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Kirche in WDR 5 | 08.01.2020 | 06:55 Uhr

Mönchengladbach und der König


Rot – gelb – rot, das sind die Farben der Stadtfahne von Mönchengladbach. Rot – gelb – rot sind auch die Farben der Nationalflagge Spaniens. Die Farbengleichheit ist sicher keine Folge eines erbitterten Streits zwischen einem spanischen König und der Benediktinerabtei von Gladbach. Davon wissen die Wenigsten. Selbst den meisten Gladbachern ist der königliche Zwist unbekannt.

Jahrhunderte wirkten Mönche in meiner Heimat. Sie verwahrten in ihrer Abteikirche einen Schatz, den der spanische König Philipp II. unbedingt haben wollte. Bei jedem Besuch der heute noch prächtigen Kirche erinnert mich ein Gemälde daran. Auf dem Weg zur Sakristei kommt man an ihm vorbei: An Philipp II. Einst König von Spanien.

Er ist in seiner Rüstung dargestellt, deren poliertes Eisen glänzt. An seinem Hals schaut die spanische Krause heraus. Die Brust schmückt die Ordenskette des Goldenen Vlies. Der Kopf Philipps wirkt mit seinem rötlichen Bart schmächtig, aber energisch. Der Maler schien einen kriegslüsternen König darstellen zu wollen. Schließlich hat Philipp versucht, den Aufstand in den spanischen Niederlanden blutig nieder zu schlagen. Seine Statthalter dort regierten mit eiserner Hand. Was das Gemälde aber gänzlich verschweigt, ist sein religiöser Eifer. Und dafür war der Spanier einst fast mehr gefürchtet als für seine Kriegstaten. Tatsächlich verfolgte der König einen religiösen Wahn. Wie andere Briefmarken sammelten, sammelte er die Überreste von Heiligen. Er glaubte fest, ihre Reliquien würden ihn beschützen. Besonders hatte es ihm der heilige Laurentius angetan. Nach der Legende verwaltete Laurentius den Besitz der Kirche, den der römische Kaiser für sich beanspruchte. Bevor er zugreifen konnte, hatte Laurentius alles an die Armen verteilt. Der Kaiser verurteilte ihn zum Tod auf einem glühenden Rost. Um daran zu erinnern, ließ Philipp II. seinen Palast in Form eines Rostes bauen. Zusätzlich nannte er die Palastkirche San Lorenzo. Dort verwahrte er jede Reliquie des Heiligen, die er auftreiben konnte. Eine fehlte ihm jedoch: der Schädelknochen von Laurentius. Und der wurde in der Abtei Gladbach verehrt. Als Philipp II davon erfuhr, setzte er alles in Bewegung, um an dieses Teil zu kommen. Er versprach den Mönchen riesige Geldsummen, wenn sie die Reliquie herausrückten. Sie blieben hart, und der heilige Laurentius blieb in Mönchengladbach.

Ich gestehe, dass mir die Frömmigkeit des Königs fremd ist. Laurentius mag ein großer Heiliger gewesen sein, jedoch um seine Reliquie würde ich nicht kämpfen. Viel wichtiger ist für mich die Botschaft des Heiligen, sich um die Armen zu kümmern. Aber genau hierfür ist der Mönchengladbacher Katholizismus besonders bekannt. Vor 130 Jahren gründete sich hier der Volksverein für das katholische Deutschland, der wegweisend war in der sozialen Frage. Dass der soziale Katholizismus aus Mönchengladbach besser bekannt ist als das Reliquien-Scharmützel mit einem spanischen König, das stimmt mich jedes Mal froh, wenn ich an dem Gemälde von Philipp II. vorbei gehe.

Gottes Segen für heute wünscht Ihnen Albert Damblon aus Mönchengladbach.



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