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Kirche in WDR 5 | 28.09.2020 | 06:55 Uhr

Nazaret - Gott im Alltäglichen finden

Guten Morgen!

Seit gut vier Jahren lebe ich nun schon in Jerusalem als Repräsentant des Deutschen Vereins vom Heiligen Land. Und eine meiner Aufgaben ist es da natürlich, Gastgruppen zu zeigen, wo Jesus gelebt und gewirkt hat. So komme ich immer wieder nach Nazaret, wo Jesus aufgewachsen ist. Da zitiere ich dann gerne einen Satz aus dem Johannesevangelium: „Kann aus Nazaret, etwas Gutes kommen?“ Immerhin: So fragt Natanael, einer der späteren Jünger Jesu, als er zum ersten Mal von Jesus aus Nazaret hört (vgl. Joh 1,46). Damit bringt er die Skepsis zum Ausdruck, die man damals gegen das Kaff Nazaret hatte, das so unbedeutend war, dass es außerhalb des Neuen Testaments nirgendwo auch nur erwähnt wird.

Meine Gastgruppen sind dann immer etwas überrascht, denn sie kommen mit großen Erwartungen in diesen „Geburtsort“ des Christentums. Und sie sind oft enttäuscht, wenn sie statt eines idyllischen Dorfes eine lärmende, chaotische arabische Stadt vorfinden, beherrscht von einer monumentalen Kirche, die weder in die damalige noch in die heutige Zeit zu passen scheint.

Ich versuche die Enttäuschung dadurch aufzufangen, dass wir den Rundgang nicht in der katholischen Verkündigungskirche beginnen, sondern in der kleinen orthodoxen Gabrielskirche. Die birgt nämlich etwas Besonderes: In der Krypta fließt noch heute das Wasser der einzigen Quelle von Nazaret. Man kann daraus schöpfen und sozusagen aus der gleichen Quelle trinken wie einst die Familie Jesu.

Nach orthodoxer Tradition hat hier auch die Geschichte der Verkündigung angefangen. Denn eine alte, nicht biblische Geschichte erzählt, dass der Engel Gabriel Maria zunächst an dieser Quelle angesprochen hat. Das passt gut: Brunnen waren in biblischen Zeiten immer Orte, wo Frauen nicht bloß Wasser holen, sondern auch Neuigkeit empfingen. Boten aus einer fernen Welt konnte man hier treffen.

Von der Gabrielskirche aus gehe ich dann mit den Gästen durch den Basar, vorbei an der ein oder anderen Schreinerei – der Beruf des Zimmermanns wird hier immer noch ausgeübt. Und es ist leicht sich vorzustellen, wie Jesus selbst dieses Handwerk ausgeübt hat als Sohn eines Zimmermans (vgl. Mt 13,55).

Schließlich kommen wir in die moderne Verkündigungskirche aus den 1960er Jahren. Darin befindet sich die Grotte, die Wohnhöhle, wo alles angefangen hat. Niemand bezweifelt nämlich bis heute, dass Jesus wirklich in Nazaret aufgewachsen ist – eine Herkunft aus solch einem unbedeutenden Ort erfindet man nicht. Und schon im 2., 3. Jahrhundert haben Pilger hier Graffiti hinterlassen, in denen es heißt: „Gegrüßet seist du Maria“. Allerdings ist die Wohnhöhle unter den Schalen späterer Bauten nur schwer zu entdecken: Die Überreste mehrerer Vorgänger-Kirchen überlagern einander und werden schließlich von einer gewaltigen Betonkuppel des modernen Kirchenbaus gekrönt.

Wenn dann die Gäste noch immer enttäuscht sind von diesem Nazaret, das so gar nicht zu dem passt, was sie hier zu finden hofften – die einfache, authentische Welt Jesu – dann frage ich sie: Dieses Nazareth, das so ganz anders ist als wir uns den Herkunftsort des Gottessohnes vorstellen – passt das nicht sehr gut zu der seufzenden Frage des Natanael, ob von hier etwas Gutes kommen kann? Natanael hatte auch seine Vorstellungen, wie ein Ort aussehen muss, aus dem der Messias kommt. Und er musste feststellen: Der Ort, wo Gott zu finden ist, ist ganz anders. Ja, sogar dieser Gott ist ganz anders als ich dachte.

Aus Jerusalem grüßt Sie Georg Röwekamp.

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