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Kirche in WDR 4 | 22.04.2021 | 08:55 Uhr

Mit Gott rechnen

Guten Morgen!

In dieser Zeit habe ich ein anderes Verhältnis zu Zahlen bekommen.

Wie hoch ist die Inzidenzzahl? Und mit wie vielen Leuten, darf ich mich jetzt treffen?

Natürlich spielten Zahlen auch vor Corona eine Rolle. Im Gottesdienst habe ich mich gefreut, wenn die Bankreihen mal so voll waren, dass ich die Köpfe nicht mehr zählen konnte.

Aber heute haben Zahlen eine andere Bedeutung. Bei welcher Inzidenzzahl kann ich überhaupt wieder über Gemeindeveranstaltungen nachdenken? Welche Hochzeit ist schon zum zweiten Mal verschoben worden?

 

Vor Corona dachte ich, es gehöre zum guten Ton, nicht über Zahlen zu sprechen. Dabei kommen Zahlen sehr häufig in der Bibel vor. Gott hat in sechs Tagen Himmel und Erde erschaffen. Am siebten Tag ruhte er. Mit den zehn Geboten kann ich die wichtigsten Lebensregeln an meinen Fingern abzählen. In der Bibel entdecke ich viele Zahlenangaben. Manche wollten danach schon das Ende der Welt berechnen, doch die Erde dreht sich immer noch.

 

Aber einige Zahlen der Bibel eröffnen mir einen anderen Blickwinkel, zum Beispiel die Zwölf. Jesus beruft zwölf Jünger. Ihre Zahl erinnert an die zwölf Söhne Jakobs, auf die die zwölf Stämme des Volkes Israel zurückgehen. Jesus will den Glauben an den Gott Israels bestärken. Vielleicht macht er deshalb genau zwölf seiner Schüler und Freunde zu Botschaftern des Glaubens.

 

Die Bibel erzählt, dass sich einmal fünftausend Leute von diesem Glauben begeistern lassen. Sie hören Jesus einen ganzen Tag lang zu. Für die Jünger ist das lange genug. Doch Jesus will sie nicht ohne Essen nach Hause schicken. Aber nur fünf Brote und zwei Fische sind in der Nähe. Jesus lässt das Wenige, was da ist, unter den Leuten verteilen. Die sitzen in Gruppen zu fünfzig zusammen und werden alle satt. Und am Ende bleiben zwölf Körbe voller Lebensmittel übrig. (1)

War das wirklich eine wunderbare Brotvermehrung? Oder haben die Menschen endlich gelernt, füreinander da zu sein, und haben das bisschen, was sie hatten, miteinander geteilt?

 

Aber wie kommt es dann, dass so viel übrigbleibt, und zwar genau zwölf Körbe? Ich könnte nun wild rechnen und die 5000 Menschen durch die Zahl der Körbe, Fische und Brote teilen. Aber das Ergebnis würde nicht überzeugen.

Mich überzeugt an dieser Geschichte: Ich kann mit Gott rechnen, denn Gott rechnet anders.

Ich kann auf Gott vertrauen.

Wenn ich mit meiner Gemeinde heute verantwortlich umgehe und auf die Zahlen schaue, um mein Angebot anzupassen – dann ist das nicht alles. Gott wirkt, wenn wir unterwegs sind. Ob wir einander anrufen oder uns per Videokonferenz treffen, ob wir einen youtube-Gottesdienst vorbereiten oder unter besonderen Umständen und unter Schutzmaßnahmen direkt zusammenkommen – wir legen unser Bestes zusammen und Gott schenkt uns noch etwas darüber hinaus. In Summe mehr, als ich im Gepäck habe und in Summe so viel, dass ich mir nicht erklären kann, woher all dieser Segen gekommen ist. Ich muss mich nicht von Zahlen abhängig machen, denn ich kann auf Gott zählen. Wenn wir mit Phantasie und verantwortlich unsere Gemeinschaft leben. Nicht nur in der Kirche.

  

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Morgen! Ihr Pfarrer Michael Nitzke aus Dortmund.

  

(1) Die Bibel, Markus 6,30-44.

 


 Redaktion: Landespfarrerin Petra Schulze 

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