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Kirche in WDR 3 | 26.12.2019 | 07:50 Uhr

Nicht bloß zuschauen


Guten Morgen!

Heute, am zweiten Weihnachtstag wird in der katholischen Kirche des heiligen Stephanus gedacht, des ersten christlichen Märtyrers, der zu Tode gesteinigt wurde. Und von ihm, besser noch von seiner Verehrung möchte ich erzählen, weil die mit Jerusalem zu tun hat, wo ich seit vier Jahren lebe, und weil die hochaktuell ist.

Alles beginnt mit dem Traum des Lukianos, einem Dorfpfarrer. Den Traum will er seinem Bischof in Jerusalem erzählen. Das ist nicht so einfach, denn für Träume hat der keine Zeit.

Aber Lukianos ist hartnäckig. Und schließlich kann er dem Bischof von seinem Traum erzählen: Gamaliel, der Lehrer des Paulus sei ihm erschienen, und habe ihm gezeigt, wo er einst die Gebeine des Stephanus begraben habe – nämlich in dem nach ihm benannten Dorf Kaphar Gamala. Dort, wo er als Priester wirkt. Und – o Wunder – als er sich auf die Suche macht, da findet er an der angegebenen Stelle tatsächlich eine Kiste mit Gebeinen. Und auf der steht das aramäische Wort „kelil“, zu Deutsch „Kranz“, auf Griechisch „Stephanos“.

Nun sieht der Bischof, dass das für seine Stadt Jerusalem ein zusätzlicher Anziehungspunkt für Pilger sein kann und lässt die Reliquien des Stephanus, des ersten christlichen Märtyrers in die Heilige Stadt bringen. Das geschieht am 26. Dezember 415, weswegen heute noch am 26.12. des Stephanus gedacht wird.

In Jerusalem werden die Reliquien zunächst in der Zionskirche aufbewahrt, bevor bald darauf eine eigene Kirche nördlich des Damaskustores für sie errichtet wird.

Diese Kirche ist längst zerstört. Allerdings haben im 19. Jahrhundert französische Dominikaner auf den Grundmauern eine neue Stephans-Kirche errichtet.

Bemerkenswert: Im Atrium der Kirche steht heute, hoch auf einer Säule, eine moderne Statue des heiligen Stephanus. Obwohl – Stehen stimmt eigentlich nicht. Er kniet, vielleicht schon von den ersten Steinen seiner Hinrichtung getroffen; die Arme hängen herab, die Handflächen weisen offen nach vorn. Unbeabsichtigt erinnert er mich auf erschreckende Weise an moderne Märtyrer, nämlich die 21 koptischen Christen, die Anfang 2015 in Libyen von den Schlächtern des Islamischen Staates umgebracht wurden. Auch sie mussten sich hinknien, bevor sie brutal ermordet wurden.

Ganz in der Nähe der Stephanuskirche in Jerusalem liegt das Paulushaus des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande, wo ich lebe und arbeite. Das Haus erhielt seinen Namen, weil irgendwann die Überlieferung aufkam: dort wo die Gebeine des Stephanus liegen, sei er auch gesteinigt worden. Und da war – laut Apostelgeschichte – auch Paulus dabei, der in Jerusalem bei seinem jüdischen Namen Saulus gerufen wurde: Zu seinen Füßen legten die Zeugen, die dabei waren, ihre Kleider nieder. Und er, Paulus schaute zu.

Das ist eine Szene, die mich ebenso bewegt, wie das Martyrium selbst. Paulus schaut zu. Wie viele Menschen schauen einfach zu: Nicht nur bei Unfällen auf der Autobahn, sondern auch bei den zahllosen Martyrien heute. Via Fernsehen und Internet. Zu Land und auf See.

Paulus – so heißt es in der Apostelgeschichte weiter – bricht später von Jerusalem auf Richtung Damaskus.

Auf dem Weg hört er – so erzählt die Apostelgeschichte weiter – eine Stimme, die fragt: Saulus, Saulus, warum verfolgst Du mich? Ich übersetze das für mich so: Warum tust du das? Warum schaust Du zu? Siehst Du nicht, dass das unschuldige Opfer sind?

Paulus wurde später die Gnade eines neuen Blicks geschenkt. Plötzlich waren diese Menschen, Stephanus und all die anderen, nicht mehr religiösen Gegner oder sogar Feinde. Plötzlich fand er sich auf ihrer Seite als Anhänger des Jesus von Nazareth wieder.

Ach, wenn doch auch wir diese Stimme hören würden. Damit das tatenlose Zuschauen aufhört.

Aus Jerusalem grüßt Sie Georg Röwekamp.

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