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Kirche in WDR 2 | 10.09.2019 | 06:20 Uhr

Nackt geboren

Ich bin Judith Uhrmeister, Guten Morgen!

Ich liebe Klamotten und alles, was dazugehört.

Logischerweise gehe ich auch genauso gerne shoppen.

In Ruhe durch die schicken, aufgeräumten Geschäfte bummeln, die mir alle das Gefühl geben, dass die Welt in Ordnung ist und ein Kauf nur noch die Krönung dieses himmlischen Lebens. Glitzernd und neu, knallig bunt, extravagant und genauso glatt wie die Stoffe wird mein Leben sein, wenn ich das jetzt kaufe.

Ich weiß natürlich, dass es nicht so ist. Ich weiß auch, dass kein Kauf der Welt meine Probleme lösen kann oder mich tatsächlich zu der werden lässt, die ich gerne wäre.

Und das hat mir der Künstler Ai Weiwei mit seiner Installation „Waschsalon“, die die Kunstsammlung NRW im Rahmen einer großen Ausstellung im K21 in Düsseldorf gezeigt hat.

Ich betrete die Installation, indem ich weiße Treppen hinunterlaufe, um die Ecke biege und dadurch der Blick frei wird auf einen Raum, der aussieht wie in ein großes, hippes Kaufhaus.

Die Wände sind von oben bis unten voll mit Fototapete, der Boden sieht aus wie ein außergewöhnliches Designerstück, das Licht ist hell und schafft eine stimmungsvolle Atmosphäre, und die graphisch angeordneten Kleiderstangen, an denen gut sortiert und glatt gebügelt die Klamotten hängen, laden dazu ein, sich auf Schnäppchenjagd zu begeben.  .

Aber je näher ich den Bildern an der Wand und den Kleiderständen komme, desto klarer wird mir, dass dies kein Kaufhaus ist, in dem man tatsächlich etwas kaufen kann.

Die Bilder an der Wand sind Fotos, die den Künstler Ai Weiwei zeigen, wie er Flüchtlingslager besucht. Eindrückliche Bilder von Menschen in tiefster Not. Die Kleider an den Stangen sind Kleider, die Menschen gehörten, die auf ihrer Flucht entweder gestorben sind oder aus den Lagern vertrieben wurden. Der chinesische Künstler hat all diese verlassenen Klamotten nach Deutschland gebracht, sie flicken, nachfärben und glattbügeln lassen. So dass sie wieder aussehen wie neu. Wie Klamotten, die ich kaufen würde, wenn ich zum Shoppen losziehe.

Mir wird klar: Jeder Mensch braucht Kleidung, die beim Leben hilft. Aber die Kleidung selbst ist nicht das Leben, sie wird zu Müll, wenn sie nicht getragen wird. Ob ich nun in Düsseldorf lebe, oder sonst wo auf der Welt, für uns alle gilt, was Hiob aus der Bibel, dem das Leben so richtig übel mitgespielt hat, einmal so gesagt hat:

„Nackt kam ich aus dem Leib meiner Mutter, und nackt gehe ich wieder aus dem Leben. Der Herr hat‘s gegeben. Der Herr hat‘s genommen“; das kann man jetzt finden, wie man will. Hiob hat sich letzten Endes damit abgefunden und seinen Gott trotz allem gelobt.
(Hiob 1, 21)

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

 

 

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