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Kirche in WDR 5 | 06.01.2021 | 06:55 Uhr

Mit einem anderen Blick

Jedes Mal, wenn ich ins Shingal-Gebirge reise, dann ist das wie das Abtauchen in eine komplett andere Welt. Und ich kann Ihnen sagen: Wenn Sie diese Welt dort sehen würden, wüssten Sie, wie gut wir es hierzulande haben.

Bei einem meiner Hilfseinsätze für die Jesiden in dieser Region im Norden von Syrien und Irak hatte ich eine Begegnung, die bleibt mir  nicht nur im Gedächtnis, sondern im Herzen. Im Shingal-Gebirge leben Menschen seit 2014 auf der Flucht.

Manche von ihnen haben keinen Platz in den regulären Flüchtlingslagern gefunden. Deshalb hausen sie  in Zelten am Rande der Straßen oder auch in Häuserruinen.

Unter diesen Flüchtlingen, gerade unter den Jugendlichen, ist die Selbstmordrate erschreckend hoch. Sie sehen einfach keine Zukunft mehr für ihr Leben. Pater Joseph aus Malta und sein Team versuchen dieser Hoffnungslosigkeit entgegenzuwirken.

Neben einem Kindergarten haben sie ein Nachhilfezentrum eingerichtet, in dem Jugendlichen dafür fit gemacht werden, trotz der langen Jahre der Flucht ihren Schulabschluss doch noch zu schaffen.

Mit den Helfern vor Ort habe ich diesen Kindergarten besucht, in dem gerade die Anmeldung für das neue Kindergartenjahr stattfand und da hatte ich diese Begegnung: Mir fiel eine Mutter auf, die ihr Kind dort anmeldete. Vom äußeren Anschein her hätte ich nie vermutet, dass diese Frau genau zu jenen Flüchtlingen gehört, von denen ich eben gesprochen habe. Sie lebte, nein, sie überlebte seit fünf Jahren mit ihren Kindern in einer der Häuserruinen.

Aber was mich stauendend machte: Dieses Kind kam mit sauberer Kleidung und ordentlich frisiert in die Einrichtung. Für uns eigentlich eine Selbstverständlichkeit - aber was für eine Arbeit muss sich diese Frau gemacht haben, dass ihr Kind so herkommen konnte? Pater Joseph sagte mir: „Das ist das, was diese Mutter für ihr Kind tun kann. Ihm seine Würde zu bewahren, in dem es so ordentlich gekleidet und sauber in den Kindergarten gehen kann.“

Und mir wurde mit einem Schlag traurig deutlich: diese Frau ist nicht zuerst ein Flüchtling. Sie ist eine Mutter, die sich für ihr Kind nichts anderes wünscht, als dass es in Würde und Frieden aufwachsen kann.

Und auf einmal sah ich diese Frau mit einem anderen Blick. Es ist doch so: Allzu oft vergessen wir das, allzu oft ist unser Blick eingeschränkt. Wie sehr kann sich unsere Welt verändern, wenn wir den Blick offenhalten. Nicht nur in diesem Flüchtlingslager im Nordirak, sondern auch heute Morgen, wenn Sie und ich aus der Haustür gehen und Menschen begegnen.

Aus Steinfurt grüßt Sie herzlich

Pfarrer. Jochen Reidegeld

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