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Kirche in WDR 4 | 31.08.2020 | 08:55 Uhr

Mutprobe

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Und vielleicht haben Sie ja schon die Zeitung gelesen. Ich freue mich immer auf die Seite mit den bunten Meldungen aus aller Welt. Und neulich stolpere ich da über eine seltsame Überschrift: „Mann von Kreuzotter in die Zunge gebissen.“ Verrückte Welt, denke ich. Wie kommt‘s zu sowas? Tja. Eine Truppe junger Männer hatte auf einer Hütte in den österreichischen Alpen Junggesellenabschied gefeiert. Reichlich Alkohol war geflossen. Und der Mann, um den es ging, hatte im Gras einen vermeintlichen Wurm gefunden, diesen aufgehoben und angekündigt, nun werde er seinen Mut erproben und den Wurm küssen. Heftiges Klatschen und Gejohle im Publikum. Tja. Der Wurm ist aber gar kein Wurm gewesen, sondern – Sie ahnen es – eine veritable Kreuzotter. Zack, Biss in die Zunge, Mund zugeschwollen, Panik, Bergrettung, ab ins Krankenhaus.

Nun braucht man nicht bis in die Alpen zu reisen, um merkwürdige Bräuche im Rahmen von Junggesellenabschieden zu studieren. Gerade Kölnerinnen und Kölner werden wissen, wovon ich spreche. Sollten sich die Junggesellenabschiede nun vom Rhein in die Berge verziehen – meinen Segen haben sie. Und wenn Würmer küssen das neue Bierbiken ist – tja, von mir aus.

Ich hab meinem Freund Helmut den Link zu dieser Geschichte geschickt. Und weil Helmut ein kluger Philosoph ist schreibt er zurück: „Wie viel Mut braucht es, einem Wurm zu küssen?“

Ich könnte niederknien vor dieser Antwort. Helmut hat natürlich absolut Recht und mit seiner Frage ins Schwarze getroffen. Wie viel Mut ist im Spiel, wenn ein Mensch einen Wurm küsst? Eben, genau. Ich hab sofort an die Geschichte von David und Goliath denken müssen. Die Geschichte von dem Riesen, der sich den kleinen Hirtenjungen zur Brust nehmen will. Groß gegen Klein. Ausgang klar. Aber dann zeigt der kleine Hirtenjunge dem Goliath, was ein Krieger ist, der nicht nur Muckis hat sondern auch Hirn, packt seine Steinschleuder aus und zack – der Riese fällt um. Geschepper und Krawumm. Seine Kollegen packen ihre Waffen zusammen, hauen ab und aus die Maus.

Was ist also ne Mutprobe? Wenn einer anfängt, etwas komplett anders zu machen als es alle anderen erwarten. Oder um im Bild zu bleiben: Wenn ein Wurm einen Menschen küssen würde, tja, das wäre ganz schön mutig von dem Wurm.

Ein Beispiel für so einen mutigen Wurm ist israelische Arzt Rafi Walden, 78 Jahre alt. Seit 25 Jahren fährt er einmal im Monat ins Westjordanland, um kranken Palästinensern zu helfen. Das finden viele Israelis und Palästinenser Mist. Ihm ist das egal. Ihm geht es um die Menschen. Den Lastwagenfahrer mit dem Schlaganfall. Das Mädchen mit dem Juckreiz. Rafi Walden ist einer, von dem die Zeitung geschrieben hat, er hört nicht auf zu hoffen. Weiter hoffen, wo alle die Flinte ins Korn werfen. Es einfach anders machen. Als kleiner Wurm die Menschen küssen. Immer wieder. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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