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Kirche in WDR 4 | 25.03.2020 | 08:55 Uhr

Moria

Guten Morgen.

Da gibt es in der griechischen Mythologie eine Nymphe namens Moria. Wir würden sagen eine Elfe. Die flattern öfters durch diese Sagen und verkörpern dabei die Kräfte der Natur in Bäumen, Bergen und Quellen.

Die Nymphe Moria war an einem Fluss im Westen der heutigen der Türkei zu Hause. Einst hat sie, so heißt es, ihren Bruder vom Tod gerettet. Der war von einer Schlange gebissen worden und gestorben. Doch sie stiehlt von den Schlangen ein Zauberkraut, mit dem sie den Bruder zurückholt ins Leben. Moria das war also einst eine junge Frau, die sich mit dem Mut der Liebe gegen den Tod stemmt und Erfolg hat.

Heute denkt man zuerst an das Örtchen Moria auf der griechischen Insel Lesbos und das gleichnamige Flüchtlingslager. Gedacht für maximal 3000 Menschen, aber über 20.000 harren dort aus, unter elenden Bedingungen, davon fast die Hälfte Kinder.

Regierungen taktieren mit ihren Schicksalen und dem der Inselbewohner, die sich vergessen vorkommen und missbraucht, als Abstellkammer für die Humanität und das schlechte Gewissen eines ganzen Kontinents. Ein schlechtes Gewissen, dass manchmal in harschen Ton umkippt: Auch wir haben es gerade schwer. Wir können ja nicht allen helfen.

Ja, es ist schwer. Das stimmt für manche, sogar für viele. Trotzdem. Gerade jetzt, will ich daran denken, dass ich und meine Sorgen nicht alles sind und wir und unsere Sorgen auch nicht.

Bis zu 1600 Kindern so der Beschluss der Koalition von letzter Woche, sollen von Lesbos nach Deutschland kommen. ‚Wenigstens etwas’, gewiss. Aber eben auch: Etwas wenig. Bitter wenig, wo doch rund 7000 schnellstens Hilfe brauchen und dutzende Städte in unserem Land und quer durch Europa regelrecht darum bitten, Flüchtlinge aufnehmen zu dürfen!

Das Wörtchen Moria kommt auch in der Bibel vor. Dort ist es ein Schreckens- und  Rettungsname zugleich. „Nimm deinen Sohn, ..., den du lieb hast und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort….“ So hört es Abraham, als Gottesbefehl, in einer der schaurigsten Erzählungen der Bibel. Töten soll er seinen Sohn. Und Abraham geht los – Befehl ist Befehl – und macht sich tatsächlich daran, das Unsägliche zu tun.

Grausig, unmenschlich, möchte man ausrufen und lange her glücklicherweise. Aber man braucht nur das Wort „Gott“ durch „Sachzwang“ oder „Realpolitik“ zu tauschen und merkt: Es ist bis heute Realität, dass Kinder, dass ihre Zukunft, Gesundheit, und auch ihr Leben geopfert werden. Weil es Sachzwänge gibt, angeblich höhere Ziele und Gründe, die das verlangen. Das Wörtchen Moria steht heute für einen Ort, an dem Kinder sterben.

In der Bibel macht Gott selbst, dem Spuk ein Ende als Abraham schon das Messer hebt, um zu tun, was er denkt tun zu müssen. „Leg deine Hand nicht an das Kind und tu ihm nichts“, ruft ein Engel im letzten Moment dazwischen.

Und Gott macht Abraham klar: Immer schon gibt es Mittel und Wege, Menschen zu retten, statt sie preiszugeben, an das, was angeblich nun einmal so ist und immer schon stehe ich auf Seiten des Lebens und auf Seiten der Kinder – unserer Kinder, und aller anderen auch.

Einen behüteten Tag wünscht Ihnen Ihr Jan-Dirk Döhling aus Bielefeld.

 

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