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Kirche in WDR 2 | 06.06.2020 | 05:55 Uhr

Neuanfang

Dass es so viele sind, hätte er nicht gedacht. Tatsächlich ist es ein ordentlicher Stapel, der da auf dem Küchentisch liegt. Lauter Briefe von seiner Frau. Nicht vom Ende, als es um die Scheidung ging. Sondern vom Anfang. Als „Der Andere“ noch nicht da war. Als es nur sie beide gab. Und ihre frische, junge Liebe.

Er hat die Briefe alle aufgehoben, die sie ihm damals geschrieben hat. Hat sie in eine Schachtel gepackt, zwar ziemlich unsortiert, aber immerhin. Nun hat er die Briefe zum ersten Mal seit Langem wieder hervorgeholt. In der letzten Zeit, wo es sowieso nur Streit gab, hatte er echt nicht das Verlangen danach. Und direkt nach der Trennung wäre ihm der Gedanke auch nicht gekommen. Dafür tat das alles noch viel zu weh.


Auch jetzt steckt ihm ein ziemlicher Kloß im Hals, als er den Stapel vor sich sieht. Was soll er mit den Briefen machen? Lesen will er sie eigentlich nicht. Sie wieder zurück in die Schachtel legen und die an ihren gewohnten Ort stellen, fühlt sich aber auch nicht gut an. Dann wird er immer wieder darüber stolpern und an alles erinnert. Aber die Briefe einfach wegschmeißen? Oder gar verbrennen, wie das manchmal in melodramatischen Filmen vorkommt?


Als er sich vor ein paar Tagen bei seinem Freund endlich mal den Frust von der Seele geredet hat, da hat ihm der Freund gesagt, er müsse jetzt mal langsam die Kurve kriegen und die Trennung hinter sich lassen. Damit er irgendwann wieder neu anfangen kann.


Neu anfangen. Für ihn sind das noch ziemlich fremde Worte. Sie klingen zwar irgendwie sinnvoll. Aber noch reichlich gewöhnungsbedürftig. Eher wie ein Fernziel. Nein, so weit ist er noch nicht. Er legt die Briefe zurück in die Schachtel und bringt sie hoch auf den Dachboden. Dort verstaut er sie in der hintersten Ecke.


„So einfach ist das nicht, alles hinter sich zu lassen,“ denkt er, als er vom Dachboden wieder heruntersteigt. Gott hat es da irgendwie einfacher. In der Bibel kommt das häufig vor, dass die Menschen Gott bitten, die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Und Gott lässt sich immer wieder darauf ein. Irgendwie kriegt er das besser hin als wir. Das mit dem Vergeben - vielleicht auch Vergessen - und mit dem Neuanfang.


Immerhin kann uns das Mut machen. Wenn wir Gott um Kraft bitten für einen Neuanfang in unserem Leben. Oder einen Neuanfang mit Gott brauchen. Er weiß, wie das geht. Er hat viel Erfahrung damit. Und er wird uns helfen, dass wir das auch hinkriegen.



Redaktion: Sabine Steinwender-Schnitzius

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