthäus 2, 1-3 – Basis Bibel)

 

Musik: Star Carol, von CD: The John Rutter Christmas Album (2002), Track 9, Komponist: John Rutter, Interpreten: The Cambridge Singers, Amazon.com Song ID: 223301695, LC:

 

Autorin: Da ist was los! Und manch einem wackelt in so einem Stern-Moment die Krone. Auch heute noch. Denn das Kind im Stall unter dem funkelnden Stern, das kann etwas verändern. Wenn Gott sich klein macht, wenn Menschen spüren: Ich bin geliebt, ganz gleich, was ich bin und was ich habe. Dann bleibt nichts, wie es war. 

Das versetzt König Herodes früher in Angst und Schrecken und das versetzt bis heute Menschen in Angst und Schrecken. All jene nämlich, die die anderen so gerne klein halten. Steffen Riesenberg sagt: 

 

Musik: Die Nacht ist vorgedrungen (eigene Aufnahme, Altenberger Dom, KMD Andreas Meisner an der Orgel), Evangelisches Gesangbuch 16, Text: Jochen Klepper 1939, Melodie: Johannes Petzold 1939.

 

O-Ton Riesenberg: Das wäre schön: Ein Stern, der uns das ganze Jahr über führt und daran erinnert, dass Gott ausgerechnet ein Kind geworden ist. 

 

Autorin: Gut, dass uns nun ausgerechnet Kinder daran erinnern, dass Gott uns Menschen liebt und für uns da sein will.

Heller denn je!“ Das ist auch das Motto der diesjährigen Sternsinger-Aktion. Die vielleicht größte Aktion, bei der Kinder für Kinder die Sterne funkeln lassen und ganz konkret Geld sammeln, um die Not der Kinder in der Welt wenigstens ein bisschen zu mildern. Die Sternsinger folgen dem Stern, der Gottes Segen verheißt, bringen Segen und nehmen von den Menschen, denen sie begegnen etwas mit. Pfarrer Taxacher erklärt es persönlich:

 

O-Ton TaxacherAls Student hatte ich unbedingt Lust, selber Sternsinger-Begleiter zu sein. Es wurden Begleiter gesucht und ich hab‘ mich gemeldet. … noch heute erinnern sich Jugendliche, die heute erwachsen sind, an diese Zeit. An diese Gruppe, wo wir zusammen dann durch die Straßen gezogen sind und es war immer sehr schön, den Menschen dort zu begegnen und den Segen Gottes mit ins neue Jahr zu geben.

 

Autorin: Füreinander da sein, was gemeinsam haben. Dafür stehen die Sternsinger. „Heller denn je!“ ist ihr Motto. Und klar, Licht – ein Zeichen der Hoffnung und der Zuversicht, das ist gerade in diesen Zeiten etwas, das gut ankommt. Bloß. Wird’s dieses Jahr eigentlich was mit der Sternsinger-Aktion? Mit dem Segen bringen und Segen sein? Funkeln die Sterne auch in dunkeln Zeiten wie diesen. Ja. Einfach ja, tun sie. Pfarrer Thomas Taxacher erklärt warum: 

 

O-Ton Taxacher: Ich find es wichtig, festzuhalten an der Botschaft der Sternsinger, die den Segen Gottes zu den Menschen bringen – gerade auch jetzt in dieser besonderen Zeit, wo Begegnungen so schwierig und nur unter großen Herausforderungen möglich sind. Besonders auch, um die Kinder nicht zu vergessen, die Kinder in den Blick zu nehmen, denen geholfen wird durch die Aktion der Sternsinger. 

 

Musik: Die Nacht ist vorgedrungen (eigene Aufnahme, Altenberger Dom, KMD Andreas Meisner an der Orgel), Evangelisches Gesangbuch 16, Text: Jochen Klepper 1939, Melodie: Johannes Petzold 1939.

 

Autorin: Gott ist Mensch geworden. Ein kleiner Mensch. Ein Kind. Vielleicht auch, um mir zu zeigen, dass er eine Vorliebe für die Schwachen hat. Immerhin ist er mit genau den schlechten Voraussetzungen ins Leben gestartet, auf die heute die Sternsinger aufmerksam machen. Unter denkbar schlechten Voraussetzungen starten auch in diesem Jahr hunderttausende Kinder ins Leben. Ein Kind – das Jesuskind - wird jedes Jahr gefeiert. 

Gottes Sterne leuchten für alle Kinder. Zu jeder Zeit. Gott ist da, wo kein Platz ist. Wo Menschen auf der Flucht sind. An der Seite eines Neugeborenen im Flüchtlingslager Moria, das von Ratten angenagt wird. An der Seite von Kindern, die Gewalt erleben. Ich bin mir sicher, Gott wird aus einem Grund ein armes Menschenkind und ein König ohne Krone: um mich mit der Nase drauf zu stoßen, dass da Kinder und Menschen sind wie er. Kinder und Menschen, die meine Unterstützung brauchen, die wahr- und ernstgenommen werden wollen. Und er stößt mich mit der denkbar charmantesten Weise darauf: mit Sterngefunkel. 

„Heller denn je!“ 

 

Musik: Stern über Bethlehem, (eigene Aufnahme, Altenberger Dom, KMD Andreas Meisner an der Orgel), Evangelisches Gesangbuch 546, Text und Melodie: Alfred Hans Zoller 1964.

 

Autorin: Aber wie machen die Sternsinger das in diesem Jahr? Die Pandemie ist noch nicht besiegt, die Sternsinger können nicht von Tür zu Tür. Wie kriege ich mit, dass dieser Gott, der ja zu mir sagt, auch ja zu allen anderen sagt? 

In der Pfarrgemeinde von Thomas Taxacher werden die Sternsinger unterwegs sein. Allerdings nicht so, wie ich es gewohnt bin:

 

O-Ton Taxacher: Nicht in der klassischen Form von Haus zu Haus, sondern sie werden in den Gottesdiensten dabei sein: mit einziehen, haben ihre Krone auf, ein Gewand um und tragen einen Stern in der Hand. 

 

Autorin: Unter strengen Auflagen finden Gottesdienste statt, auch wenn nicht so viele Menschen zusammenkommen können wie sonst. Nach den Gottesdiensten sammeln die Sternsinger für Kinder in Not und verteilen Segensaufkleber. Und dann gibt’s noch was Besonderes, eine Aktion auf dem Parkplatz eines Supermarkts in Odenthal.

 

O-Ton Taxacher: Das wird am Samstag den 2. Januar und am  9. Januar stattfinden. Dort werden wir auch präsent sein und die Menschen begrüßen, ihnen einen guten Start in das neue Jahr wünschen und ihnen den Segen Gottes mit auf den Weg geben. 

 

Autorin: Gottes Segen mit auf den Weg ins neue Jahr gegeben zu bekommen. Ganz ehrlich, das freut auch mich als evangelische Pfarrerin. Wie gerne habe ich in den letzten Jahren die Tür geöffnet, wenn die Sternsinger geklingelt haben und habe über das Engagement der Kinder und Jugendlichen für Kinder in Not gestaunt. Es geht um:

 

O-Ton Taxacher: Gott, der hier zu dieser Welt ja gesagt hat. Zu jedem Kind ja gesagt hat. Der selber Kind geworden ist.

 

Autorin: Sagt Thomas Taxacher, denn Gott hat eine Schwäche für Kinder. 

 

O-Ton Taxacher: Und deswegen finde ich die Sternsingeraktion in diesem Jahr wichtiger als sonst und der Stern soll umso heller scheinen als sonst.

 

Autorin: Und wer den Stern sieht, wer die Sternsinger sieht, ist „außer sich vor Freude.“

 

Musik: Lost In The Stars, von CD: The Moon, the Stars and You (2011), Text und Musik: Kurt Weill, Interpret: Nils Landgren, Label: ACT, LC:

 

Autorin: Dass Sie sich an einen eigenen Stern-Moment erinnern. Dass Sie außer sich sind vor Freude, weil Sie Sterne und Sternsinger sehen. Dass Sie gut hören und spüren können: Gott liebt mich. Und dass Sie die Not von Kindern wahr- und ernstnehmen, ihnen ein Segen sind in Wort und Tat. 

Dass wünscht sich und Ihnen Pfarrerin Julia-Rebecca Riedel aus Odenthal.

 

Schlussmusik: Lost In The Stars, von CD: The Moon, the Stars and You (2011), Text und Musik: Kurt Weill, Interpret: Nils Landgren, Label: ACT, LC:

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth 

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